Furchner: Die Vorfreude ist gigantisch

Wolfsburg.  Sebastian Furchner, Kapitän des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg, spricht im Interview über die kommende Saison und sein Karriereende.

Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner freut sich riesig, dass es bald wieder aufs Eis geht. Eine so lange Pause hatte er zuletzt verletzungsbedingt im Jahr 2006.

Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner freut sich riesig, dass es bald wieder aufs Eis geht. Eine so lange Pause hatte er zuletzt verletzungsbedingt im Jahr 2006.

Foto: Darius Simka / regios 24

Mit seinen 1030 DEL-Spielen gehört Sebastian Furchner zum erlesenen 1000er Klub der Liga. Seit 2008 trägt er das Trikot der Grizzlys, ist beim Wolfsburger Eishockey-Erstligisten heimisch geworden und soll nach seiner Profikarriere ins Management wechseln. Wer so viel Herzblut wie er mitbringt, an dem geht die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie natürlich nicht spurlos vorbei. Wie er über den geplanten Saisonstart denkt, die Rückkehr ins Eistraining und die Spielzeit an sich, verrät der 38-jährige Kapitän und Stürmer im Interview.

In gut einer Woche geht’s bei den Grizzlys wieder aufs Eis – wie groß ist Ihre Vorfreude?

Die ist gigantisch, nach so langer Zeit im Sommertraining. Wir sind weder Leichtathleten noch Rennradfahrer oder Gewichtheber, wir sind Eishockeyspieler. Und das ist nicht nur unser Beruf, sondern auch unsere Leidenschaft.

Mehr als fünf Monate sind seit dem letzten Spiel vergangen, hatten Sie schon einmal eine so lange Pause?

2006 habe ich mich als Spieler in Köln im Februar bei Olympia an der Schulter verletzt und bin dann erst im August zurück aufs Eis gekommen. Das ist ein Rekord, den ich jetzt aber nicht brechen möchte.

Die Vorbereitung auf die DEL-Saison, die am 13. November beginnen soll, dauert in diesem Jahr mehr als zwei Monate. Sind Sie danach mit 38 Jahren so fit wie noch nie?

In erster Linie freuen wir uns alle, dass wir wieder Eishockey spielen können. Die Vorbereitung ist zwar lang, aber ansonsten hätten wir Trockentraining. Es wird auf die richtige Dosierung ankommen, um nicht zu überpacen und darum, topfit in die Saison zu gehen.

Aktuell arbeiten alle 14 DEL-Klubs an ihren Hygienekonzepten für die kommende Saison. Wie blicken Sie darauf, was nach und nach bekannt wird: zur Hälfte gefüllte Arenen oder Trennwände in den Kabinen?

Die Situation, in der wir uns wegen Corona befinden, ist surreal. Ich hätte das so nicht für möglich gehalten. Es wird für uns in den Klubs darum gehen, dass wir uns, und damit meine ich jeden Einzelnen im Klub, zu 100 Prozent an die Vorgaben halten. Was die Zuschauer betrifft, denke ich, dass es der richtige Weg ist, peu à peu zurückzufinden. Wenn es zunächst Einschränkungen geben wird wie Mund-Nasen-Schutz, keinen Alkohol, keine Stehplätze, dann sollte man so erst einmal sehen, dass es funktioniert, bevor eine größere Auslastung zugelassen wird. Dabei ist es uns als Sportlern natürlich auch lieber, vor einer vollen Halle mit Rambazamba zu spielen. Aber lieber spielen wir überhaupt als gar nicht.

Das Hygienekonzept im Sport als solches ist das eine, aber es gibt auch die Ansteckungsquellen im privaten Bereich. In dieser Woche beginnt in Niedersachsen die Schule wieder, und zwar im Regelbetrieb. Sie haben zwei schulpflichtige Kinder. Sehen Sie das mit Sorge?

Es ist so, dass meine Frau im Supermarkt arbeitet und in diesem halben Jahr trotzdem nichts aufgetreten ist. Es wird auch bei den Kindern und Jugendlichen in der Schule darum gehen, dass sie die gültigen Vorgaben umsetzen. Am Ende des Tages kann und wird es wohl auch bei uns Spielern einen Corona-Fall geben, was ich natürlich nicht hoffe.

Bereits vor dem Trainingsstart ist Manager Charly Fliegauf mit der Kaderplanung sehr weit, wie bewerten Sie das neue Grizzlys-Team?

Natürlich müssen wir erst einmal abwarten, wie sich alle einfügen werden. Die Herausforderung für unseren Manager war in dieser Zeit sehr groß. Besonders gespannt bin ich auf Matti Järvinen, unseren neuen Finnen. Wir haben 2017 in der Champions Hockey-League gegen ihn und Tappara Tampere gespielt. Direkt an ihn kann ich mich nicht erinnern, aber bei den Finnen waren alle gut. Insgesamt bekommen wir interessante Spieler dazu, aber es wird nicht auf die individuellen Qualitäten ankommen, sondern darauf, wie wir als Mannschaft auftreten.

Ist es nach zwei Jahren mit Trainerwechseln vor der Saison gut, dass Pat Cortina in seine zweite Saison geht und vieles schon bekannt ist?

Auf jeden Fall ist das so. Dass wir mit Pat jetzt wieder Konstanz haben, ist gerade vor dieser Saison ein Vorteil.

Sie sind jetzt 38, hatten Ihren Vertrag noch einmal bis 2021 verlängert. Gehen Sie in Ihre letzte Spielzeit?

Wenn wir nicht spielen sollten, dann war die vergangene Saison wohl schon meine letzte. Fakt ist, dass es mir immer noch riesigen Spaß macht, und ich habe kein Problem damit, über die Schmerzgrenze hinaus zu gehen. Aber natürlich muss ich noch gucken, ob Aufwand und Ertrag im richtigen Verhältnis stehen. Stand jetzt habe ich da aber keine Entscheidung getroffen.

Geht die kommende Saison wie geplant über die Bühne, wartet im Schnitt an jedem dritten Tag ein Spiel. Freut man sich als Profi darauf, mehr zu spielen und weniger zu trainieren?

Das ist schwierig zu beantworten. Man muss neben den entsprechenden körperlichen Voraussetzungen auf jeden Fall eine große mentale Stärke mitbringen. Vielleicht weiß man manchmal erst kurz vor einem Spiel, mit welchem Kader man coronabedingt auflaufen wird, man muss in diesen zweieinhalb Stunden im Spiel auch ausblenden können, wenn im privaten Bereich einmal etwas sein sollte. Deshalb wird der mentale Bereich in der kommenden Saison enorm wichtig.

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https://www.wolfsburger-nachrichten.de/sport/ehc-wolfsburg/article230097040/Vernuenftig-Grizzlys-Start-erst-am-13-November.html

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/sport/ehc-wolfsburg/article229627530/Ein-Kanadier-ist-der-Mister-Perfect-der-Grizzlys-Wolfsburg.html

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/sport/ehc-wolfsburg/article230118894/Perfekt-Grizzlys-holen-Schweden-Brocken-Max-Goertz.html

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/sport/ehc-wolfsburg/article229577248/Grizzlys-Wolfsburg-verpflichten-finnischen-Eishockey-Huenen.html

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