„Die wollen alle Sex“

Salzgitter-Bad.  So liebt Salzgitter: Alleinerziehend, auf Partnersuche: Online-Dating ist nichts für schwache Nerven.

Dating online -- für manche ein Reinfall..

Dating online -- für manche ein Reinfall..

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Tanja Herrmann (Name geändert) nimmt es gleich vorweg. Online-Dating? Partnersuche im Netz? „Nichts. Ich halte davon nichts“, sagt sie bestimmt. Oder besser gesagt: nichts mehr.

Denn sich ein Profil anzulegen, mit wenigen Klicks in Kontakt zu anderen zu treten, geschützt durch die Anonymität des World Wide Web – na klar, das ist verlockend. Auch die alleinerziehende Salzgitteranerin erlag dem Charme des Internets, zumindest immer mal wieder. Tanja Herrmann war lange Jahre verheiratet, bevor ihre Ehe vor einer Weile zerbrach.

Der Alltag war zunächst ein kräftezehrender Spagat zwischen Kindern und Arbeit. „Da war ich ständig müde und ausgebrannt und hatte keine Energie für andere Sachen.“ Abends auszugehen, um neue Leute kennenzulernen, stand gar nicht zur Debatte, Ablenkung hat sie sich gleichwohl gewünscht. „Ich wollte gern auch mal andere Gespräche führen, nicht immer nur mit den Kindern.“ Erwachsenen-Gespräche eben.

Durch Mundpropaganda gelangte sie schließlich auf eine überregionale Dating-Seite. „Melde Dich doch mal an“, hatten ihre Freunde geraten – und Herrmann wagte neugierig und offen den Schritt ins Ungewisse.

Und damit ist sie in Deutschland nicht alleine. Nach Angaben des Hamburger Marktforschungsunternehmens Statista, nutzen rund 8,6 Millionen Deutsche regelmäßig Online-Dating-Börsen. Tendenz: steigend. Rund 2500 Portale stehen dafür zu Verfügung.

Tanja Herrmanns Mut wurde indes nicht belohnt. Statt des Traummanns warteten eher Albtraum-Männer an den Bildschirmen. „Dort hat keiner Lust auf eine Beziehung. Die wollen alle Sex. Schnellen, unverbindlichen Sex, ohne zu bezahlen“, resümiert sie. Egal, wer Kontakt aufnahm und wie sympathisch er schien, schnell drehte sich die Unterhaltung um Sex. Für Tanja Herrmann absolut indiskutabel.

Nicht eine Internetbekanntschaft führte in dieser Zeit zu einem Treffen, was blieb, war die Erkenntnis: „Das ist nichts für mich.“ Aber: Es sollte nicht die einzige Erfahrung dieser Art sein.

Nach Jahren der Abstinenz – in denen die 43-Jährige in einer Beziehung war – ist Tanja Herrmann seit kurzem wieder Single. Und wurde prompt schwach. Diesmal meldete sich bei einer der scheinbar seriösen, deutschen Partnervermittlungen an. Mit echtem Foto, aber falschem Namen, ging sie auf Kontaktsuche und erlebte, erneut, Haarsträubendes. Zunächst einmal schlug ihr das Bezahlsystem des Anbieters sauer auf: Zwar konnte sie die Nachrichten der Männer empfangen, antworten konnte aber nur, wer eine Mitgliedschaft abschloss – und die hat dann gleich ein ganzes Quartal bestand.

Viele Teilnehmer würden versuchen dies zu umgehen – und geben ihre privaten Handynummern preis. Einmal hat sich Tanja Herrmann darauf eingelassen und einem Bewerber nach längerem Überlegen eine Whatsapp-Nachricht geschickt. Ein Fehler. „Er hat sofort geantwortet, aber er war viel zu aufdringlich. Das habe ich bitter bereut.“ Zum Glück habe der Kandidat ihre Signale verstanden und sie auch in Ruhe gelassen.

Aber egal, ob Dating-Seite oder seriöse Partnerschaftsvermittlung: „Die Leute werden immer unverbindlicher, oberflächlicher. Sie wollen wissen, wie du im Bett tickst, bevor Du preisgeben kannst, wer du eigentlich bist“, findet Tanja Herrmann. Übrigens: Auch über so genannte Soziale Netzwerke wurde die Mutter zweier Kinder schon angeschrieben – zweimal kam es sogar zu Treffen im realen Leben. Aber auch diese Verabredungen: Reinfälle. Wieder nur Männer, die Sex gesucht haben.

Jetzt ist für Tanja Herrmann erst einmal Schluss. „Ich suche nicht mehr aktiv.“ Was passiert, passiert, vielleicht ergibt sich ja auch eine Zufallsbekanntschaft. Und wenn nicht? „Dann ist es jetzt gut, so wie es ist.“

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