4,3 Millionen Euro fließen in Salzgitters Abwassersystem

Lobmachtersen.  Zwischen Lobmachtersen und Flachstöckheim werden Schmutzwasserkanäle erneuert. Die Arbeiten sind Teil eines Mammutprojekts.

ASG-Chef Bernd Arndt (links) nahm die Baustelle mit Ortsbürgermeister Wolfgang Fisch (2. von links) und mehreren Fachleuten in Augenschein.

ASG-Chef Bernd Arndt (links) nahm die Baustelle mit Ortsbürgermeister Wolfgang Fisch (2. von links) und mehreren Fachleuten in Augenschein.

Foto: Bernward Comes / Salzgitter Zeitung

Die Abwasserentsorgung Salzgitter (ASG) arbeitet an der Erneuerung des nächsten Teilstücks des städtischen Abwassersystems. Auf einer Länge von mehr als zwei Kilometern werden ab der kommenden Woche zwischen Lobmachtersten und Flachstöckheim Schmutzwasserkanäle teils in offener Bauweise, teils unterirdisch verlegt. Für die mehr als 4,3 Millionen Euro teuren Arbeiten an diesem Teilabschnitt sind zum Teil längere Straßensperrungen erforderlich.

Hintergrund für das Mammutprojekt, bei dem bis Mitte der 2020er Jahre Schmutzwasserkanäle auf einer Strecke von insgesamt mehr als 26 Kilometern erneuert werden, ist ein 2012 vom Salzgitteraner Stadtrat beschlossenes Abwasserbeseitigungskonzept. Es sieht vor, die Abwasserbeseitigung zu zentralisieren und in diesem Zuge die Kläranlage in Salzgitter-Bad zugunsten der dann zentralen Kläranlage in Lebenstedt aufzugeben. Durch den Betrieb einer einzigen Kläranlage sollen Kosten eingespart werden.

Im vergangenen Herbst wurden die Arbeiten an dem ersten, 2050 Meter langen Teilabschnitt des Abwassersystems zwischen Ohlendorf und Flachstöckheim abgeschlossen. Nun folgt der nächste große Bauabschnitt, der zweigeteilt ist. Nordöstlich der Ortschaft Lobmachtersen wird ein 730 Meter langer Schmutzwasserkanal im Wirtschaftsweg der Feldmarkinteressenschaft bis hin zum Rottenweg in offener Bauweise verlegt. Vorbereitende Arbeiten haben hier bereits begonnen. Die Baukosten betragen etwa 960.000 Euro. Ende des Jahres, so der Plan, sollen die Arbeiten erledigt sein.

Im zweiten Teil des Bauabschnitts wird vom Rottenweg entlang der K26 bis zum nördlichen Ortsrand Flachstöckheims ein Schmutzwasserkanal auf einer Länge von 1.350 Metern verlegt. Und zwar in geschlossener Bauweise, wie Jürgen Bieler vom Team Planung und Bau bei der ASG erläutert: „Hier müssen die Kanäle besonders tief liegen. Wir gehen auf bis zu neun Meter hinunter.“ Hintergrund ist das notwendige Gefälle für die Abwasserleitungen, die ja vom Süden der Stadt bis zur künftig einzigen Kläranlage im Norden laufen.

Ferngesteuerte Rohrverlegung

Um nicht mit einem Bagger neun Meter in die Tiefe graben zu müssen, kommt ein spezielles Verfahren, das Micro-Tunneling, zum Einsatz. Dabei werden die Abwasserrohre unterirdisch und ferngesteuert verlegt. Zunächst wird dafür ein abgesenkter Pressschacht aufgebaut. Ein Gerät mit Presse und Bohrkopf, erklärt Diplom-Ingenieur Bieler, treibt die neuen Abwasserrohre mit einem Pressdruck von bis zu 250 bar voran.

Der Bohrkopf löst dabei den Boden, der in einen von Fachleuten so bezeichneten Brecherraum gelangt. Falls in dem Erdreich Steine vorhanden sein sollten, werden diese hier zerkleinert. In einem geschlossenen Kreislaufsystem wird schließlich eine Suspension in diesen Brecherraum gepumpt. Flüssigkeit und Erdreich vermischen sich hier und werden zur Aufbereitungsanlage über Tage gepumpt. Nach der Aufbereitung kann die Suspension schließlich erneut in den Brecherraum fließen.

Die Kosten, um den Schmutzwasserkanal auf diese Weise auf 1350 Metern zu verlegen, liegen bei 3,37 Millionen Euro. Die Fachleute der ASG schätzen, dass die Arbeiten zur Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein werden.

Hier kommt es zu Sperrungen

In der Zwischenzeit wird es zu Verkehrsbehinderungen kommen. Ab dem 28. August muss die Crammer Straße zwischen Lobmachtersen und Cramme für voraussichtlich eine Woche gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt über die B248 und die K50 nach Cramme.

Deutlich länger dauert die zweite notwendige Sperrung der K26 zwischen Lobmachtersen und Flachstöckheim, die am 19. August beginnt. Obwohl die Schmutzwasserkanäle unterirdisch verlegt werden, wird die Sperrung unter anderem aus Sicherheitsgründen bis voraussichtlich Mitte kommenden Jahres andauern. Die Umleitung erfolgt über die B 248 und Beinum nach Flachstöckheim. Von der Umleitung sind auch die KVG-Linien 603 und 607 betroffen. In Flachstöckheim, teilt die KVG mit, können die Haltestellen „Park“ und „Steigerdamm“ nicht angefahren werden. Für diese richtet die KVG in beiden Fahrtrichtungen Ersatzhaltestellen auf der Alten Landstraße (Einmündungsbereich Ritter-Schwicheldt-Allee) ein. In Lobmachtersen muss die Haltestelle „Am Spring“ entfallen. Fahrgäste werden gebeten, auf den Halt „SZ-Lobmachtersen, Ort“ auszuweichen. Die Umleitung beider Linien erfolgt über Beinum, weshalb Mitfahrende eine Fahrzeitverlängerung von wenigen Minuten einplanen sollten, so die KVG.

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