Zeugin bricht im Gericht zusammen

Salzgitter.  In dem Prozess vor dem Landgericht Braunschweig geht es um eine Frau, die in Salzgitter extreme Gewalt durch ihren Partner erlebt haben soll.

Ein 46 Jahre alter Mann soll seine Partnerin jahrelang gequält haben. Nun muss er sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Verdachts der Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten.

Ein 46 Jahre alter Mann soll seine Partnerin jahrelang gequält haben. Nun muss er sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Verdachts der Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Irgendwann bricht die Zeugin mit der Kugel im Kopf, den künstlichen Hüftgelenken und der kaputten Bauchspeicheldrüse einfach zusammen. Zusammengekrümmt sitzt die 29-Jährige in Saal 141 des Landgerichts Braunschweig. Sie rührt sich nicht mehr, der Vorsitzende Richter und ihr Anwalt eilen herbei, ein Notarzt wird gerufen. Es ist der zweite Tag der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers im Prozess wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und gefährlichen Körperverletzung.

Zehn Jahre lang soll ihr früherer Partner (46) ihr Gewalt angetan haben. Sexuell, psychisch, durch Schläge und Erniedrigungen. „Er hat mich behandelt wie Dreck. Nicht wie einen Menschen.“ Sechs konkrete Vorwürfe, sind Teil der Anklage, die seit letzter Woche verhandelt wird.

Als um Details ging, kollabiert sie

Schon am ersten Prozesstag war die 29-Jährige zu ihrem Leben mit ihrem mutmaßlichen Peiniger (46) befragt worden. Bereits da musste die Verhandlung mehrfach unterbrochen werden, weil die Zeugin an Grenzen stieß. Als es an Tag 2 dann um Details der mutmaßlichen Vergewaltigung am Ufer des Baches Fuhse ging, wurde es der Frau offenbar zu viel und sie kollabierte.

Seit sie es vor zwei Jahren schaffte, sich von dem vermeintlichen Alkoholiker zu lösen, der ihr das Leben zu einer Hölle auf Erde gemacht haben soll, befinde sie sich in psychiatrischer Behandlung. Sie spricht von schweren Depressionen und mehreren Versuchen, sich das Leben zu nehmen. Zwei Kinder hat sie mit dem Angeklagten. Das erste nahm ihr das Jugendamt. Das zweite gab sie zur Adoption frei, aus Angst, ihr Partner würde dem Säugling etwas antun, schilderte sie.

„Er fing mich ein und machte mit mir, was er wollte“

Das Gericht befragt die junge Frau, die aus Polen stammt und dort die ersten Jahre ihrer Beziehung mit dem Mann verbrachte, ausführlich. Daran geht kein Weg vorbei – fußt die Anklage doch in wesentlichen Teilen auf ihren Angaben. Demnach soll es zahllose Misshandlungen und immer wieder sexuelle Gewalt durch den 46-Jährigen gegeben haben. Wann immer ihm danach war, habe er sie eingefangen „und gemacht, was er wollte“.

Vieles davon soll sich in Polen abgespielt haben. So etwa der Schuss in den Kopf mit einer Druckluftwaffe, von dem das Projektil in ihrem Kopf bis heute zeugt. Doch was zwei polnische Staatsangehörige in Polen tun, ist Sache der polnischen Justiz. Anders steht es um mögliche Straftaten, die ab dem Jahr 2013 in Deutschland verübt wurden. Dem Jahr, als das Paar nach Salzgitter kam.

Jahre nach der mutmaßlichen Tat kommt der 46-Jährige in U-Haft

Wegen dieser Tatvorwürfe wurde der 46-Jährige von Polen ausgeliefert und sitzt in Untersuchungshaft. Der Kfz-Mechaniker bestreitet im Prozess bislang alle Anklagepunkte. Er spricht vielmehr von einer Beziehung, die durch viel Alkohol und wechselseitige Gewalt geprägt war. Zumindest am Alkohol gibt es keine Zweifel.

Schon im Jahr 2015 war die Polizei Salzgitter mit der möglichen Vergewaltigung befasst, die nun Teil der Anklage ist. Als das Paar damals zum Trinken an den Ufern der Fuhse in Lebenstedt lagerte, soll es zum erzwungenen Geschlechtsverkehr gekommen sein. Die Zeugin bezichtigte damals zunächst drei unbekannte Männer, sie ins Gebüsch gezerrt zu haben. Dann schwenkte sie um auf einen einzelnen Täter, den sie in der nahen Gaststätte einer Kleingartenanlage getroffen haben will, schilderte die federführende Ermittlerin dem Gericht.

Schützte das Opfer den Täter lange Zeit?

Die Beschreibung des angeblichen Tätertrios passte jedoch zusammengenommen haargenau auf den Partner der Frau, bemerkte die erfahrene Polizistin. Doch weil das mutmaßliche Opfer seine Anzeige letzten Endes zurückzog, wurde die Sache zunächst nicht weiter verfolgt. Schützte die Frau vor fünf Jahren ihren Partner und erstattete erst 2018 Anzeige, als sie sich aus seinen Fängen befreit hatte? So sieht es die Staatsanwaltschaft.

Eindeutige Anhaltspunkte für eine Vergewaltigung fanden die Ermittler im Jahr 2015 nicht. Zwar lag die Frau schwer verletzt im Krankenhaus. Aber anhand der Verletzungen habe sich nicht klar festmachen lassen, ob es zu sexueller Gewalt kam, berichtete die ermittelnde Beamtin.

Irgendwann hatte die möglicherweise traumatisierte Zeugin sich wieder soweit gefangen, dass sie aufstehen konnte. Ihre Vernehmung soll am nächsten Prozesstag fortgesetzt werden.

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