Vogelgrippe: Veterinär mahnt Halter in Salzgitter zur Vorsicht

Salzgitter/Goslar.  „Mittelschweres Szenario erwartet“: Wolfgang Naumann setzt für Salzgitter und Umland bei der Vorbeugung des Virus etwa auf das „Betretungsregime“.

Mitarbeiter eines Veterinäramtes in Schleswig-Holstein überprüfen tote Gänse auf die Vogelgrippe. Das Virus verbreitet sich derzeit wieder in Deutschland – und könnte auch Salzgitter treffen.

Mitarbeiter eines Veterinäramtes in Schleswig-Holstein überprüfen tote Gänse auf die Vogelgrippe. Das Virus verbreitet sich derzeit wieder in Deutschland – und könnte auch Salzgitter treffen.

Foto: dpa (Archiv)

Das für die Stadt Salzgitter und den Landkreis Goslar zuständige Veterinäramt hat Geflügelhalter in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, verstärkt auf „Biosicherheitsmaßnahmen“ zu achten. Grund dafür ist die Vogelgrippe – erste Fälle sind in Deutschland bereits aufgetreten. Amtsveterinär Wolfgang Naumann äußert sich gegenüber unserer Zeitung dazu, was hinter dem Virus steckt und wie ihm auch in unserer Region vorgebeugt werden kann .

Herr Naumann, welchen medizinisch-biologischen Hintergrund hat die Vogelgrippe?

Der Erreger ist ein Influenzavirus, das sich genetisch recht schnell verändern kann. Aktuell handelt es sich um den Virustyp H5N8. Das weltweite Monitoring hat bereits Ende Juli auf vermehrtes Auftreten in Russland und Kasachstan hingewiesen. Die neuen Fälle sind im Rahmen des herbstlichen Vogelzuges gen Westen also keine große Überraschung.

Wie weit ist das Virus vorgedrungen – und müssen sich die Geflügelhalter in unserer Ecke bereits größere Sorgen machen?

Außer an der Westküste von Schleswig-Holstein wurden bisher auch in Hamburg, Cuxhaven und auf Rügen verendete Wildvögel aufgefunden, bei denen die Vogelgrippe festgestellt wurde. Auf der Hallig Lange-ness kam es zum Ausbruch in einer Hühnerhaltung. Eine Übertragung durch Zugvögel überwindet naturgemäß auch größere Entfernungen in kurzer Zeit, so dass auch für die Tiere in Salzgitter und Umgebung eine relativ große Gefahr der Seucheneinschleppung besteht.

Welche Vogelarten sind hier besonders gefährdet?

Verschiedene Arten sind der Erfahrung nach unterschiedlich betroffen. Wasservögel können infiziert sein und den Erreger ausscheiden, erkranken häufig aber weniger deutlich. Hühner erkranken hingegen schneller und schwerer. Greifvögel infizieren sich beim Aasfressen von an der Seuche verendeten Vögeln und sterben, Singvögel sind eher nicht betroffen.

Was raten Sie Vogelhaltern nun?

Im Vordergrund stehen Hygienemaßnahmen, etwa das „Betretungsregime“ der Stallungen – kurzum: Unbefugte bleiben draußen. Außerdem ist die Vermeidung des Kontaktes zu Wildvögeln derzeit wichtig. Bei der gegenwärtigen Seuchenlage ist die Freilandhaltung des Geflügels noch möglich. Das kann sich aber sehr schnell ändern – das Veterinäramt würde bei fortschreitendem Seuchengeschehen grundsätzliche Stallhaltung anordnen. Aber auch Privathalter sind bei den Maßnahmen gefragt.

Wann hat die Vogelgrippe unsere Region zuletzt härter getroffen?

Auffällige Jahre waren 2006/07 und 2016/17. Hier wurde auch für die Geflügelhaltungen in Salzgitter und Goslar das Aufstallen angeordnet. Für 2020/21 wird aktuell ein mittelschweres Szenario prognostiziert. Eine Gefährdung des Menschen, wie sie bei früheren Erregern schon aufgetreten ist, wird durch H5N8 aber nicht erwartet.

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