Gerätehaus der Feuerwehr Broistedt muss wohl Kita weichen

Broistedt.  Wenn, dann soll vorher ein Neubau für die Feuerwehr stehen. Alternativen zum Umzug werden geprüft, sind aber aktuell nicht sehr wahrscheinlich.

Das Feuerwehr-Gerätehaus im Wiesenweg in Broistedt, rechts daneben die Grundschule. Auf der Fläche des bisherigen Gerätehauses soll wohl eine neue Kita gebaut werden, deswegen könnte es den Abriss und einen Neubau für die Feuerwehr geben.

Das Feuerwehr-Gerätehaus im Wiesenweg in Broistedt, rechts daneben die Grundschule. Auf der Fläche des bisherigen Gerätehauses soll wohl eine neue Kita gebaut werden, deswegen könnte es den Abriss und einen Neubau für die Feuerwehr geben.

Foto: Arne Grohmann

Schon während der Lengeder Gemeinderatssitzung zum neuen Haushalt im Dezember, als auch am Samstagabend während der Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehr war es das Thema: Offenbar soll im Wiesenweg in Broi­stedt, dort wo bisher das Gerätehaus der Broistedter Wehr steht, eine neue Kita gebaut werden. Die Folge für die Feuerwehr: Neubau, Umzug und Abriss des alten Gerätehauses.

„Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Pläne für ein neues Feuerwehr-Gerätehaus in der Ortschaft Broistedt“, teilte Gemeinde-Bürgermeisterin Maren Wegener am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Das hörte sich noch eher nach typischem Managersprech an. Zum Beispiel wenn diese Führungskräfte auf die Frage zu womöglich anstehenden Entlassungen („Personaloptimierung“) nicht falsch oder unwahr „vorerst nicht geplant“ antworten.

Für die oppositionelle CDU/FDP im Lengeder Gemeinderat steht fest: Es gibt diese Pläne bereits, deswegen lehnte die Gruppe den neuen Haushalt 2020 öffentlich ab. Der Fraktionsvorsitzende Michael Kramer ging in seiner Rede auf seiner Meinung nach nicht akzeptable Ausgaben ein, die aus dem neuen Haushalt hervorgingen.

„Abstruse Idee“

Michael Kramer sagte unter anderem: „Die Not, ausreichend Kita-Plätze einzurichten, führt in Broistedt zu der abstrusen Idee, ein funktionsfähiges, baulich vollkommen intaktes, etwa 35 Jahre altes Feuerwehr-Gerätehaus abzureißen, um an dem Standort eine Kita/Vorschule/Fünfjährigen-Gruppe neu zu bauen. Dafür sind 100.000 Euro Planung vorgesehen und eine Verpflichtungsermächtigung von
1,8 Millionen Euro 2021 im Investplan eingestellt.“

Die pädagogischen Gründe für die Einrichtung der neuen Fünfjährigen-Gruppe nahe der Grundschule seien nachvollziehbar, so Kramer. „Doch in Abwägung der Folgen rechtfertigt dies nicht das Vorgehen. Als Ersatz soll für die Feuerwehr ein weiterer Neubau an der Umgehungsstraße errichtet werden. 400.000 Euro sind dafür im Haushalt eingestellt, doch das wird für eine Stützpunktwehr auf keinen Fall reichen! Wir rechnen mit mindestens einer halben Million Euro. Wollen wir ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes?“, fragte der Oppositionsführer im Rat.

In ihrer aktuellen Stellungnahme betonte Maren Wegner, dass auch die CDU/FDP für den Kindertagesstätten-Bedarfsplan gestimmt habe. „Dieser sagt aus, dass wir in den Jahren 2020/2021 und folgenden einen höheren Bedarf an Kindergartenplätzen für 5-jährige haben werden. In der Ortschaft Woltwiesche steigt (prognostiziert) der Bedarf von jetzt 45 auf 60. In der Ortschaft Broistedt steigt (prognostiziert) der Bedarf von jetzt 47 auf
75 Plätze“, führt die Bürgermeisterin aus. Die 5-Jährigen-Kindergarten in beiden Ortschaften müssten folglich erweitert werden.

In der Gemeinde Lengede gebe es zwei verschiedene Formen von Kindergärten: einmal die für 3- bis 4-Jährige und einmal die für 5-Jährige bis zum Schuleintritt. Die konzeptionelle Arbeit der sogenannten
5-Jährigen-Kindergärten sei auf einen Einstieg in das Schulsystem ausgerichtet. Die Kinder gingen beispielsweise in die Schulmensa zum Mittagessen oder nähmen an Schulveranstaltungen teil. Es gebe einen Austausch zwischen Erzieherinnen, Lehrern und Schulsozialpädagogen.

Das funktioniere gut in der Gemeinde Lengede, lobt Maren Wegener. Das zeige auch der Bildungsbericht des Landkreises Peine für 2019: „Unsere Gemeinde belegt bei der Schuleingangsuntersuchung mit einer uneingeschränkten Schulfähigkeit von 72 Prozent der Kinder den Spitzenplatz.“ Der Landkreisschnitt liege bei 58 Prozent.

Und dann erläutert Maren Wegner doch anstehende Abläufe, ohne dabei die Frage nach konkreten Kosten zu beantworten: Derzeit werde mit der Landesschulbehörde an verschiedenen Varianten für Erweiterungen der bestehenden Kindertagesstätten in Broistedt und Woltwiesche gearbeitet. „Eine Variante für die Einrichtung in Broistedt ist der Neubau“, schreibt die Bürgermeisterin.

Der Kita-Neubau könne aber nicht auf der Fläche der Broistedter Grundschule erfolgen, da die Außenanlage der Schule nicht verkleinert werden könne. Die einzige gemeindeeigene Fläche in unmittelbarer Nähe sei das derzeitige Feuerwehr-Gerätehaus.

Niemand will Grund verkaufen

Nach Informationen unserer Zeitung will niemand am Wiesenweg der Gemeinde Grundstücke verkaufen, deswegen wird folgender Ablauf erwogen von der Gemeindeverwaltung: Möglichst bald Neubau des Gerätehauses (womöglich beim Baugebiet „Broistedt Ost“), Abriss des alten, parallel dazu Planung Neubau Kita neben der Grundschule, Baubeginn 2021.

Das alte Feuerwehr-Gerätehaus in Broistedt wurde 1981 gebaut. „Seitdem gab es 1994 die Erweiterung einer weiteren Halle, sonst keine wesentlichen Investitionen, nur allgemeine bauliche Unterhaltungen“, so Maren Wegener.

Am Samstagabend fand die Jahresversammlung der Feuerwehr in Broistedt statt. Im Vorfeld wollte sich von der Führungsebene niemand öffentlich äußern. Bekannt und wahrscheinlich ist aber, dass der Neubau eines modernen Feuerwehr-Gerätehauses für Broistedt eine Verbesserung wäre.

Zumal der Standort am Wiesenweg zum Beispiel für das schnelle Ausrücken der Einsatzfahrzeuge nicht optimal ist. Ebenso fehlt es an modernen Umkleideräumen für die Einsatzkräfte.

Nach der Jahresversammlung erläuterte Maren Wegner im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Landesschulbehörde einen ersten Plan der Gemeinde, in der Grundschule durch Umbauten Platz für den neuen Kindergarten zu schaffen, nicht akzeptiert habe.

Ob es bei dem Nein der Behörde bleibt oder ob neue Umbaupläne akzeptiert werden, ist wohl noch offen. Deswegen sprach Maren Wegener vor den Mitgliedern der Broistedter Wehr auch bewusst von „Überlegungen“ oder „Varianten“, die geprüft werden würden. Sie sagte erneut: „Derzeit gibt es noch keine Pläne oder Planungen.“

Broistedts Ortsbrandmeister Stephan Jaik stellte danach fest: „Es ist wohl eine besondere Situation, die uns noch bevorsteht.“ Gemeindebrandmeister Martin Kröhl ergänzte: „Das ist ein spannendes Thema.“ Und zu einem potenziellem Neubau für die Feuerwehr: „Wir brauchen nicht viel, nur eine angemessene Ausstattung.“

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