Der Bart muss ab

Sehr verehrte Leserinnen und Leser, in den vergangenen Monaten bin ich Ihnen die eine oder andere Kolumne schuldig geblieben. Dies möchte ich jetzt ändern.

Was hat der männliche Bartwuchs mit der Feuerwehr zu tun? In einer der letzten Kolumnen habe ich Ihnen die Königsklasse im Feuerwehreinsatz, den Atemschutzeinsatz, nähergebracht. Der Einsatz von Atemschutzmasken erfordert eine glatte, haarfreie Gesichtspartie. Da ich aber einen ausgeprägten Bartwuchs habe, kam ich schon früh mit dem Problem der undichten Maske in Berührung. In meiner Grundausbildungszeit bei der Bundeswehr übten wir den Einsatz unserer ABC-Schutzmasken unter Einsatz von Reizgas (heute unvorstellbar…). Unsere Ausbilder mahnten uns zur Rasur vor der Übung – ja, ja, lass die mal reden. Meine Bartstoppeln waren nicht lang, aber lang genug, um das Reizgas zwischen Maskendichtlippe und Haut durchzulassen. Pfui Deibel, war das ekelig.

Diese Erfahrung war nicht lebensgefährlich, aber einschneidend. Nun wollte ich aber nicht ganz auf einen Bart verzichten und ließ mir einen Oberlippenbart wachsen. Der war damals sehr modern und schick, ja wirklich, die Jüngeren unter Ihnen werden es kaum glauben. Kommissar Horst Schimanski war mein Vorbild. Der Oberlippenbart trat auch nicht in Konkurrenz mit der Atemschutzmaske, das Maskeninnenleben ist so gestaltet, dass der Mundnasenbereich gesondert umschlossen wird. Auch die Bart-Mode entwickelt sich weiter, so kam der Rotzfänger bald aus der Mode.

Ja, Sie haben richtig gehört, ich bin modebewusst, zumindest wenn es um meinen Bart geht. Meine Frau mag mich eigentlich am liebsten mit Vollbart, doch da steht der Niedersächsische Barterlass dagegen. Der „Was“ werden Sie sich augenreibend fragen. Kennen Sie auch die mündlich überlieferten Geschichten aus längst vergangenen Zeiten? So wurde während der Atemschutzausbildung immer wieder auf den oben genannten Barterlass verwiesen. Der soll allen Atemschutzgeräteträgern das Tragen eines Vollbartes verbieten. Ich habe mich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Niedersächsischen Barterlass gemacht.

Sie werden es schon ahnen, ich habe nichts gefunden. Die einzigen Hinweise auf den Bartwuchs in Zusammenhang mit dem Atemschutzeinsatz finden sich bei den Unterlagen der Feuerwehrunfallkasse (FUK). Die letzten 23 Jahre trage ich voller Stolz meinen kurz geschnittenen Kinnbart, die entscheidenden Gesichtsflächen halte ich stets gut rasiert und sauber. Der Kinnbart hat mich im Atemschutzeinsatz noch nie gestört oder behindert, ich weiß ja, wie Reizgas in den Augen brennen kann. Atemgifte sind da um Längen gefährlicher. Eins musste ich aber meiner Frau versprechen: Wenn ich in Pension gehe, muss ich mir einen Vollbart wachsen lassen. Eins ist sicher, dieses Versprechen werde ich mit Freude erfüllen. So verbleibe ich mit einem kräftigen „Gut Wehr“ und wünsche Ihnen allen Gesundheit.

Marcus Spiller ist Sprecher der Berufsfeuerwehr Salzgitter.

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