Die Stadt im Wandel reizt den Salzgitters neuen Dezernenten

Salzgitter.  Dirk Härdrich ist neuer Sozialdezernent der Stadt Seinen neuen Aufgaben – darunter die Flüchtlingsintegration – sieht er ideenreich entgegen.

Salzgitters neuer Sozialdezernent Dirk Härdrich im Büro seiner Vorgängerin Christa Frenzel.

Salzgitters neuer Sozialdezernent Dirk Härdrich im Büro seiner Vorgängerin Christa Frenzel.

Foto: Bernward Comes

Stühlerücken in der Chefetage des Rathauses: Neben Wirtschaftsdezernent Jan Erik Bohling (unsere Zeitung berichtete) komplettiert Sozialdezernent Dirk Härdrich die erweiterte Stadträte-Runde um Oberbürgermeister Frank Klingebiel.

Der im Rathaus lang erwartete Hüter eines der verantwortungsvollsten Ämter in der „kinder- und familienfreundlichen Lernstadt“ übernimmt ein schweres Erbe. Vorgängerin Christa Frenzel hatte neben ihrer Zuständigkeit für Soziales, Senioren, Kinder, Jugend und Familie den kompletten Bereich der Flüchtlingsintegration verantwortet. Nach halbjähriger Amtsverlängerung wurde sie Ende Dezember 2018 vom Rat verabschiedet. Daraufhin musste Kämmerer Eric Neiseke kommissarisch umsatteln und ihre Aufgaben zusätzlich übernehmen. Er dürfte erleichtert sein, dass das Dezernat von nun an wieder in festen Händen ist.

Der vom Rat im Mai einstimmig gewählte Härdrich gilt als fachlich erfahren und pragmatisch, weiß als langjähriger Spitzenmann im Landesjugendamt, wo es den Kommunen auf den Nägeln brennt. Dass ihm am Ende dort der Chefposten verwehrt wurde, sei Auslöser für seine Entscheidung gewesen, in Salzgitter anzuheuern, sagt der 59-Jährige. Gereizt habe ihn zugleich die Herausforderung, mitzuwirken in Salzgitter als einer Stadt im Wandel zwischen alten und neuen Strukturen der Arbeitswelt, einer Kommune, die zugleich landesweit fast einzigartig geprägt ist vom Ringen um die Integration der Flüchtlinge. „Es ist beeindruckend, mit welchem Elan hier Probleme angegangen werden“, wertet Härdrich. So gilt sein Lob etwa dem erfolgreichen Kampf um die vom Landtag im Juni beschlossene Sonderhilfe über 50 Millionen Euro.

Der in Barsinghausen lebende, verheiratete Vater zweier Töchter (28, 19) und eines Sohnes (25) ist schon jetzt spürbar erfüllt von Tatendrang, Ideenreichtum und Kontaktbereitschaft. Im Kita-Bereich denkt er über neue, zeitgemäßere Wege der Betreuung nach, hat für die Schulen Gedanken gewälzt zum künftigen Umgang mit Digitalisierung und zur Ausweitung der Ganztagseinrichtungen. Das Engagement für Senioren und Jugendliche sieht er nicht als Konflikt, sondern als Herausforderung. Bei den Flüchtlingen setzt er vor allem auf Sprachkompetenz, die in den Kitas beginnen müsse. Doch auch hier sucht Härdrich das Gespräch, will zuhören und ernstnehmen – auch wenn es sich um Ressentiments und Ablehnung handelt. Doch auch des Dezernenten Geduld hat Grenzen: „Ich bin absolut intolerant gegen Intoleranz“, betont er.

Härdrich, der sich eine Wohnung in Lebenstedt gemietet hat und mittelfristig mit der Ehefrau, einer Psychiaterin, umsiedeln will, fotografiert privat gern, widmet sich Modelleisenbahnen – und ist Hardcore-Fan der Kult-Serie „Enterprise“.

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