Der charmante Dampfplauderer

Gebhardshagen  Niko Formanek macht mit seinem ersten Solo-Programm in der Wasserburg Station.

Der Wiener Comedian Niko Formanek brachte das Publikum im ehemaligen Pferdestall der Wasserburg Gebhardshagen zum Lachen.

Der Wiener Comedian Niko Formanek brachte das Publikum im ehemaligen Pferdestall der Wasserburg Gebhardshagen zum Lachen.

Foto: Frank Schildener

Wiener Charme und eine überaus witzige Comedyshow bot Niko Formanek Sonntagabend im Pferdestall der Wasserburg Gebhardshagen.

Auch wenn er Comedy mit eigenem Programm erst seit acht Monaten betreibt und dies seine erste Deutschland-Tour ist, ist Formanek in der Comedy-Szene kein Unbekannter. Er gründete in Wien den Schmähstadl nach dem Vorbild des deutschen Quatsch Comedy Clubs, bei dem er seit 2011 regelmäßig gastiert. Er moderiert Comedy-Shows und tritt nun mit seinem Soloprogramm „30 Jahre Ehe, Kinder und andere Baustellen“ an.

Nun ist es nicht neu, dass auf der Bühne Witze auf Kosten der eigenen Familie gemacht werden. Im Gegensatz zum unsäglichen Weiste-Weiste-Gesabbel eines anderen Comedians, geht Formanek gottlob einen völlig anderen Weg: Als charmanter Dampfplauderer mit einem Hauch Wiener Schmäh macht er weder vor seiner Familie noch vor dem Publikum und das ist ist das Schöne, auch vor sich nicht halt. So braucht er nur wenige Augenblicke, um mit dem Publikum direkt in Kontakt zu kommen und die ersten Lacher auf seiner Seite zu haben. Wo andere das Eis erst brechen müssen, ist dieses bei Formanek von Anfang an erst gar nicht da.

Ohne Effekthascherei erzählt er Geschichten von seinen Kindern, seiner Frau, gemeinsamen Urlauben und dem Verhältnis peinlicher Väter zu pubertierenden Kindern oder überfürsorglich werdenden Männern zu ihren schwangeren Frauen. Das sorgt mit seiner mitunter krassen Absurdität auch deshalb für zwerchfellerschütternde Lachsalven beim Publikum, weil er es charmant und unauffällig schafft, die nötigen Bilder in die Köpfe der Besucher zu zaubern, ohne sich auf der Bühne zwanghaft zum Affen zu machen.

Das ist manchmal boshaft, wenn es gegen den ersten Freund der Tochter geht oder gegen die Lehrerin seines Sohnes. Dann wieder schreiend komisch, wenn er sich selbst mit Bierbauch und neongelbem Stringtanga im Badeurlaub und ziemlich peinlichen Situationen beschreibt.

Selbstüberschätzung, Männlichkeitswahn und Naivität von verheirateten Familienvätern über 40 treibt er intelligent auf die Spitze. Das ist großartig, Beifall, gerne wieder.

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