Bayern nach Aus im DFB-Pokal unter Schock

Kiel/München.  Die Niederlage in Kiel war das früheste Pokal-Aus seit 2000. Nach der Pleite kündigt Bayern-Trainer Flick einen härteren Kurs an.

Ein Bild mit Symbolkraft: Bayern-Profi Thomas Müller will im Boden versinken.

Ein Bild mit Symbolkraft: Bayern-Profi Thomas Müller will im Boden versinken.

Foto: dpa

Die Flocken wirbelten Thomas Müller und Hansi Flick ins Gesicht, und viel hatte bei einer kräftigen Böe im Schneesturm nicht gefehlt, dass dem Trainer während des Interviews auch noch die Werbetafel auf den Rücken gekippt wäre. Doch auch ohne diesen symbolträchtigen Unfall hatte das früheste Pokal-Aus seit dem Jahr 2000 am Mittwochabend genug Bilder geliefert, die sich in den jüngsten Trend beim FC Bayern fügten.

Der FC Bayern verspielt zwei Führungen in Kiel

Eine Niederlage bei einem unterklassigen Gegner hatte der aktuelle Triple-Gewinner seit dem 1:2 im Viertelfinale beim damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen 2004 nicht mehr erlebt. Ein Aus in der zweiten Runde sogar nicht mehr seit 21 Jahren, seit dem 2:4 im Elfmeterschießen beim Drittligisten 1. FC Magdeburg. Und nun also dieses 5:6 im Elfmeterschießen beim Zweitliga-Dritten Holstein Kiel nach zwei Führungen und einem 2:2 nach 90 und 120 Minuten, fünf Tage nach der 2:3-Niederlage in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach nach einer 2:0-Führung.

„Natürlich ist das ein Schock“, sagte Flick, nachdem Fin Bartels Kiel ins Achtelfinale gegen Darmstadt 98 geschossen hatte. Das Jahr 2021 war in diesem Moment erst 13 Tage alt, doch schon jetzt steht fest, dass es für die Münchener nicht so erfolgreich verlaufen wird wie 2020, als sie alle verfügbaren Titel abgeräumt hatten. Neben dem DFB-Pokal auch die Meisterschaft, Champions League sowie den deutschen und europäischen Supercup. Nun wurde ihr Saisonziel, das Triple fernab der Supercups erfolgreich zu verteidigen, schon frühzeitig verfehlt.

Eine historische Blamage für den FC Bayern München?

Kiels Sensation war dabei eine, die nicht völlig überraschend kam. Vor den jüngsten Niederlagen hatten die Bayern in der Liga acht Mal in Serie zurückgelegen, mit Kraftanstrengungen und oft auch dank Welttorhüter Manuel Neuer aber jeweils eine Niederlage vermieden. Doch es war zu erahnen gewesen, auch durch die 24 Gegentore in 15 Ligaspielen, dass das nicht mehr lange gutgehen kann.

Dauerstress, kaum Erholung, nachlassende Konzentration und womöglich auch Motivation – all das kulminierte im Schneegestöber an der Förde in einer Niederlage, für die die Worte historisch und Blamage bemüht wurden. „Ich habe gerade in der Kabine ziemlich viele verwirrte Menschen getroffen“, berichtete Holsteins Trainer Ole Werner, 32, nach dem leidenschaftlichen Kampf seiner Mannschaft vergnügt. Zuvor hatte sein Torwart Ioannis Gelios den sechsten Münchener Elfmeter von Marc Roca abgewehrt, danach verwandelte der frühere Bremer Bartels gegen Neuer so sicher wie seine Kollegen zuvor.

Die Bayern hatte beim Zweitligisten während der regulären Spielzeit die beiden Führungen von Serge Gnabry (14.) und Leroy Sané (48.) verspielt. Zunächst glich Bartels aus (37.), ehe Kiels Kapitän Hauke Finn Wahl mit seinem Schultertor zum 2:2 (90.+5) ausglich. So blieben die Münchener am Ende konsterniert zurück. „Über das erste Gegentor sprechen wir schon seit einiger Zeit, über diese Art von Gegentoren. Den Schuh müssen wir uns anziehen“, sagte Thomas Müller.

Flick stellt sich nicht vor die Mannschaft

Nachdem sich ihr Flow des vergangenen Jahres nun in einen AntiLauf verwandelt hat. Besonders deutlich wurde das bei Flick, als er sich in der Pressekonferenz in seiner Verärgerung und Enttäuschung nicht mehr so schützend vor seine Spieler stellte wie gewohnt. „Wir haben viel zu tun. Wir müssen das große Ganze anpacken. Es gibt jetzt auch keine Entschuldigungen mehr. Viele Spiele, zu wenig Urlaub, das ist einfach vorbei“, kündigte er einen härteren Kurs an. Zugleich klang es durchaus vorwurfsvoll, als Flick die Mängelliste vortrug. Das zweite Gegentor ließ ihn fast schon verzweifelt zurück, weil jene Basis-Elemente vernachlässigt worden waren, die jedem Kreisliga-Kicker geläufig sind. Eine ordentliche Strafraumbesetzung vermisste Flick und zuvor das Unterbinden der Flanke, danach die Zuordnung im Eins-gegen-eins.

Kaum Zeit für Veränderungen

Das Problem für ihn ist nun, dass etwas ins Rutschen geraten zu sein scheint und der Trend gerade kein Friend der Bayern ist, wie es Uli Hoeneß formulieren könnte.

Es bleibt allerdings kaum Zeit, um grundlegende Veränderungen einzustudieren. Am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) steht schon das Ligaspiel gegen Freiburg an. Die Mannschaft von Trainer Christian Streich ist mit zuletzt fünf Siegen und 16:2-Toren aktuell die formstärkste – nicht nur der Bundesliga, sondern der Top-Ligen ganz Europas.

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