Rathaus macht dicht und viele Läden in Salzgitter schließen

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Gähnende Leere herrschte gestern am Monumentplatz.

Gähnende Leere herrschte gestern am Monumentplatz.

Foto: Bernward Comes

Salzgitter.  Die Stadt hat die Reißleine gezogen und ab 14 Uhr am Dienstag das Rathaus in Lebenstedt für den Besucherverkehr abgeriegelt.

Das öffentliche Leben in Salzgitter ist seit gestern nahezu zum Erliegen gekommen. Die Stadt zog um 14 Uhr die Reißleine, schloss das Rathaus für den Publikumsverkehr und schaltete auf den Notbetrieb um. Sie reagierte damit auf die Entscheidungen von Bund und Land. Und auf steigende Infektionszahlen: Es gibt in Salzgitter drei bestätigte Fälle, 43 Bürger und 63 Kontaktpersonen befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne.

„Die drastischen Entscheidungen dienen dazu, die weitere schnelle Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen und einen noch effektiveren Schutz für die Risikogruppen auch bei uns sicherzustellen“, erklärte Oberbürgermeister Frank Klingebiel nach der täglichen Lagebesprechung des Arbeitsstabes im Rathaus. Es gebe aber weiterhin keinen Anlass zur Hysterie oder Panik. „Die Versorgung in Salzgitter ist sichergestellt und daran wird sich auch nichts ändern“, betonte er. Der Amtsarzt der Stadt, Dr. Stefan Müller-Dechent, (05341) 8392022, erklärte, dass für Getränke das Leitungswasser uneingeschränkt genutzt werden könne – auch für Babynahrung und kranke Menschen.

Die von Bund und Land verhängten Maßnahmen sind drastisch: Es dürfen nur noch Läden öffnen, die für die tägliche Versorgung wichtig sind. Dazu gehören aber relativ viele: Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte, der Großhandel und Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich.

Geschlossene Einrichtungen

Für den Publikumsverkehr sind von nun an geschossen: Bars, Clubs, Kulturzentren, Diskotheken, Kneipen, aber auch Bibliotheken, Ausstellungen, Kinos, Spielhallen, Wettannahmestellen und Bordelle. Zum Erliegen kommt auch der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, die Schwimm- und Spaßbäder, Fitnessstudios und Saunen sowie alle Spielplätze.

Das rät die Wis

Die Wirtschafts- und Innovationsförderung (Wis) wies darauf hin, dass Beschäftigte und Unternehmen durch Bundesmaßnahmen geschützt würden. So würden Unternehmer unter erleichterten Bedingungen Kurzarbeitergeld erhalten. Zudem werde die Liquidität von Firmen durch steuerliche Maßnahmen verbessert. Zu diesem Zweck werde etwa die Stundung von Steuerzahlungen erleichtert. Weitere Informationen gibt die Wis auf ihrer Internetseite.

So reagiert die WEVG

Die Wasser- und Energieversorgungsgesellschaft (WEVG) hat für den Publikumsverkehr in Salzgitter ab heute bis 18. April geschlossen. Das gilt auch für die Kundencenter in der Albert-Schweitzer-Straße 7-11 in Lebenstedt und am Bohlweg 1 in Salzgitter-Bad. Kunden, die ihre Abschläge bar einzahlen, fordert die WEVG dringend auf, den Betrag zu überweisen. Telefonisch ist der Kundenservice Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr, Montag, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr unter den (05341) 408-111, 408-307, 408-226, 408-217, 408-255, 408-268, 32383 und 905286 zu erreichen. Oder per E-Mail an kundenservice@wevg.com oder beratung@wevg.com. Der Entstörungsdienst für Erdgas, Strom, Wärme und Wasser ist unter (05341) 84 14 14 erreichbar. Die Kundenberater der WEVG nehmen keine Vor-Ort-Termine mehr wahr.

Das sagen die Händler

Allmählich tauchten Salzgitters Innenstädte gestern ab 14 Uhr in gespenstische Leere. In Lebenstedt blieben Zeitschriftenhandel und Buchläden geöffnet, auch beim Friseur, in Drogerien und Bäckereien klingelte weiter die Kasse. Die meisten Händler aber mussten dicht machen – Anweisung von ganz oben. „Grundsätzlich haben wir Verständnis für die Maßnahmen“, sagte Jürgen Neumann, Chef der Werbegemeinschaft „CityLebenstedt“. Doch unter den Geschäftsleuten mache sich starke Verunsicherung, aber auch Ärger breit.

So dürften etwa Supermärkte weiter öffnen, neben Lebensmitteln Kleidung und Elektronik verkaufen. „Dafür gibt es keine Absperrbänder“, moniert Neumann. Zugleich seien inhabergeführte Geschäfte gezwungen, Waren, die geliefert werden, anzunehmen und zu bezahlen, ohne sie aber verkaufen zu können. Da seien Flexibilität im Umgang mit Lieferanten, aber mitunter auch gute Rücklagen gefragt.

Bei geplanten Veranstaltungen der Werbegemeinschaft setzt Neumann auf Optimismus. Zwar sei die Mitgliederversammlung am 26. März schon abgesagt, ebenso wie öffentliche Events im April und Mai. „Aber das nächste Cityfest kommt bestimmt“, ahnt der Vorsitzende.

Sein Amtskollege Heinz Strauß von der Werbegemeinschaft Salzgitter-Bad weiß: „Die Sofortmaßnahmen gegen das Corona-Virus werden einige Geschäftsleute hart treffen“. Wer auf Dauer Verluste in Höhe von monatlich 70.000 Euro hinnehmen müsse, „der wird nicht lange überleben“. Vor allem die kleinen Einkaufsstandorte wie Salzgitter-Bad sieht Strauß als besonders stark betroffen an. „So etwas Drastisches habe ich noch nie erlebt“, sagt er und weiß: „Da ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.“

Das meinen die Sportler

Der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB), Clemens Löcke, sieht das Kürzel SV, das sonst für Sportverein steht, in Corona-Zeiten eher als Abkürzung für Soziale Vernunft . Auch unter Sportlern seien Disziplin und starker Wille gefragt, um die Pandemie durchzustehen. Bis zum 18. April werde der Sportbetrieb komplett eingestellt. Keine Chance für Großveranstaltungen.

Löcke appellierte an die Vereinsmitglieder, sich in dieser Krise solidarisch zu zeigen und trotz Angebotsstopps die Beiträge weiter einzuzahlen. Denn die Sportstätten im Stadtgebiet müssten ja weiter unterhalten werden. Vielleicht, empfiehlt Löcke, könnten die Übungsleiter ihre Trainingseinheiten auch per Skype oder Youtube vermitteln.

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