Wann beginnt in Burgdorf die Vergangenheit?

Burgdorf.  Der nächste Teil unserer Serie Heimatrausch. Heute sprechen Heimatpfleger aus Burgdorf über ihre Arbeit und wie sie diese verbessern können.

Vier Ortsheimatpfleger tauschen sich an einem Tisch aus. (Von links)Frank Ahrens, Eike Bock, Joachim Splitt und Rolf Brandes. 

Vier Ortsheimatpfleger tauschen sich an einem Tisch aus. (Von links)Frank Ahrens, Eike Bock, Joachim Splitt und Rolf Brandes. 

Foto: Andrea Leifeld

Er gilt in wohl jedem Ort als der Hüter der Heimatgeschichte: Der Ortsheimatpfleger. Was sich nun aber irgendwie alt und ziemlich verstaubt anhört, kann durchaus spannende Fakten hervorbringen und sogar zukunftsweisend sein. Denn, wann fängt sie eigentlich an, die Vergangenheit?

Eine Frage, mit der sich auch Rolf Brandes beschäftigt. Unlängst, mit seinem Eintritt in den Ruhestand, wurde der gebürtige Hohenasseler per Ratsbeschluss zum Ortsheimatpfleger ernannt.

Nordassel sucht noch einen Heimatpfleger

„Was für Beweggründe hatte ich? Ich wurde gefragt und habe ja gesagt“, erklärt Brandes noch etwas ratlos zum neuerworbenen Amt. Mit ihm zählt die Gemeinde Burgdorf nun vier Ortsheimatpfleger: Eike Bock (Berel), Frank Ahrens (Westerlinde) und Joachim Splitt (Burgdorf) stehen fortan mit ihm parat, die Geschichte und Geschichten ihrer Ortschaften unvergessen zu machen.

Der Posten des Ortsheimatpflegers in Nordassel ist aktuell unbesetzt. Dort wird noch ein geschichtsbegeisterter Mitstreiter gesucht.

Seit mehr als 25 Jahren widmet sich der ehemalige Hildesheimer Gymnasiallehrer Eike Bock der Geschichte „seiner“ Ortschaft Berel. Er ist der Dienstälteste im Kreis der heimatpflegenden Geschichtsfreunde. „Ich war schon immer geschichtlich interessiert und schon mein Vater hat mit viel erzählt“, betont er. Häufig suchte er im Archiv nach historischen Quellen und alten Urkunden und brachte es dabei zu inzwischen bemerkenswerten Ergebnissen.

„Berel weist dem Namen nach auf eine Waldlichtung hin.“ Das hatte ihm eine Namensforscherin im Wortstamm recherchiert. Bock schrieb nicht nur eine umfassende Ortschronik. Sein Herz schlägt in der Vergangenheit und er möchte die Geschichte der Ortschaft bis in die frühesten Funde archivieren.

Ein ehrgeiziges Unterfangen, das ihn bereits bis in die Steinzeit führte. „Man soll nicht glauben, seine Arbeit fände keine Beachtung“, so Bock.

Heimatgeschichte soll begreifbar sein

Häufig kämen Neubürger, oder wenn ein Haus im Ort verkauft wurde, Neubesitzer, und würden nach Fotos fragen. Oder nach Leuten, die da mal gewohnt haben. Bereits vor 19 Jahren erstellet Bock die Webseite www.berel-am-ries.de um die Mitbürger an seinen Recherchen teilhaben zu lassen.

„Heimatgeschichte muss begreifbar sein“, unterstreicht Joachim Splitt aus Burgdorf seine Auffassung zum Ehrenamt. Burgdorf habe sogar ein kleines Heimatmuseum. Das freilich sei nicht sein Verdienst, sondern der von Sigurd Baltin und seiner Ehefrau, die zur 1000-jährigen Feier Burgdorfs (984 – 1984) die kleine Heimatstube in der Lehrerwohnung der ehemaligen Grundschule einrichteten. Ein Glück, das nicht alle Ortschaften genießen durften.

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„1976 eröffnete die gemeinsame Grundschule in Hohenassel, für alle Grundschüler aus der Gemeinde Burgdorf. Bis dahin hatten alle Dörfer eine eigene Grundschule. Hat darüber schon jemand was dazu aufgeschrieben?“, hinterfragte Brandes. Was wurde aus den ehemaligen Schulgebäuden? Denn, um bei der eingehenden Frage zu bleiben: Wann beginnt die Vergangenheit? „Corona verändert gerade unsere Gesellschaft. Da wäre es doch wichtig, heute aufzuschreiben, wie es dazu kam. Und nicht in 20 Jahren mühsam zu recherchieren“, findet Brandes.

Bürgerinitiative ist politisch aktiv

„Durch den Bau der 380-kV-Stromtrasse gründete sich eine Bürgerinitiative, die auch politisch aktiv wurde. Das hatte es bis dahin noch nie gegeben. Es gab immer nur CDU und SPD im Ort. Irgendwann wird auch sowas verloren gehen“,

unterstützte ihn Frank Ahrens bei der Überlegung. Ein häufiges Problem in der Ortsheimatpflege sei, dass sich die jüngeren Menschen nicht mit den Älteren unterhalten und dann erst viel zu spät feststellen, dass das Wissen der vorangehenden Generationen verloren gegangen ist.

Wissen erhalten und Gegenwart erzählen

Gemeinsam wollen sich die vier Ortsheimatpfleger fortan der Aufgabe stellen, das Wissen um die Vergangenheit zu archivieren und zugleich die Ereignisse der Gegenwart in ihren Erzählungen lebendig zu halten.

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