Salzgitter: Zeigen Aufnahmen der Überwachungskamera den Täter?

Salzgitter.  Im „Ehrenmord-Prozess“ vor dem Braunschweiger Landgericht haben ermittelnde Beamte von den Aufklärungsversuchen der Polizei berichtet.

Vor dem Landgericht Braunschweig ist am Dienstag der „Ehrenmord-Prozess“ fortgesetzt worden. (Archivbild)

Vor dem Landgericht Braunschweig ist am Dienstag der „Ehrenmord-Prozess“ fortgesetzt worden. (Archivbild)

Foto: Ole Spata / picture alliance / dpa

Es waren aufregende Tage im „Ehrenmord-Prozess“ vor dem Braunschweiger Landgericht. Am Montag brachte der Prozessverlauf die Erkenntnis, dass die Ermittlungsbehörden schon Wochen vor der Tat wussten, dass der Angeklagte Alaa A. (33) versucht haben soll, sich eine Waffe zu beschaffen. Doch um andere Ermittlungen nicht zu stören, wurde die Information offenbar nicht an das potenzielle Opfer weitergeben.

Am Dienstag standen nun erneut ermittelnde Beamte im Mittelpunkt der Anhörung vor Gericht. Diesmal ging es aber nicht mehr um die Zeit vor der Tat, sondern um den Abend des Mordes: Der angeklagte muslimische Kurde Alaa A. soll den aus dem Irak stammenden Katholiken Milad A. am 26. Januar auf einem Parkplatz an der Berliner Straße erschossen haben. Vermeintlicher Grund: Das Opfer war mit der jüngeren Schwester des Angeklagten zusammen. Deren syrische Familie soll die Liebesbeziehung missbilligt haben.

Eine leitende Ermittlerin berichtete dem Gericht von den Maßnahmen der Polizei nach den folgenschweren Schüssen. Anwohner seien befragt, Müll- und Leergutcontainer durchsucht worden. Mit Metallsuchgeräten sei am Tatort nach Hülsen, mit Spürhunden nach dem Täter gesucht worden – beides vergeblich. Auch eine Drohne sei zur Tatwaffensuche eingesetzt worden, so die Oberkommissarin.

Eine weitere Maßnahme der Polizei: Sie erfragte Standorte von Videoüberwachungskameras im näheren Tatortumfeld. Die Aufnahmen der Geräte eines Geschäfts und eines Kiosks hatten kein brauchbares Material geliefert, ebenso wenig die Dashcam eines Autos – schließlich war es zur Tatzeit bereits dunkel. Aber: Die Kamera eines Getränkemarktes hatte nützliche Bilder geliefert.

„Wir konnten darauf eine Person sehen, die sich auffällig verhielt. Sie lief immer wieder durch den Kamerabereich. Die Person war offenbar nervös und hat immer wieder geraucht. Man hatte das Gefühl, als warte sie auf etwas oder jemanden“, erklärte ein als Zeuge geladener Polizist, der an der Auswertung der Aufnahmen beteiligt war. Dass es sich hierbei um den Täter handelt, wird vermutet: Kurz nach der Tatzeit war die Person laut Zeuge ein letztes Mal auf den Videoaufnahmen zu sehen, diesmal schnell laufend.

Die auf den Bildern zu beobachtende Person trug scheinbar einen khaki-grau-blau aussehenden Parka mit Kapuze und Fellbesatz. Bei dem Angeklagten war bei dessen Festnahme eine schwarze Jacke mit Kapuze sichergestellt worden. Das Problem: Die Farbe der Jacke ist auf den Aufnahmen wegen der schlechten Lichtverhältnisse nicht eindeutig identifizierbar. Also versuchte die Polizei, die Szene mit Hilfe einer Puppe bei annähernd gleichen Lichtverhältnissen nachzustellen, diesmal mit der schwarzen Jacke des Angeklagten. „Auf den Aufnahmen sah die Jacke des Angeklagten nun auch khaki-grau-blau aus“, erklärte die leitende Ermittlerin. Das wollte die Verteidigung so nicht akzeptieren: Auf dem Foto der nachgestellten Szene sei eine zusätzliche Lichtquelle zu erahnen, die es auf dem Original nicht gebe. Wobei es sich hierbei handeln könnte, wusste die Ermittlerin nicht.

Wenig Weiterführendes konnte ein technischer Mitarbeiter der Polizei zum Handy des Angeklagten beitragen. Darauf waren drei Fotos des Opfers gesichtet worden. Das Gericht versuchte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob sich der Angeklagte die Fotos aktiv beschafft habe. Doch nach Ansicht der Aufnahmen konnte der Zeuge diesbezüglich keine Angaben machen. Fotos könnten selbst gemacht werden, aber auch per Download oder über Nachrichtendienste wie WhatsApp auf das Gerät gelangen – im letzteren Fall manchmal sogar ohne dass der Empfänger es merke.

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