Näherinnen und Stoffe für Mundschutze dringend gesucht

Salzgitter.  Eine Krankenschwester der Medizinischen Hochschule Hannover hat das Projekt gestartet. In Salzgitter machen schon 15 Frauen mit.

Martina Ney näht die Mundschutze sonst zuhause. Für den Pressetermin ist Ney in die Kita St. Andreas gekommen, wo sie sonst als Köchin arbeitet. Sie trägt einen selbst genähten Mundschutz, den sie mit Hilfe einer Vorlage gefertigt hat, die alle Freiwilligen erhalten. 

Martina Ney näht die Mundschutze sonst zuhause. Für den Pressetermin ist Ney in die Kita St. Andreas gekommen, wo sie sonst als Köchin arbeitet. Sie trägt einen selbst genähten Mundschutz, den sie mit Hilfe einer Vorlage gefertigt hat, die alle Freiwilligen erhalten. 

Foto: Jürgen Stricker

Krankenschwester Katharina Homann hofft, dass das vor wenigen Tagen in Salzgitter gestartete Projekt zur Fertigung professioneller Mundschutze bald in aller Munde ist: Noch, sagt die Salzgitteranerin, gibt es an ihrer Arbeitsstätte, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), ausreichend Mundschutze. Aber sie will für den Fall, dass das Corona-Virus sich stärker ausbreitet, vorbauen: Mit Hilfe von Spendern und Helfern möchte Homann so viele Mundschutze wie möglich produzieren, um auch Praxen und medizinisches Personal in Salzgitter und der Region unterstützen zu können. Mehrere Mitarbeiterinnen der evangelisch-lutherischen Kita St. Andreas sind schon als Näherinnen dabei – im Home-Office.

Professionelle Standards

Homann legt großen Wert darauf, dass die Mundschutze professionellen Standards genügen: Außen sind sie zu 100 Prozent aus Baumwolle, innen ist ein Microfaser-Tuch eingenäht, das eine filtrierende Wirkung hat. Die Mundschutze decken Mund und Nase ab – und lassen sich im Grunde beliebig oft wiederverwenden, wenn sie nach einer 90-Grad-Kochwäsche keimfrei sind. Ein Intensiv-Mediziner und ein Medizin-Professor hätten sich die Mundschutze angeschaut und für gut befunden. „Natürlich können sie keine Zertifizierung erteilen“, sagt Homann. Solche Prozesse dauerten ja lange und müssten über bestimmte Stellen laufen. Aber die Mediziner würden die Mundschutze auch selbst verwenden. Auch viele ihrer Kolleginnen auf verschiedenen Stationen der MHH würden die Mundschutze tragen, versichert Homann.

Einfache Herstellung

Die Herstellung ist mithilfe des Schnittmusters und der Nähanleitung recht simpel, sagt Iris Neumann. „Das kann auch schnell jemand lernen, der nicht so gut nähen kann“, findet die Mitarbeiterin der Kita St. Andreas. Sie arbeitet sonst als Küchenhilfe in der Kita, jetzt fertigt sie im Home-Office Mundschutze. Sie hätte das, genau wie Kita-Köchin und Kollegin Martina Ney, auch ehrenamtlich gemacht. Jetzt freuen sich die beiden Frauen aber, dass das Projekt von Gemeindepfarrer Uwe Teichmann, der auch Propst der Propstei Lebenstedt ist, als Arbeitstätigkeit anerkannt wird. Denn viele Schreib- und Aufräumarbeiten haben zumindest die beiden Küchen-Mitarbeiterinnen bereits geschafft. „Auch, was nach der doch recht plötzlichen Kita-Schließung noch verarbeitet und eingekocht werden musste, wie etwa Birnen und anderes Obst, ist erledigt“, sagt Ney.

Das Nähen geht den beiden Frauen leicht von der Hand. In der Familien-Kita St. Andreas gibt es regelmäßig Nähkurse für Eltern. Das Angebot gefiel auch Kita-Mitarbeiterinnen, in ihrer Freizeit trafen sich Ney, Neumann und andere Kolleginnen mit Nähkurs-Leiterin Ira Kirch zum Nähen. Nähmaschinen mussten sie nicht mitbringen, die gab es bereits wegen der Eltern-Nähkurse in der Kita. Und genau diese Nähmaschinen können Ney und Neumann nun auch nutzen. „Wenn wir helfen können, wollen wir in dieser Situation natürlich helfen. Jeder, der nähen kann, sollte sich beteiligen. Die Patienten und das medizinische Personal brauchen unsere Unterstützung“, appelliert Ney an ihre Mitbürger. Wenn die Kinder schon nicht in der Kita betreut werden könnten, sei das Nähen zumindest ein kleiner Beitrag, findet Neumann.

Projekt hat Wurzeln in Ostfriesland

Um zu erklären, wie die Salzgitteraner Kita überhaupt mit ins Boot gekommen ist, muss Krankenschwester Homann gedanklich einige wenige Tage zurückgehen. „Meine Freundin Barabara Backer, die ehrenamtlich im Vorstand des Vereins Organtransplantierte Ostfriesland tätig ist, hat von einem Intensivmediziner den Tipp bekommen, dass sich solche Mundschutze leicht nähen lassen. Über das Internet haben wir uns zu dem Thema ausgetauscht. Ich habe das Thema wiederum mit Professor Dr. Jan Schmitto besprochen, der Vorstandsvorsitzender des Vereins ‘Pulslos leben’ ist, in dem ich mich wiederum ehrenamtlich engagiere.“

Homann hat mit Schmitto auch beruflich zu tun: Er ist ihr Chef an der MHH, wo Homann als Koordinatorin Kunstherz-Patienten betreut. Nicht nur das medizinische Personal braucht hier Mundschutze, sondern auch und gerade die Patienten. „Nach Operationen gibt es offene Ausgangswunden, Die verbinden sich die Patienten teils selbst oder auch Angehörige. Da es in der Atemluft Keime gibt, braucht auch hier jeder einen Mundschutz.“ Auch und gerade für diese Menschen braucht es Mundschutze in ausreichendem Maße.

Bisher 15 Näherinnen dabei

Am Mittwoch erzählte Homann abends im Reitstall in Groß Himstedt ihrer Freundin Melanie Gatz von der Projektidee. Gatz, Leiterin der Kita St. Andreas, setzte noch im Reitstall eine Whats-App-Nachricht an die Kita-Mitarbeiter ab. „Es hat keine fünf Minuten gedauert,“ berichtet Gatz begeistert, „da gab es schon vier Zusagen von Kolleginnen, die nähen und mitmachen.“ Inzwischen haben sich aus dem Umfeld der Kita-Mitarbeiterinnen noch weitere Frauen gefunden, Mütter oder Schwiegermütter etwa, die mitmachen.

Derzeit gibt es 15 Näherinnen, die alle über eigene oder geliehene Nähmaschinen verfügen – denn diese können von den Initiatoren nicht zur Verfügung gestellt werden. Neben helfenden Menschen gibt es auch schon Material. Aktuell, wenn es wenig Verschnitt gibt, für 4800 Mundschutze. Eine Immobilienfirma habe schon Microfaser-Tücher gespendet und auch eine Tankstelle, die die Tücher sonst für die Waschanlage nutzt, berichtet Homann. „Wir freuen uns über jeden, der uns weiteres Material zur Verfügung stellt. Auch Stoffe aus 100 Prozent Baumwolle brauchen wir.“ Es sollen sich so viele Spender und Helfer wie möglich melden, ruft Homann auf. „Wir wollen nicht nur Personal und Patienten an der MHH unterstützen, sondern alle die Schutz brauchen. Von der Kassiererin im Supermarkt über die Arzthelferin bis zu den Erziehern in den Notgruppen.“

Mehrere Kontaktmöglichkeiten

Wer helfen will, mit Tatkraft oder Material, kann entweder einen Brief mit seinen Kontaktdaten einwerfen im Gemeindehaus von St. Andreas in Salzgitter am St.-Andreas-Weg 2, eine E-Mail schreiben an andreas.sz.kita@lk-bs.de oder über Facebook zu Katharina Homann Kontakt aufnehmen. Sie ist zu finden unter Katharina Homann GebRoth

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