Stiftskirche Steterburg hält jetzt Video-Andachten

Thiede.  In der Stiftskirche in Steterburg hält die Digitalisierung Einzug. Andachten erreichen die Gläubigen nun per Videobotschaft.

Pastorin Katharina Pultke bei der Aufzeichnung einer Video-Andacht in der Steterburger Stiftskirche mit Unterstützung von Küster Michael Bock.

Pastorin Katharina Pultke bei der Aufzeichnung einer Video-Andacht in der Steterburger Stiftskirche mit Unterstützung von Küster Michael Bock.

Foto: Stefan Lohmann

Es ist ein stiller Mittwochmorgen rund um die Anlage des ehemaligen Stifts. Wie aus heiterem Himmel beginnen die Glocken der evangelischen Kirche zu läuten. Das Klingen kommt jedoch nicht vom Kirchturm, sondern aus dem Inneren der schmucken Saalkirche. Es ist eine Aufzeichnung, die Küster Michael Bock gerade über die Lautsprecheranlage abspielt, für einen Gottesdienst der besonderen Art.

Niedriger Professionalisierungsgrad – dafür hohe Motivation

„Kirche wird in diesen Tagen tatsächlich digital“, wendet sich Gemeindepastorin Katharina Pultke lachend an Susanne Diestelmann, Öffentlichkeitsarbeiterin der Propstei, die gerade dabei ist, ihre Fotokamera auf einer Trittleiter vor dem Altar zu postieren. Mit der Videofunktion soll eine Andacht für das kommende Wochenende aufgezeichnet werden. Pultke steht hochmotiviert vor der Linse, möchte mit ihrer Ansprache für die Gemeinde, die wegen der Corona-Epidemie derzeit nicht in die Kirche gehen darf, beginnen. Doch es hakt noch mit der Technik, die Kamera steht schief auf einem Bücherstapel. Der Zeitungsreporter kann zufällig mit einem kleinen Stativ aushelfen, so dass die Seelsorgerin in einen perfekten Bildausschnitt gerückt werden kann.

Technische Finessen seien doch jetzt gar nicht so wichtig, meint Diestelmann, sondern vielmehr die Verkündung des Wortes Gottes. „Das stimmt natürlich“, schließt sich Pultke an und empfindet in der außergewöhnlichen Situation dieser Krisentage zugleich etwas aus ihrer Sicht Positives. „Wir stellen dieser Tage fest, wie wichtig diese Worte für viele Menschen sind, und das ist eines der Pfunde, mit denen wir wuchern können“, ist die Pastorin überzeugt davon, dass die christlichen Botschaften Wirkung auf die Menschen zeigten. Da sei es eigentlich vollkommen egal, auf welchem Weg, ob per Internet-Video, Email, Brief oder Gottesdienst im Fernsehen, Hoffnung, Zuversicht und ein Gefühl von Gemeinschaft verbreitet werde, sagt Pultke. „Gefühle spielen in so einer schwierigen Situation eine ganz große Rolle“, unterstreicht sie.

Pastorin Pultke hält Ansprachen, singt und stellt sich der Moderne

Mit dem Versuch der Propstei Salzgitter, nun auch hier - wenngleich improvisierte - Video-Andachten abzuhalten, sollen gute Gedanken an Menschen in den Kirchengemeinden und darüber hinaus ausgesendet werden. So soll das Video aus der Stiftskirche mit dem gewohnten Glockenläuten beginnen, bevor Pastorin Pultke sich mit ihrer Ansprache an die Zuschauer richtet. Dann singen Pultke und Diestelmann, begleitet von Organistin Friederike Werner-Kriatchko, das Lied „Fürchtet Euch nicht“ aus dem Gesangbuch. Aufnahmetechnisch muss alles in einem Rutsch laufen, „denn schneiden kann ich nicht“, muss Diestelmann unumwunden zugeben. „Da müssen wir in der Kirche mal ganz ehrlich sein, dass uns jetzt auf einmal so richtig bewusst wird, wie sehr wir an einigen Stellen in Sachen Modernität hinterherhinken“, sagt Pultke frei heraus.

Hier in der Gemeinde Steterburg sei es gefühlt „ein Super-Gau“ wie sich jetzt offenbare, wie nachlässig man beispielsweise mit dem eigenen Internetauftritt umgegangen sei. Ein Problem, mit dem viele Gemeinden sich nun mehr denn je ab sofort kümmern müssten, um den Entwicklungen in der Gesellschaft gerecht zu werden, ist die 56-jährige Pastorin überzeugt. Dafür brauche es dringend Mittel der Propstei und auch der Landeskirche, um etwa Ehrenamtliche und Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung zu schulen. „Ich bin der Meinung, dass auch Pfarrerinnen und Pfarrer darin fit sein sollten“, sagt Pultke. Das würden dann auch jüngere Menschen sicherlich begrüßen. Die übrigens hätten durchaus schon die spontanen Ansätze wie etwa die erste spontan entstandene Video-Andacht von Probst Uwe Teichmann am vergangenen Wochenende wahrgenommen, so Diestelmann.

Die Kirche hat jetzt einen Youtube-Kanal

Und solange niemand in die Kirchen gehen könne (und vielleicht auch darüber hinaus), wolle man mit dem Format der Video-Botschaften weitermachen, für alle Altersgruppen, denn auch Senioren seien vielfach gut im Netz unterwegs und wünschten sich jetzt Ansprache der Kirche. Die Video-Andacht aus der Stiftskirche wird ab Samstag, 28. März, auf dem neu eingerichteten Youtube-Kanal der Propstei Lebenstedt zu sehen sein. Auch auf der Internetseite www.propstei-lebenstedt.de werden diese und folgende Andachten verlinkt.

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