„Ich musste vor ihm knien wie ein Hund“

Salzgitter.  Stundenlang soll ein Ehemann den Liebhaber seiner Frau mit einem Messer bedroht und festgehalten haben. Ein Gericht verurteilte den Mann aus Salzgitter.

Mit einem langen Küchenmesser soll ein 33-Jähriger aus Salzgitter den Liebhaber seiner Ehefrau über Stunden bedroht und in seiner Wohnung festgehalten haben.

Mit einem langen Küchenmesser soll ein 33-Jähriger aus Salzgitter den Liebhaber seiner Ehefrau über Stunden bedroht und in seiner Wohnung festgehalten haben.

Foto: Oliver Berg / dpa

„Ich kriege das Messer nicht aus dem Kopf.“ Bis heute sei er in psychologischer Behandlung, nach dem, was sich über Stunden in einer Wohnung in Lebenstedt zugetragen haben soll. Anfangs habe er kaum schlafen können.

Was eine heimliche Affäre alles auslösen kann, davon berichtete der junge Mann vor dem Amtsgericht Salzgitter. Fünf Stunden habe der Ehemann seiner Geliebten ihn gefangen gehalten und mit einem Messer bedroht. In einem Anfall rasender Eifersucht habe der Gehörnte ihn erniedrigt, geschlagen und getreten. „An den Kopf, ins Gesicht, in den Magen, an den Hals, die Beine, überall hin.“ Kurz zuvor soll der Angeklagte erfahren haben, dass seine Frau ihn mit dem Mann betrügt. Aus Rache habe er ihn der Freiheit beraubt, bedroht, beleidigt und verletzt, wirft die Staatsanwaltschaft Braunschweig dem 33 Jahre alten Salzgitteraner vor. Erst nach fünf Stunden soll er sein Opfer freigelassen haben, das mit Schädel- und Gesichtsprellungen ins örtliche Krankenhaus kam.

„Sie hatte Tränen in den Augen“

Das Ganze begann mit einer Chat-Nachricht seiner Geliebten am Morgen des betreffenden Tages, berichtet der Zeuge dem Richter mit gedrückter Stimme. Den Blick richtet der hagere Mann während seiner Befragung meist nach unten. Mehr als ein Jahr danach wirkt er noch aufgewühlt, seine Aussage fahrig.

„Endlich ein Ende“, habe sie ihm geschrieben. Weil er sich Sorgen machte, ging er zu ihrer Wohnung, in der sie mit ihrem Ehemann lebte. Nach mehrfachem Klingeln öffnete sich die Tür. Ihr Mann habe vor ihm gestanden. „Er wirkte, als freut er sich, dass er mich endlich erwischt.“ Noch im Wohnungsflur habe er den ersten Schlag empfangen, der Täter griff sich ein Messer und schloss die Türe ab, schildert der Zeuge. Barfuß habe er sich vor das Sofa im Wohnzimmer knien müssen. „Wie ein Hund. Das Messer hielt er fast die ganze Zeit vor meinem Gesicht oder meiner Brust.“

Die Ehefrau, mit der eine sexuelle Beziehung führte, stand anfangs offenbar noch dabei. „Sie hatte Tränen in den Augen.“ Als Hurensohn und Drecksack soll der Betrogene ihn beschimpft haben, berichtet der Liebhaber. Irgendwann „hat er uns gefragt, ob wir uns lieben. Das haben wir geleugnet – wer weiß, was sonst passiert wäre?“ Aus Angst wehrte sich das Opfer nicht – sich auszuziehen oder aus einem Wasserglas mit Zigarettenstummeln zu trinken, habe er jedoch verweigert.

Ehefrau verweigert Aussage

Warum seine Geliebte über fünf Stunden nicht einmal den Versuch unternommen habe, Hilfe zu rufen, will die Staatsanwältin wissen? „Ich glaube, sie hatte Angst.“

Die Frau selbst bleibt eine Erklärung schuldig. Nachdem sie im ersten Anlauf vor Gericht nicht auftauchte, zog sie sich beim zweiten Termin auf ihr Recht zurück, die Aussage zu verweigern. Mittlerweile hat sie ihren Mädchennamen wieder angenommen und sich vom Ehemann getrennt. Mit ihrem Geliebten trifft sie sich offenbar weiterhin. „Aber über diesen Tag haben wir nie geredet“, sagte der im Gerichtssaal. „Ich wollte nicht, dass das zwischen uns steht.“

Verteidiger hegt Zweifel

In der Verhandlung bleiben Zweifel. Zu detailarm scheint Verteidiger Erkan Altun der knappe Bericht des mutmaßlichen Opfers, das auf viele Fragen ähnlich antwortet. „Ich kann mich nicht genau erinnern. Ich stand so unter Schock und war wie in Trance.“

Auch dass der Notarzt Prellungen und Blutergüsse lediglich am Kopf diagnostizierte, macht den Anwalt stutzig. Zudem sieht er Widersprüche in den Schilderungen: Wann genau kam etwa das Messer ins Spiel?

Sein Mandant räumt nur ein, das Opfer geschlagen zu haben. „Nach Provokationen.“ Weitere Augenzeugen gibt es nicht.

Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Der Richter jedoch glaubt dem geschundenen Liebhaber – und geht bei der Strafe sogar über das hinaus, was die Staatsanwaltschaft forderte. Das Urteil: elf Monate Freiheitsstrafe wegen Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung, ausgesetzt zur Bewährung. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich. Vermutlich geht die eskalierte Affäre in die zweite Instanz.

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