Benötigt Salzgitter mehr Warn-Sirenen?

Salzgitter.  Für eine flächendeckende Abdeckung bräuchte es 20 Geräte, die jeweils mehr als 10.000 Euro kosten.

Am 10. September 2020 heulten 34 von 35 Sirenen in Salzgitter probeweise – am bundesweiten Warntag. Auch die auf dem Dach der Grundschule Steterburg. Die Feuerwehr wies mit einem selbstgedrehten Video auf den Tag hin. Künftig sollen weitere Sirenen im Stadtgebiet aufgebaut werden

Am 10. September 2020 heulten 34 von 35 Sirenen in Salzgitter probeweise – am bundesweiten Warntag. Auch die auf dem Dach der Grundschule Steterburg. Die Feuerwehr wies mit einem selbstgedrehten Video auf den Tag hin. Künftig sollen weitere Sirenen im Stadtgebiet aufgebaut werden

Foto: Erik Westermann / BZV

Vielerorts wurde der bundesweite erste Warntag am 10. September nicht eben als Erfolg bewertet: Katastrophenschutz-Apps auf Smartphones spielten den Test-Alarm mit massiver Verspätung aus. Und in Salzgitter gaben 34 von 35 Sirenen im Stadtgebiet zwar Laut, aber dass man auf diesem Wege bei weitem nicht alle Bürger im Ernstfall erreicht, das wurde deutlich. Denn in den großen Stadtteilen wie Bad und Lebenstedt steht schlichtweg keine einzige Sirene. Aus dem Ortsrat Süd wurde auf Anregung der SPD-Fraktion beispielsweise die Forderung laut, in Salzgitter-Bad mit zwei Geräten aufzurüsten.

Die Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Stadtrat zeigt: Die Stadt hält eine Aufstockung der Sirenen-Zahl grundsätzlich für sinnvoll . Dass die Sirenen als „effektive Warnung der Bevölkerung zum derzeitigen Stand der Technik unverzichtbar sind“, habe der Warntag gezeigt. Denn durch das eindringliche Tonsignal könne auf eine drohende Gefahr hingewiesen werden – ein echter „Weckeffekt“.

20 Sirenen würden Hundertausende Euro Kosten

Weiter heißt es in der entsprechenden Verwaltungsvorlage : „Die Erweiterung des Sirenennetzes ist Gegenstand der laufenden Überlegungen .“ Allerdings könnte das teuer werden: 20 zusätzliche Sirenen bräuchte man für eine flächendeckende Warnung der Bevölkerung in den Wohngebieten der Stadt. Jede von ihnen würde demzufolge mit 10.000 bis 15.000 Euro zu Buche schlagen. „In Anbetracht der Haushaltssituation ist vorgesehen, das Sirenennetz in den nächsten Jahren schrittweise zu erweitern“, heißt es deshalb aus dem zuständigen Fachdienst Feuerwehr auf Anfrage unserer Zeitung. Das Geld soll aus dem laufenden Etat des Fachdienstes gedeckt werden.

Gegenwärtig würden in den derzeit nicht abgedeckten Bereichen (Bad, Lebenstedt, Lesse, Watenstedt) mögliche Standorte ermittelt, an denen unter Beachtung der bau- und immissionsschutzrechtlichen Aspekte mit vergleichsweise geringem Aufwand Sirenen installiert werden können.

Einsatzfall: Großbrand wie bei der Salzgitter AG

Fraglich ist aus Sicht der Stadtverwaltung, wie viele weitere Sirenen gebraucht werden. Müssen es 20 sein ? „Der Warntag hat gezeigt, dass eine allumfassende, flächendeckende Sirenen-Infrastruktur nicht nötig erscheint, da die Bürgerinnen und Bürger hinreichend im Notfall gewarnt werden können“, heißt es. Auch vor dem Hintergrund der Haushaltslage der Stadt Salzgitter werde bei einer Erweiterung des Sirenennetzes für jede Sirene deren Notwendigkeit überprüft.

Seit der Auflösung der Warnämter des Bundes und der Übereignung der Sirenen an die Kommunen Mitte der 1990er-Jahre wurden die Sirenen ausschließlich zur Alarmierung der Ortsfeuerwehren eingesetzt. Die erneute Möglichkeit zur Nutzung für die Warnung der Bevölkerung wurde mit der Modernisierung der Steuerungstechnik im Jahr 2017 geschaffen, jedoch seitdem noch nicht in einem Realfall genutzt, schildert der Fachdienst Feuerwehr.

Bereichsweise Alarmierung soll möglich werden

Möglich gewesen wäre der Einsatz etwa bei dem Brand auf dem Gelände der Salzgitter AG in der vorigen Woche. Dabei kam es zu einer immensen Rauchentwicklung, die Bevölkerung wurde über Rundfunk, soziale Internet-Netzwerke und Smartphone-Apps wie Nina und Katwarn darauf hingewiesen und gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auf den flächendeckenden Sirenen-Alarm im Stadtgebiet hat man wegen „der örtlichen Eingrenzung des Ereignisses“ aber letztlich verzichtet, teilt die Stadtverwaltung mit.

Die Rauchwolken zogen offenbar vornehmlich nach Nordosten ab. Bis zum Landkreis Helmstedt. Ein Sirenenwarnton, der nur in Teilbereichen des Stadtgebietes ausgelöst wird, ist offenbar derzeit nicht umsetzbar. Jedoch befinde sich ein seit dem Warntag erarbeitetes Konzept auf dem Weg, schildert der Fachdienst Feuerwehr. Mit ihm wäre dann auch eine bereichsweise Auslösung der Sirenen im Stadtgebiet möglich.

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