Brand in Salzgitter-Bad: So geht es der Café-Besitzerin heute

Salzgitter-Bad.  Als es 2019 am Klesmerplatz brannte, war auch das Café „Zeit“ von Adelina Lendele betroffen. Doch ihren Traum hat sie nicht aufgegeben.

Adelina Lendele steht da, wo früher der Eingang des Cafés war.

Adelina Lendele steht da, wo früher der Eingang des Cafés war.

Foto: Lukas Dörfler

Das bunt bemalte Holzstück, das Adelina Lendele in den Händen hält, ist für sie von besonderer Bedeutung: Es ist ein Stück aus ihrem Café „Zeit“. Das Gebäude, in dem es sich befand, ist am 8. April 2019 abgebrannt, kürzlich wurde es abgerissen. Damit ging für Lendele ein Lebenstraum in Flammen auf. Wie ist es ihr seither ergangen? Und was plant sie für die Zukunft?

Ein Café mit Herz

Ein eigenes Café zu haben, das war schon lange ihr Traum. 2017 wagt sie es und meldet ihr Interesse an den Räumlichkeiten am Klesmerplatz in Salzgitter-Bad an. Am 1. April eröffnet das „Zeit“. Mit viel Liebe gestaltet sie ihr Café. „Ich gehe immer mit meinem ganzen Herzen an eine Sache. Die Leute sollen sich, wenn sie bei mir Kaffee trinken, wie Zuhause fühlen. Und ich denke, das habe ich geschafft“, sagt Lendele. Das „Zeit“ ist breit aufgestellt: Frühstück, Mittagessen, Kuchen und Veranstaltungen – von Geburtstagen über Hochzeiten bis hin zu Taufen. Innen ist ein Schriftzug über der Tür angebracht: „Und die Zeit blieb stehen“. Das ist es, was sie will. Dass die Leute sich bei ihr Zeit nehmen, diese genießen und letztlich gar vergessen. Wenn sie von ihren Ideen und Plänen, die sie damals umsetzte, erzählt, wird Lendeles Stimme schnell, überschlägt sich fast. Sie ist in ihrem Element - und scheint in Gedanken wieder hinter der Café-Bar zu stehen.

Salzgitter-Bad: 2019 brennt es am Klesmerplatz

Es läuft gut für Adelina Lendele. Sie lebt ihren Traum und führt ein Café, das gut besucht ist. Bis zu dem verhängnisvollen Montag am 8. April 2019. Abends ist sie mit ihrer Tochter in der Stadt. Dann bekommt sie den Anruf, der alles verändert: Das Café brennt. Kurz darauf Sie steht vor den Flammen und will am liebsten direkt rein, Sachen retten. Doch das darf sie natürlich nicht. „In so einem Moment bricht alles zusammen: deine Welt, dein Traum, deine Existenz. Es war ein wunderschöner Ort“, sagt Lendele. Sie kämpft mit den Tränen. „Jedes Mal, wenn ich darüber spreche, kommen die Emotionen hoch und es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen.“ Sie habe mit dem Ganzen immer noch nicht abgeschlossen.

Das Café „Zeit“ ist nach Brand ist in Erinnerung geblieben

„Jetzt stehe ich hier und es ist nichts mehr da von meinem Café, nur Leere.“ Lendele blickt auf die verschneite Fläche, wo gerade erst das Fachwerkhaus abgerissen wurde. Nach dem Brand zeigt sich, wie beliebt das „Zeit“ war, von allen Seiten bekam sie Mut zugesprochen. Und selbst an diesem kalten Januarmorgen, fast zwei Jahre nach dem Brand, wird sie auf dem Klesmerplatz von einem ehemaligen Gast erkannt. Aleksandar Wanninger ist 20 Jahre alt und war oft mit seiner Mutter da. „Das Café hat immer für gute Stimmung gesorgt. Das war wirklich was für jung und alt“, sagt er. „Es war richtig schön dekoriert. Mit viel Liebe fürs Detail. Es war wirklich mein Lieblings-Café. Würde so etwas zurückkommen, würden sich alle freuen.“ Die Worte berühren Lendele sichtlich.

Nachhaltigkeit war und ist ein großes Thema für Adelina Lendele

Nach dem Brand ist sie wie in Trance. Sie hat auf einmal das, was sie den Menschen schenken wollte: Zeit. Sie fährt zu befreundeten Gastronomen, schaut ihnen über die Schulter. „Essen ist Kunst für mich. Ich bin keine gelernte Köchin, aber eine Visionärin. Für jede Gelegenheit, andere Köche bei der Arbeit zu sehen, bin ich sehr dankbar. So lerne ich immer dazu“, sagt Lendele. Mittlerweile wohnt sie in der Heide und arbeitet bei einem Bio-Betrieb. Hier beschäftigt sie sich mit Nachhaltigkeit – ein Thema, das auch im „Zeit“ wichtig war. Sie verkauft die Erträge auf den Märkten von Gifhorn über Wolfsburg bis nach Braunschweig.

„Zeit“-Chefin Lendele träumt von einem neuen Café

Der Job gefällt ihr – doch ihr Ziel ist es, wieder mit einem Café selbstständig zu sein. „Ich liebe es einfach. Wenn ich eine Kochjacke anziehe, dann werde ich erst zu mir selbst. Die ist wie eine zweite Haut für mich“, sagt Lendele. Wo und wann ein neues Café entsteht, ist noch offen. Erst will sie die Pandemie abwarten. „Salzgitter ist und bleibt für mich etwas ganz besonderes. Doch wann und wo ein neues Café entsteht, wird sich zeigen.“

Bei dem Abriss des Cafés war sie nicht dabei – das sei zu emotional für sie gewesen. Den Holzscheit hat ihr eine Freundin aus den Trümmern gerettet. „Wenn ich irgendwann wieder selbstständig werde...“ - Lendeles Stimme versagt bei dem Gedanken. Sie muss tief durchatmen. „Dann weiß ich, dass dieses Stück Holz einen ganz besonderen Platz in dem neuen Café bekommen wird.“ Dann wird ein Stück des alten Cafés auch in dem neuen Café Zuhause sein. Doch bis es soweit ist, muss man abwarten, was sie eben so bringt, die Zeit.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder