Familie Weber aus Salzgitter muss in Quarantäne

Salzgitter-Bad.  Heute im Corona-Tagebuch: Ein Coronafall in der Klasse des Schulkindes. Es geht zum Test.

Gleich geht´s in die Quarantäne: Erstmal den Kühlschrank füllen...

Gleich geht´s in die Quarantäne: Erstmal den Kühlschrank füllen...

Foto: Yvonne Weber

Alleinerziehend und berufstätig in Zeiten von Corona: Yvonne Weber, freie Mitarbeiterin unserer Zeitung, schreibt über ihren Alltag mit ihren drei Jungs Tagebuch.

Tag 122: Quarantäne

Ein Anruf, der mich aus meinem Arbeitstrott bringt. Das Schulkind soll vorzeitig abgeholt werden. Ein Corona-Fall ist in der Klasse bekannt geworden. Wir warten auf den Anruf des Gesundheitsamtes. Und ich zusätzlich auf mein Auto, das sich gerade in der Werkstatt befindet. Die Schulkinder sind auf dem Heimweg, während ich den Wagen mit neuer Elektronik und Winterreifen entgegennehme. Einen „kleinen“ Abstecher mache ich noch schnell beim Discounter.

Sollten wir in den nächsten 14 Tagen unter Quarantäne stehen, muss der Kühlschrank voll sein. Der Einkaufswagen ist seit langem mal wieder richtig voll. Und das Kassenband auch. Ich stehe an der Kasse und packe mit dem Kassierer um die Wette. Er ist schnell. Ich aber auch. Ich habe zu tun, das ohnehin viele Zeugs auch noch nach Härtegrad in die vielen Tragetaschen zu sortieren, als – ja wie soll es auch anders sein – mein Handy in der Handtasche vibriert. Bitte nicht das Gesundheitsamt, hoffe ich. Vor dem Auto checke ich das Telefon und rufe die Behördennummer zurück. Besetzt. Ich befürchte, sie rufen mit der Alternativnummer nun den noch unwissenden Vater der Kinder an, der am arbeiten ist und den ich noch nicht beunruhigen wollte.

Zuhause erreiche ich dann den Beamten. Er ist gut gelaunt, und er informiert mich ausführlich darüber, was demnächst auf uns zukommt. Ich lache laut auf der Terrasse sitzend. Irgendwie ist dieses große C nun schnell an uns herangekommen.

In den letzten 118 Tagen habe ich mich nicht wirklich konkret damit befasst, was ich machen müsste, wenn der Fall der Fälle eintritt. Jetzt schon. Und ich bin froh, dass der Mann am anderen Ende der Leitung so freundlich und geduldig ist. Drei Testtermine bekomme ich gesagt. Morgen geht es los. Die Geschwisterkinder können, solange das Ergebnis nicht positiv ist, in Schule und Kindergarten gehen. Das wundert mich. Ich selbst stehe auch nicht unter Quarantäne. Besuch dürfen wir logischerweise keinen empfangen. Das besagte Kind darf maximal in den Garten.

Da ich alleinerziehend bin, wird es nun schon komplizierter. Der Achtjährige darf ja nur von mir betreut werden. Ich bekomme wohl Unterlagen für den Arbeitgeber zum Ausfüllen geschickt. Homeoffice ist die Alternative. Meine schönen Presse- und Arbeitstermine der nächsten Woche werden alle ohne mich stattfinden. Ich fluche. Ich informiere den Vater und sage die ersten Termine ab. Ein Geschwisterkind fragt mich: „Dürfen wir auch zuhause bleiben?“ „Morgen schon“, sage ich. Und werde vorsorglich beide Kinder, bis das erste negative Ergebnis vorliegt, nicht in die Einrichtungen schicken. Das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, falls der Test nun doch positiv wäre. Die Kinder jubeln. Ich atme tief. Schlimmer als Tag 1 bis 14 vom Corona-Tagebuch kann es ja nicht werden...

Tag 123: Corona-Test

Wir sitzen im Auto und geben auf der Nord-Süd-Straße Gas. 14 Uhr muss der Drittklässler zum Corona-Test im Gesundheitsamt antreten. Wir sind lieber 15 Minuten früher da. 20 Kinder aus der Klasse sind ja auch 20 Fahrzeuge in der Schlange. Wir biegen in die Einfahrt ein und ich lache. Wir reihen uns ans Ende der bereits mehr als 15 wartenden Wagen ein. Na, das kann ja dauern, denke ich. Im Auto vor uns winken Mutter und Klassenfreund durch die Heckscheibe. „Mama, kratzen die mir an den Wackeldingern hinten rum?“, fragt das Kind auf dem Beifahrersitz und zeigt auf seine Mandeln. „Dann muss ich ko...!“ Ich kann es nicht beantworten. Befürchte aber, da wir gerade gut Mittag gegessen haben, dass es sich lohnen würde. Den Quark zu den Pellkartoffeln habe ich mit einer Extraportion Knoblauch versehen. Ich dachte, uns kommt ja demnächst eh niemand zu nahe. Aber an den Abstrich hab ich dabei blöderweise nicht gedacht. Die haben ja auch Mundschutz auf, beruhige ich mich.

Punkt 14 Uhr öffnet sich das Rolltor vor uns und die ersten Autos fahren rein zum Test. Es geht wirklich schnell. Und die Schlange wird immer kürzer. Nach 15 Minuten sind auch wir an der Reihe. Die vermummten Personen checken unsere Daten und klären uns auf, dass das Ergebnis aufgrund der Fülle an Tests wohl eher erst übermorgen zu erwarten sei. Viel von den Menschen erkennt man nicht. Die Frauen sind super freundlich und routiniert. Wir lachen gemeinsam, als das Kind seinen Schnabel schon vorsorglich sperrangelweit aufreißt. Dann bekommt er den Rachenputzer durch die Seitenscheibe in den Hals. Er röchelt etwas. Der Teststreifen wandert ins Röhrchen und wir dürfen die Schleuse verlassen. Ist das Ergebnis negativ, wiederholen wir in den kommenden Tagen das ganze Prozedere zwei Mal.

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