Trotz Weltklasse-Wolff: Deutsche Handballer vor EM-Aus

Die deutschen Handballer haben praktisch keine Chance mehr auf das Erreichen des EM-Halbfinals. Gegen Kroatien führt die DHB-Auswahl lange und muss sich am Ende doch geschlagen geben. Auch die Top-Leistung des Torhüters nutzt nichts.

Wien (dpa) – Torhüter Andreas Wolff verfolgte die Jubelfeiern der Kroaten mit leerem Blick von der Bank, Bundestrainer Christian Prokop schüttelte fassungslos den Kopf.

Trotz einer über weite Strecken herausragenden Abwehrleistung um den erneut starken Keeper Wolff haben die deutschen Handballer ihre Chance auf das Halbfinale der Europameisterschaft so gut wie verspielt.

Im Hauptrunden-Schlüsselspiel verlor die DHB-Auswahl am Samstagabend in der hitzigen Atmosphäre der Wiener Stadthalle mit 24:25 (14:11) gegen Kroatien. Nach einem Leistungsabfall in der Schlussphase dieses Handball-Krimis besitzt die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop nun nur noch minimalste Chancen, die angepeilte EM-Medaille zu gewinnen.

"Das ist total bitter. Die zweite Halbzeit gibt den Ausschlag", sagte Prokop. "Wir haben die Bälle nicht so unterbringen können, wie wir uns das vorgestellt haben." Beste Werfer des deutschen Teams vor rund 9000 Zuschauern waren Kapitän Uwe Gensheimer, Tobias Reichmann, Timo Kastening und Philipp Weber mit je vier Treffern. Die Bühne allerdings gehörte lange Zeit dem erneut herausragenden Wolff sowie dem Defensivverbund um die Abwehrchefs Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek.

"Ich finde wir spielen richtig gut, kämpfen, vermeiden Fehler. Ab der 45. Minute kriegen wir keinen Zugriff auf die Abwehr. Dann kippt so ein Spiel, dann geht es leider so aus", sagte Paul Drux im ZDF. "Wir müssen es eigentlich mit nach Hause zu nehmen. Wir hätten es eigentlich verdient", sagte der Rückraumakteur.

Auch Rechtsaußen Timo Kastening sowie Rückraumspieler Philipp Weber präsentierten sich stark. Gegen Ende der Partie leistete sich die DHB-Auswahl aber zu viele technische Fehler und brachte die Kroaten damit zurück ins Spiel. Am Montag (20.30 Uhr/ARD) geht es mit dem dritten Hauptrundenspiel gegen Gastgeber Österreich weiter.

Anders als noch beim souveränen Sieg gegen die Weißrussen begann die Partie nicht mit zahlreichen Toren, sondern wurde früh geprägt von zwei starken Defensivreihen. Der deutsche Innenblock um Pekeler und Wiencek ragte heraus. Auch der zuletzt schon starke Torhüter Wolff wurde im Verlauf des Spiels immer besser. Aber auch die Kroaten machten es der DHB-Auswahl nicht leicht und drehten nach technischen Patzern der deutschen Mannschaft in der Schlussphase das Spiel.

Die eigene Defensive stand wie eine Mauer und bildete die Grundlage für zahlreiche Tempogegenstöße. "Klasse-Verteidigung und ein supergutes Tempospiel", lobte Prokop während einer Auszeit im ersten Durchgang. Auch Gensheimer spielte erstmals im Turnier so stark und treffsicher, wie man es von ihm kennt. Den zahlreichen Fans aus Deutschland und Kroatien bot sich ein Handball-Krimi auf Augenhöhe. Und sie sahen einen Wolff, der von Minute zu Minute immer heißer lief. Mit seinen teils herausragenden Paraden brachte der 28-Jährige die Kroaten mitunter zur Verzweiflung.

Auch der kurzfristige Ausfall von Kreisläufer Johannes Golla, der wegen starker Übelkeit kurz vor Spielbeginn ins Teamhotel zurückgebracht worden war, minderte die Abwehrleistung nicht. Anders als noch beim Sieg gegen die Weißrussen wurde Rückraumschütze Julius Kühn diesmal in der Halbzeit auch nicht in der Kabine vergessen. Die große Bühne gehörte aber weder Kühn noch dem zuletzt so treffsicheren Timo Kastening, sie gehörte Wolff, Pekeler, Wiencek und ihren Abwehrkollegen.

Mit welcher Galligkeit und Aggressivität sie gegen die Kroaten um ihren Superstar und Kieler Teamkollegen Domagoj Duvnjak verteidigten, war beeindruckend. Der kroatische Kapitän kam kaum zur Entfaltung. Einziges Manko im deutschen Spiel: Einige technische Fehler im zweiten Durchgang. Anstatt sich schon früh eine beruhigende Führung herauszuspielen, verhalf die DHB-Auswahl Kroatien mit schlampigen Pässen zu einigen Toren - und letztlich sogar zum Sieg.

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