Vom Rokoko-Park zu „Rock the Park“

Flachstöckheim  SZ-Serie – 38 Orte Der Gutspark Flachstöckheim und die Freilichtbühne sind ein Stück idyllische Geschichte.

Der Gutspark mit der Freilichtbühne in Flachstöckheim ist eine kleine Naherholungsoase.

Der Gutspark mit der Freilichtbühne in Flachstöckheim ist eine kleine Naherholungsoase.

Foto: Elke Kräwer

Sieben Jahre früher als geplant konnte das Projekt Gutspark Flachstöckheim abgeschlossen werden. Nach einer wechselvollen Geschichte ist der Park heute ein englischer Landschaftspark, und die dazugehörige Freilichtbühne lädt zu den verschiedensten Veranstaltungen ein.

2006 beschloss die Stadt Salzgitter, den unter Denkmalschutz stehenden Gutshof mit dem Gutspark wieder in seiner ursprünglichen Form erstehen zu lassen. Ein beauftragter Gutachter erstellte ein gartendenkmalpflegerisches Pflege- und Entwicklungskonzept, das vorsah, den Park wieder in einen englischen Landschaftspark zu verwandeln. „Der Gutachter sah vor, dass dieser Umbau bis 2020 abgeschlossen werden sollte“, erinnert sich der Vorsitzende des Fördervereins Gutspark Flachstöckheim, Wolfgang Fisch. „Wir sind aber bereits in diesem Jahr fertig geworden“, freut sich der Vereinsvorsitzende.

Der Förderverein habe sich wegen dieses Gutachtens erst gegründet und habe einen Großteil der Arbeiten an dem Park vorgenommen. „Das war eine ganze Menge Arbeit.“ Zu Anfang habe sehr viel Wildwuchs beseitigt werden müssen. „Für die Umgestaltung mussten zudem einige Bäume und Sträucher entfernt werden, um andere neu zu pflanzen“, berichtet Fisch. Das sei von dem Gutachter genau festgelegt worden. Zudem wurden Wege neu angelegt. Und eine Fachfirma hatte die Mauer, die den Park an der Nordseite begrenzt, restauriert. „Heute kümmert sich der Verein vor allem darum, den Park zu pflegen“, berichtet Fisch. Rund 25 der beinahe 100 Mitglieder beteiligten sich aktiv an diesen Arbeiten.

Darüber hinaus fördert der Verein das kulturelle Leben im Gutspark und organisiert Veranstaltungen auf der Freilichtbühne, die 1956 von der Stadt dort errichtet wurde. So habe es dort etwa Rock- und Country-Konzerte gegeben, und jeweils im Dezember findet ein Adventsnachmittag statt. „In diesem Jahr, am 7. September, werden wir auch wieder das „Rock the Park“-Konzert veranstalten“, sagt Fisch. Ferner finden dort unter anderer Federführung Kindertheatervorstellungen oder politische Veranstaltungen statt. „Wer die Freilichtbühne nutzen möchte, müsste sich an den Städtischen Regiebetrieb wenden“, sagt Fisch.

Flachstöckheim war lange Zeit Sitz eines der reichsten Adelsgeschlechter des Braunschweiger Raumes, derer von Schwicheldt. Bereits 1350 erhielt das Rittergeschlecht das Gut als Lehen vom Kreuzstift zu Hildesheim. Das Anwesen wurde 1722 erbaut, das Kavaliershaus stammt aus von 1807. Im Siebenjährigen Krieg, von 1756 bis 1763, nahm Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder Friedrich des Großen, dort Quartier. Auf seinen Befehl mussten französische Kriegsgefangene einen Rokokogarten anlegen. 1821 wurde der Park von der Familie in einen Englischen Garten umgewandelt. Ende der 1930er erfolgte die Enteignung des alten von Schwicheldt’schen Familiengutes durch die damaligen Reichswerke. Die Gutsgebäude wurden 1942/43 durch die Wohnungsgesellschaft der Reichswerke zu 98 Wohnungen für Bergarbeiter der nahen Erzgruben umgebaut.

Anfahrt: Von Lebenstedt aus kommt man über Salder und Calbecht nach Beinum. Aus Salzgitter-Bad fährt man am besten zunächst nach Beinum. Von dort aus sind Park und Freilichtbühne ausgeschildert. Sie liegen zwischen Ritter-Schwicheldt-Allee und An der Freilichtbühne.

Information: Der Förderverein freut sich über weitere Mitstreiter. Informationen zum Verein gibt es auf dessen Internetseite: www.fv-gutspark.de. Gern steht auch Wolfgang Fisch unter (0 53 41) 9 11 58 für Fragen zur Verfügung.

In dieser Serie stellen wir Ihnen 38 besondere Orte vor. Orte, bei denen sich das Hingucken lohnt und die zeigen, wie sich die Stadt entwickelt hat.

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