Mit ihm können Junkies Klartext reden

Lebenstedt  Gianluca Calabrese gründet einen Gesprächskreis. Er dient Drogenabhängigen und deren Angehörigen als Kontakt- und Aufklärungsbörse.

Gianluca Calabrese bespricht mit Heidi Krebs von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe die Gründung der „Dialoggruppe Junkies“.

Foto: Bernward Comes

Gianluca Calabrese bespricht mit Heidi Krebs von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe die Gründung der „Dialoggruppe Junkies“. Foto: Bernward Comes

Er ist 42 Jahre alt, verfügt über zwei Jahrzehnte Drogenerfahrung mit allem, was dazugehört: Abstürzen, Krisen, Jobverlust, Schuldenfalle, Beschaffungskriminalität, Verhören, Anklagen, Bewährungsstrafen, Rückfällen und immer wieder Knast. Seit sieben Jahren ist Gianluca Calabrese clean und fast genauso lange ehrenamtlich in der Prävention engagiert.

Der Lebenstedter, der von sich selbst sagt „Ich war ein Arschloch“, hat bereits viele Hebel für sein Herzensanliegen in Bewegung gesetzt. Er geht regelmäßig in Schulen, um dort mit Schülern zu reden. Auch an der Technischen Universität Braunschweig ist er immer wieder zu Gast. Der von ihm ins Leben gerufene Verein Super Salzgitter dient Drogenabhängigen und deren Angehörigen als Kontakt- und Aufklärungsbörse.

Sein ehrgeizigster Plan aber, in Salzgitter eine akzeptierende Drogenberatung als Ergänzung zur Salto-Suchthilfe zu etablieren, scheiterte im vergangenen Jahr. Calabrese: „Verwaltung und Politik versagten mir ihr Wohlwollen und damit auch die unerlässlichen Zuschüsse.“

Ins Bockshorn jagen lassen will sich der junge Familienvater aber trotzdem nicht. Aufgeben ist halt nicht sein Ding. Beruflich hat der gelernte Koch inzwischen seinen Weg gefunden. Als Betriebsleiter in der Küche der Flora-Klause leitet er Flüchtlinge an. „Mein Arbeitgeber Culttup unterstützt mein ehrenamtliches Engagement“, freut sich Calabrese. Ohne zu zögern, habe man ihm zugesagt, die Klause für sein neuestes Projekt zu nutzen.

Eine Selbsthilfegruppe hat der umtriebige Halbitaliener jetzt gegründet – „Dialoggruppe Junkies“ lautet ihr Name. Ihre auf zwei Stunden angesetzten Treffen sollen künftig zweimal pro Monat in der Flora-Klause stattfinden. „Angesprochen sollen sich nicht nur Junkies fühlen, sondern auch Angehörige“, sagt Calabrese. Alle können sich in einem offenen Gesprächskreis austauschen über ihre Suchterfahrungen und sich informieren über die Wirkung altbekannter oder neuer psychoaktiver Drogen. Thema sei alles, „was unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.“

Über seinen Verein ist Gianluca Calabrese gut vernetzt mit Rechtsanwälten, Schuldnerberatung, Ärzten, Verkehrspsychologen und Dolmetschern und kann daher wertvolle Tipps geben beziehungsweise Kontakte vermitteln. Zum Auftakt lädt er am Mittwoch, 28. Februar, um 18 Uhr in die Swindonstraße 98a ein.

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