Seit 15 Jahren Pflegedienstleitung im Hospiz Salzgitter

Salzgitter-Bad.  Kathrin Nötzel ist mit viel Fachwissen, aber auch mit Herz dabei. Sie koordiniert insgesamt 18 Krankenschwestern.

Kathrin Nötzel jongliert täglich mit Terminen, Dienstplänen und Belegungstabellen im Hospiz Salzgitter.

Kathrin Nötzel jongliert täglich mit Terminen, Dienstplänen und Belegungstabellen im Hospiz Salzgitter.

Foto: Yvonne Weber

Nachdem sie das Kopfkissen nochmals ordentlich aufgeschüttelt hat, reicht Tessy Nies dem Gast aus Zimmer drei das Mittagessen an. Derweil hält Liisa Wiese im Schwesternzimmer ein Päckchen starke Schmerzmittel in den Händen und bereitet die nächste Medikamentengabe vor. Die beiden Krankenschwestern haben gut zu tun und dennoch viel Zeit für ihre Gäste. Demzufolge hat auch Kathrin Nötzel ihre Arbeit richtig gemacht. Die Pflegedienstleiterin koordiniert im Hospiz Salzgitter 18 Krankenschwestern, so dass immer zwei, drei Kolleginnen für acht Gäste Tag und Nacht vor Ort sind. Und das schon seit 15 Jahren.

Start vor 20 Jahren als Krankenschwester

Die 42-Jährige ist von Anfang an dabei. Vor 20 Jahren begann sie damals noch im alten Klinikum als Krankenschwester auf der internistischen Station. Schnell war für sie klar: Das Sterben muss in einem würdevolleren Rahmen erfolgen. Bei den Planungen des neuen Hospizes 2005 war sie damals schon zugegen. Organisation der neuen Einrichtung, Bettenbelegung und Teamauswahl konnte sie mit umsetzen. Später, mit 29 Jahren, übernahm sie die Pflegedienstleitung. Ungewöhnlich aber bezeichnend für eine Powerfrau wie Nötzel.

„Ihr hohes Maß an Empathie und Menschenkenntnis, ihr Fachwissen und ihr außergewöhnliches Engagement befähigten sie schon damals zu dieser Aufgabe“, lobt Geschäftsführerin Britta Bötel. Durch Fortbildungen im Bereich der Palliativpflege und der Heim- und Pflegedienstleitung gibt sie zudem den Schwesternschülerinnen in Ausbildung oder den Altenpflegern in Pflegeeinrichtungen ihr Fachwissen als Referentin weiter.

Kathrin Nötzel erfüllt es mit Stolz, wenn die Schwerkranken ihre Entscheidung ins Hospiz zu gehen als richtig empfinden und hier in den Räumen an der Virchowstraße ihren Frieden finden. Sie sagt: „Es ist eine wunderbare Arbeit, weil man merkt wie wichtig sie ist und wie dankbar die Gäste und deren Angehörigen sind.“

Arbeitsplatz mittlerweile am Schreibtisch

So nah wie einst als Krankenschwester ist die Salzgitteranerin nur noch selten an den Menschen. Ihr Arbeitsplatz ist der Schreibtisch. Das Wichtigste: ihr Telefon. Fast täglich fragen Schwerkranke nach, ob noch ein Bett für sie frei sei. Nicht immer kann sie direkt eines vermitteln.

„Wir finden dann meistens eine alternative Lösung mit dem palliativen Pflegedienst für die Familien. Dennoch berührt es mich immer sehr, wenn Menschen einfach zu spät den Erstkontakt mit uns suchen“, berichtet sie.

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Es sei ganz wichtig, sobald das Ende abzusehen und der Wunsch im Hospiz zu sterben da sei, das auch so früh wie möglich mit dem Haus zu kommunizieren. „Das erleichtert uns vieles. So kann man die Familie und den Krankheitsverlauf bis zu einer Aufnahme schon begleiten“, so Nötzel, die auch die Anwesenheit der Angehörigen als einen wichtigen Baustein ihrer Einrichtung sieht. Das sei der Unterschied auch zum Krankenhaus. Hier im Hospiz seien die Familienmitglieder herzlich willkommen. „Wir sehen uns auch als Hilfe für Familien. Sie können nach dem Einzug ihre gemeinsame, aber endliche Zeit nun wieder genießen, statt sich zuhause um die Pflege zu kümmern“, betont Krankenschwester Tessy Nies, die ihre Arbeit als sehr abwechslungsreich, fordernd, aber im hohen Maße erfüllend beschreibt. Oft nehmen die Schwestern, aber auch Kathrin Nötzel, Einzelschicksale mit nach Hause.

Schwestern betreuen so, wie sie betreut werden wollen

„Aber dank des tollen Teams belastet es mich nicht. Wir sollten viel mehr den Tod als Teil des Lebens sehen und ihn nicht an den Rand der Gesellschaft stellen“, betont Liisa Wiese. Die Schwestern betreuen hier ihre Gäste so, wie auch sie in den letzten Wochen, Tagen, Stunden und Minuten umsorgt werden wollen. Mit Würde und viel Herz. Und das ist auch der Verdienst von Kathrin Nötzel.

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