Keine neuen Erkenntnisse im „Ehrenmord“-Prozess von Lebenstedt

Braunschweig/Salzgitter.  Am 14. Verhandlungstag des „Ehrenmord“-Prozesses ist noch offen, ob es ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit geben wird.

Der 14. Verhandlungstag des „Ehrenmord“-Prozesses am Braunschweiger Landgericht hat keine neuen Erkenntnisse geliefert. (Symbolbild)

Der 14. Verhandlungstag des „Ehrenmord“-Prozesses am Braunschweiger Landgericht hat keine neuen Erkenntnisse geliefert. (Symbolbild)

Foto: Frank Schildener

Im Prozess um den mutmaßlichen „Ehrenmord“ von Lebenstedt hat es am Freitag keine neuen Erkenntnisse gegeben. Am 14. Verhandlungstag standen vor allem polizeiliche Ermittlungen auf der Tagesordnung. Die Sitzung des Schwurgerichts am Landgericht Braunschweig war kurz.

Es wurden polizeiliche Ermittlungsergebnisse verlesen. Demnach habe die Untersuchung der Gerichtsmedizin in Hannover ergeben, dass das Opfer Milad A. (25) nicht unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden habe.

Im Mittelpunkt neuer Ermittlungen standen die Überwachungsvideos eines Getränkemarktes in Tatortnähe. Neue Erkenntnisse brachten sie indes nicht. Der Wagen des Angeklagten Alaa A. (33) sei zunächst in Richtung des Tatortes unterwegs gefilmt worden. Später sei der Angeklagte zu Fuß auf dem Überwachungsfilm zu sehen.

Andere Fahrzeuge habe es auf den Videos zweier Kameras gegeben. Es hat jedoch, so der Vermerk der Polizei, keine Begegnungen gegeben. Auch hätten aufgrund von Spiegelungen die Kennzeichen der Fahrzeuge auf dem Film nicht festgestellt werden können.

Der Vermerk zur Videoauswertung wurde am Verhandlungstag eingeführt. Der Dolmetscher des Angeklagten las und übersetzte es für ihn.

Verärgert zeigte sich der Vorsitzende des Schwurgerichts Ralf-Michael Polomski über den Hausarzt des Angeklagten Alaa A. Dieser sei von der Schweigepflicht entbunden und aufgefordert worden, Einblick in die Krankenakte zu gewähren. Sie soll helfen, den Gesundheitszustand von Alaa A. zu beurteilen. „Da werden wir in den nächsten Tagen etwas energischer werden müssen“, erklärte Polomski.

Ob es noch ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten geben werde, blieb am 14. Verhandlungstag offen. Das Verteidiger-Trio hatte kurz vor dem geplanten Ende der Beweisaufnahme infrage gestellt, ob sein Mandant voll schuldfähig war. Jedenfalls für den Fall, dass die Kammer zum dem Schluss kommen würde, dass er der Mann war, der den jungen Iraker Milad A. am Abend des 26. Januar 2019 erschoss (unsere Zeitung berichtete mehrfach).

Der nächste Verhandlungstag vor dem Landgericht Braunschweig im „Ehrenmord“-Prozess ist für den 16. Januar angesetzt. Dann soll eine zusätzliche Zeugin gehört werden. Es wird davon ausgegangen, dass diese Zeugin zumindest akustisch etwas von der Tat mitbekommen haben könnte.

Das Urteil des Schwurgerichts wird erst im Februar dieses Jahres erwartet.

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