Salzgitters neuer Wirtschaftsdezernent will Stadt digitalisieren

Salzgitter.  Salzgitters neuer Wirtschaftsdezernent Jan Erik Bohling hat ein großes Aufgabengebiet übernommen. Aber genau das hat den 56-Jährigen am Job gereizt..

Der neue Wirtschaftsdezernent Jan Erik Bohling in seinem Büro.

Der neue Wirtschaftsdezernent Jan Erik Bohling in seinem Büro.

Foto: Bernward Comes / es

Das Stühlerücken in der Chefetage des Rathauses ist nahezu abgeschlossen. Ein halbes Jahr vor Pensionierung von Wolfram Skorczyk, Fachbereichsleiter für Bürgerservice und öffentliche Sicherheit, haben bereits zwei, vom Rat Ende Mai einmütig gewählte neue Stadträte ihre Büros bezogen. Neben Sozialdezernent Dirk Härdrich komplettiert Jan Erik Bohling die erweiterte Führungsriege um Oberbürgermeister Frank Klingebiel.

Der 56-Jährige wird als Leiter des neu geschaffenen Dezernats für Digitales, Wirtschafts- und Europaangelegenheiten auch zuständig sein für die bislang von Skorczyk verantworteten Ratsbelange, ebenso für Informationstechnik, Kultur, den erneut eigenständigen Fachdienst Stadtbibliothek und die Kooperation mit dem Jobcenter. Außerdem ist Bohling neuer Chef der Wirtschafts- und Innovationsförderung Salzgitter (Wis). Der Dienstvertrag von Geschäftsführer Thomas Wetzel läuft zum Jahresende aus.

„Die Mischung macht’s“

Bohling verantwortet damit nicht nur einen umfangreich-vielfältigen Aufgabenbereich, sondern auch ein neues Dezernat, das wegen angeblich allzu hoher Kosten im Rat umstritten ist. Der Stadtrat, als ehemaliger Meppener Bürgermeister erfahren in Höhen und Tiefen klandestiner Kommunalpolitik, nimmt’s gelassen. Bohling, in Bremen lebender, mit der Konrektorin einer Gesamtschule verheirateter Vater eines 15-jährigen Sohnes, hat sich gerade der großen Bandbreite wegen („Die Mischung macht’s“) für Salzgitter entschieden – eine reizvolle Herausforderung in Zeiten digitaler, umwelt- und wirtschaftspolitischer Aufbruchsstimmung in der Stadt. Es dürfte für den 56-Jährigen zugleich das Schlusskapitel einer langen Karriere sein: Wenn Bohlings Amtszeit als Stadtrat in acht Jahren endet, ist der gebürtige Cuxhavener 64.

Doch das hat der hochgewachsene Mann mit beredt-kundigem Charme derzeit weniger im Blick als mit der Familie mittelfristig Fuß zu fassen in Salzgitter. Eine schöne Wohnung in Bad hat Bohling bereits gefunden, auch wenn er weiß: „Mein Zuhause ist das Dienstzimmer“.

Prioritätenliste im Kopf

Eine Prioritätenliste hat der Stadtrat schon im Kopf. Neben der obligaten Kennenlernrunde peilt er Bestandsaufnahme und Erschließungsmaßnahmen in Sachen Digitalsierung an („Das ist eine Pflanze, die erstmal im Rathaus wachsen muss“), setzt als Wirtschaftsdezernent auf den Strukturwandel vieler Unternehmen, so etwa auf den richtungsweisenden Trend hin zur Wasserstofftechnologie bei Alstom.

Und das Kulturressort, das Bohling von Kämmerer Eric Neiseke geerbt hat? Der Cuxhavener, Bruder eines Regieassistenten, begeistert sich für „alles von klassischer Musik bis Meat Loaf“, mag auch Festivals und Kleinkunstbühnen. Dass Bohling auch in Salzgitter Akzente setzen wird für „die schönen Künste“, dürfte da nicht weiter überraschen.

Lange Berufslaufbahn

Salzgitters neuer Dezernent für Digitales, Wirtschafts- und Europaangelegenheiten, Jan Erik Bohling (56), ist in Bremerhaven geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur leistete er den Wehrdienst bei der Luftwaffe, studierte anschließend Politikwissenschaft in Kiel. Seine Magisterarbeit drehte sich um die Ausgestaltung des Bundespräsidentenamtes. Beruflich verschlug es Bohling zunächst in die Pharmazie. 1995 bis 2000 war er Fachreferent für einen Spitzenverband der forschenden Arzneimittelhersteller. Zeitgleich agierte er als Referent für Öffentlichkeitsarbeit in Fragen der Biomedizin der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen. 2000 wechselte er hauptberuflich in die Kommunalpolitik. Unter anderem war er Bürgermeister der Samtgemeinde Am Dobrock im Kreis Cuxhaven und der Stadt Meppen, bis er dort 2014 nicht wiedergewählt wurde. Seitdem arbeitete Bohling als Experte für Digitalisierung.

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