Nach Glasner-Kritik: Wie reagieren die Wolfsburger Profis?

Wolfsburg  Die Kritik an Einstellung und Mentalität war deutlich. Die Aussagen von Trainer Oliver Glasner haben die vergangenen Tage beim VfL Wolfsburg bestimmt. Sie machen auch das eigentlich bedeutungslose Europa-League-Spiel gegen Saint-Etienne wieder spannend.

Trainer Oliver Glasner hatte die Wolfsburger Spieler zuletzt kritisiert.

Trainer Oliver Glasner hatte die Wolfsburger Spieler zuletzt kritisiert.

Foto: dpa

Bei dem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Fundamentalkritik äußerte sich Oliver Glasner wieder gewohnt sachlich und besonnen.

Noch am vergangenen Wochenende hatte der Trainer des VfL Wolfsburg die Mentalität einiger Spieler kritisiert und ihnen unter anderem "quasi Dienst nach Vorschrift" vorgeworfen. Vor dem letzten Europa-League-Gruppenspiel gegen AS Saint-Etienne (Donnerstag, 21.00 Uhr DAZN) aber sagte der Österreicher nur noch: "Wir haben das intern nochmal besprochen. Die Spieler wissen, was ich damit bezwecken möchte und was ich von ihnen verlange. Und sie haben sich in dieser Woche sehr engagiert präsentiert."

Lange Zeit drohte das Saint-Etienne-Spiel in etwa die gleiche Bedeutung zu bekommen wie eines dieser Saisoneröffnungsfeste im Sommer. Es ist ein namhafter Gegner zu Gast, das Stadion bleibt halb leer - und sportlich geht es um gar nichts. Denn der VfL steht bereits als erster Fußball-Bundesligist als Teilnehmer an der K.o.-Runde fest. Der französische Rekordmeister dagegen könnte an seinem Ausscheiden selbst dann nichts mehr ändern, wenn er in der Volkswagen Arena genauso deutlich gewänne wie einst 1980 bei der großen Generation Hrubesch und Kaltz des Hamburger SV (5:0).

Dass dieses Spiel trotzdem nicht völlig unbeobachtet abläuft, hat vor allem mit zwei Wolfsburgern zu tun. Torwart Koen Casteels verlängerte seinen ohnehin noch bis 2021 laufenden Vertrag am Mittwoch um weitere drei Jahre und bekannte sich damit genauso frühzeitig und langfristig zu diesem Verein, wie das vorher schon Torjäger Wout Weghorst und Kapitän Josuha Guilavogui getan hatten. Und dann ist da noch Glasner und die Frage: Wie werden die Spieler vor den vier letzten Spielen des Jahres gegen Saint-Etienne, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04 und Bayern München auf seine Aussagen reagieren?

Stürmer Daniel Ginczek zeigte am Mittwoch schon einmal Verständnis für seinen Trainer. "Ich glaube, es ist zur richtigen Zeit gekommen, zu sagen: Das und das läuft falsch", sagte der 28-Jährige. Bis zum vorletzten Tag des Oktobers blieben die "Wölfe" in dieser Saison ungeschlagen. Seitdem aber haben sie sechs von acht Pflichtspielen verloren. Das war der Auslöser für die Glasner-Kritik. Und dazu sagte auch Ginczek: "Ich bin seit anderthalb Jahren hier und habe schon früh gemerkt: Hier werden Dinge oft zu gut geredet. Aber jeder Spieler will vorankommen und eine ehrliche Meinung zu seinem Spiel bekommen. Wir Spieler nehmen uns die Aussagen zu Herzen."

Auch Jörg Schmadtke stellte er sich vor dem Saint-Etienne-Spiel an die Seite von Glasner. "Ich finde es durchaus legitim, dass ein Trainer auch mal öffentlich bestimmte Dinge anspricht, weil dann jedem Spieler klar wird: Jetzt wird ein bisschen genauer hingeschaut – nicht nur intern, sondern auch von außen. Das kann helfen", sagte der Geschäftsführer Sport der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). "Ich glaube, dass wir in ein paar Geschichten mehr Punch brauchen und dass wir ein bisschen zielstrebiger werden müssen."

Am Donnerstag wird der VfL erst einmal zahlreiche Stammkräfte schonen und stattdessen auf Profis wie Ginczek, Xaver Schlager oder Paulo Otavio setzen. Die waren lange verletzt und bekamen von Glasner schon am Vortag ihren Platz in der Anfangsformation garantiert.

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