BBS-Podium zur Europawahl: Upload-Filter führt zu Streit

Lebenstedt.  Die Berufsbildenden Schulen am Fredenberg machten sich stark für die Europawahl. Sie löcherten sieben Kandidaten mit Fragen.

Sieben Kandidaten für die Europawahl stellten sich den Fragen der BBS-Schüler.

Sieben Kandidaten für die Europawahl stellten sich den Fragen der BBS-Schüler.

Foto: Bernward Comes

Wenn es am 26. Mai ums Kreuzchenziehen bei der Europawahl geht, wollen die Schüler der Berufsbildenden Schulen am Fredenberg (BBS) gut vorbereitet in die Kabinen gehen. Daher veranstalteten die Schule und unsere Zeitung gestern eine 90-minütige Podiumsdiskussion, bei der sich sieben Kandidaten den Fragen von knapp 600 Jugendlichen stellten. Die Aufgabe war nicht einfach – die Themen reichten vom Streit um den Upload-Filter über Klimawandel und Tierschutz bis zu Rechtspopulismus und die Flüchtlingskrise. Wer bei den Schülern am besten punkten konnte, erwies eine Testwahl – mit überraschendem Ergebnis.

SZ-Redakteurin Verena Mai konnte als Moderatorin sachlich argumentierende und selten streitlustige Politiker um Antworten bitten. Doch ihre Stellungnahmen fielen angesichts vieler Fragen innerhalb begrenzter Zeit selten tiefgründig aus. Der Neugier des Publikums stellten sich teilweise weitangereiste, nicht nur junge Kandidaten. Sie lieferten auf dem Podium zunächst den Schülern Görken Türkmen, Celina Voß und Vanessa Richter Profile, Thesen und Meinungen, dann 45 Minuten lang vielen Fragestellern in der dicht besetzten Aula.

Zu Gast waren Lena Düpont (32, CDU) aus Gifhorn, SPD-Generalsekretär Axel Saipa (36) aus Goslar, die in Bünde aufgewachsene, 34-jährige niedersächsische Grünen-Chefin Anne Kura, Max Weitemeier (19) von der FDP aus Wolfenbüttel, der Ex-Punker und heutige Landesgeschäftsführer der Linken, Christoph Podstawa (36) aus Lüneburg, der Vize-Bundesvorsitzende der Feien Wähler, Gregor Voht (29) aus Lübeck, sowie der ehemalige AfD-Politiker und Gründer der Liberal-Konservativen Reformer (LKR), Bernd Lucke (56).

Podiumsdiskussion zur Europawahl in Salzgitter

Zu Europa bekannten sich alle. Allerdings mit begrenzter Begeisterung. So geißelte Lucke die Grenzwerte zur Luftreinhaltung als „Kampagne gegen die deutsche Auto-Industrie“ und benotete auch die EU-Flüchtlingspolitik mit einer glatten 6. Seine Thesen polarisierten nicht nur im Publikum. Auch mit SPD-Mann Saipa geriet er aneinander, als er betonte, seine Partei habe die Einführung des Upload-Filters nicht verhindern können. Das brachte aber auch Podstawa von den Linken auf, der den Lobbyismus in Straßburg anprangerte: „Das ist eine EU der Konzerne“. Voht (Freie Wähler) kündigte an, seine Partei werde die Debatte um das Urheberrecht nach der Wahl erneut aufgreifen. Die Grüne Kura zeigte sich streitbar beim Klimaschutz: Jetzt müsse gehandelt werden. Weitemeier (FDP) rief die Jugendlichen auf, beim „Bürgerprojekt EU“ mitzuwirken. Und Düpont (CDU) war sich sicher: „Das EU-Parlament wird immer wichtiger.“

Die 335 Schüler, die sich an der Testwahl beteiligten, gaben ein klares Votum ab: Für die Linke gab es 110 Stimmen, für die LKR 72. Ihnen folgten Grüne (40), FDP (27), SPD (25) Freie Wähler (13) und CDU (1).

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