Steterburg will schnellere Hilfen

Thiede.  Es gibt Sprachprobleme in der Grundschule, die Stadt will sich an weiteren Förderprogrammen beteiligen.

Die Zeit läuft in Steterburg nicht nur am Markt davon.

Die Zeit läuft in Steterburg nicht nur am Markt davon.

Foto: Bernward Comes

Ein wenig mehr Tempo wünschen sich die Steterburger schon bei der Erneuerung ihrer Siedlung. Kristina Wilkens, die seinerzeit zu den Initiatoren von „Unser Steterburg wird attraktiver“ gehörte, vermisst die Dynamik im Prozess.

„Wie ist der Stand der Beantragung von Mitteln für Gemeinwesenarbeit im sozialen Brennpunkt Steterburg?“, wollte Wilkens deshalb jüngst im Ortsrat Nordost für die Bürgerliste 38239 wissen. Sie ärgert sich, dass „mit Sabine Naats eine kompetente Sozialarbeiterin im Quartiersmanagement sitzt. Sie hat aber andere Aufgaben“, so Wilkens enttäuscht.

Auf ihre Anfrage erklärte die Stadtverwaltung, dass es sich bei der Förderkulisse Soziale Stadt um ein baulich investives Förderprogramm handele. Zur baulichen Umsetzung werde auf „Bewohnerbeteiligung“ geachtet. Diese Aufgabe werde in der Tat im Rahmen des Quartiersmanagements bearbeitet.

Außer solchen Vorhaben dürften allerdings auch „nicht-investive Komplementär-Förderprogramme von der Kommune und den Trägern vor Ort eingeworben werden“, erklärt die Stadt weiter. Mit diesen dürfe das Zusammenleben verschiedener Gruppen und die Inte-gration verbessert werden.

Zu Wilkens Forderung, für Gemeinwesenarbeit müssten zusätzliche Gelder beantragt werden, verwies die Verwaltung auf ein neues Förderprogramm. Das Land, die Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte und die NBank fördern damit beispielsweise das nachbarschaftliche Zusammenleben, den Abbau von Konflikten und die Stärkung der Integration der verschiedenen Bevölkerungs- und Interessengruppen. Oder aber die Schaffung von Anlaufstellen mit bedarfsgerechter Beratung.

Bezuschusst werden maximal 75 Prozent der förderfähigen Ausgaben, maximal 75.000 Euro für ein Projekt beziehungsweise bis zu 150.000 Euro für mehrere. Die Stadt Salzgitter beabsichtigt nach Aussage der Verwaltung einen entsprechenden Bewerbungsantrag zu stellen. Über dessen Erfolg entscheide allerdings eine Jury. Die entsprechenden Unterlagen müssen bis zum 26. April eingereicht sein.

Noch nicht beantwortet ist eine weitere Anfrage der Bürgerliste. Die möchte wissen, „in welchem Umfang und wofür die Stadt die EHAP-Fördermittel in Zukunft in Steterburg“ einsetzen möchte. Für Kristina Wilkens könnte damit die Integration zugewanderter osteuropäischer Familien vor Ort unterstützt werden.

Der Europäische Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) stellt sogar Nahrungsmittel. Die materielle Unterstützung soll aber Hand in Hand mit Maßnahmen zur sozialen Eingliederung wie Beratung und Unterstützung gehen.

Im Einzugsgebiet der Grundschule Steterburg wäre Unterstützung nötig. Seit zwei Jahren gebe es dort einen vermehrten Zuzug bulgarischer Familien, in denen niemand deutsch sprechen könne. Die Schule schilderte die Probleme: „Zurzeit unterrichten wir 26 Schülerinnen und Schülern ohne ausreichende Deutschkenntnisse. Eine außerschulische Förderung im Rahmen von zwei Kleingruppen im Umfang von zwei Wochenstunden wäre für uns wünschenswert.“ Dies könne indes nicht durch schulische Mittel geleistet werden, heißt es.

Die Hauptschule Thiede unterrichtet einige ältere bulgarische Jugendliche. „Auch unser Schwerpunkt ist es, dass sie erst einmal Deutsch lernen“, berichtet Schulleiterin Alexandra Guttack. Und weiter: „Es wäre toll, wenn es mit einer Förderung zwei weitere außerschulische Deutsch-Stunden gäbe.“ Auch weitere Stunden der Integrationslotsin wären Gold wert.

SPD-Ratsherr Rainer Armbrust befürchtete allerdings, dass es EHAP-Mittel nur für den Sprachunterricht von Vorschulkindern geben dürfte. Angesichts der Sonderzahlung des Landes für die Integration von Flüchtlingen in Salzgitter in Höhe von 50 Millionen Euro müsste dagegen auch etwas nach Steterburg fließen. „Damit könnte man beispielsweise kritische Wohnblocks erwerben und die Sozialstruktur stärken“, so Armbrust.

„Die Förderung muss zielgerichtet auf unsere Projekte abgestimmt sein“, bestätigt Ortsbürgermeister Christian Striese (CDU). Ein Grundgedanke sei gewesen, auch Sozialarbeit über die Städtebauförderung der Sozialen Stadt mit aufzubauen. Eine Gemeinwesenarbeit, wie sie beispielsweise Markus Meyer im Stadtteiltreff geleistet habe, „hatten wir eigentlich auch im Zuge der Sozialen Stadt“ gewollt. „Dazu kommt die aktuelle Bevölkerungsentwicklung, bei der immer mehr Familien aus Osteuropa zuwandern, die kein Deutsch sprechen.“ Dort sei laut Striese nicht nur in den Schulen Handlungsbedarf.

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