Kritik an Cortina flammt nach Grizzlys-Pleite wieder auf

Wolfsburg.  Der Trainer des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten stellt nach dem 1:2 n. V. das Positive heraus. Die Fans werden unruhig.

Grizzlys-Trainer Pat Cortina macht eine schwierige Phase mit seinem Team durch. Der Befreiungsschlag misslang (Archivbild).

Grizzlys-Trainer Pat Cortina macht eine schwierige Phase mit seinem Team durch. Der Befreiungsschlag misslang (Archivbild).

Foto: Darius Simka / regios 24

Wären zurzeit Zuschauer in der Eis-Arena erlaubt gewesen, hätte es mindestens ein Pfeifkonzert für die Grizzlys gegeben nach dem 1:2 n. V. im Heimspiel gegen die Düsseldorfer EG am Mittwochabend. Ersatzweise in den sozialen Netzwerken lassen die Fans des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten ihrem Frust freien Lauf. Hauptzielscheibe der Kritik ist wieder Cheftrainer Pat Cortina.

Der bewahrt äußerlich die Ruhe und versucht, nach der knappen Niederlage das Positive herauszustellen. „Nach den ersten sechs Saisonspielen waren wir nicht glücklich über unser Unterzahlspiel und hatten viel zu viele Tore kassiert. Heute waren Penaltykilling und defensives Spiel besser. Das war ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte der 56-Jährige in der Pressekonferenz, forderte aber: „Wir müssen nun die Balance und den richtigen Rhythmus mit der Scheibe finden. Wir müssen weitergehen.“

VfL als Vorbild?

Seine Aussagen als Durchhalteparolen zu bezeichnen, wäre verfrüht. Nach sieben Spieltagen muss man zumindest attestieren, dass die Grizzlys schwer zu schlagen sind. In fünf Matches haben sie zudem immerhin gepunktet. Ein Blick zum benachbarten Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg zeigt: Auch dort hatte es zu Saisonbeginn nach mäßigen Ergebnisse schon harsche Kritik am Trainer gegeben, mittlerweile befinden sich die „Wölfe“ aber in der Spur. Vielleicht muss es in der Eis-Arena bei den vielleicht zu viel Harmonie gewohnten Grizzlys auch mal richtig knirschen, wie es zwischen Manager Jörg Schmadtke und Trainer Oliver Glasner beim VfL der Fall war.

Cortina jedenfalls bleibt besonnen. „Es war ein sehr intensives Spiel. In der ersten Hälfte des Spiels war unsere Intensität nicht hoch genug. Wir waren ein bisschen langsam und hektisch mit der Scheibe. Wir standen nicht kompakt und machten nicht viel Druck auf die Düsseldorfer Verteidiger. Die zweite Hälfte des Spiels spielten wir mit mehr Intensität, gewannen mehr Zweikampfsituationen und schossen das Tor, das zu einem Punkt reichte“, lautete seine Spielanalyse.

„Ganz normaler Wahnsinn“

Im Umfeld der Grizzlys war es in den vergangenen Tagen trotz der öffentlichen Kritik von Manager Charly Fliegauf am Trainerstab um Cortina ruhiggeblieben. Vor dem Match gegen die DEG war auch kein Zerwürfnis zwischen Coaches und Spielern festzustellen gewesen. Das hatte das Kapitänstrio – Sebastian Furchner und seine Stellvertreter Gerrit Fauser und Spencer Machacek – im Interview mit unserer Zeitung betont.

Nach seinem Comeback nach Verletzungspause sagte Furchner nun zur Kritik und den daraus resultierenden Medienberichten: „Ich bin jetzt schon fast 20 Jahre dabei und habe schon Schlimmeres gelesen und mitgemacht. Es ist der ganz normale Wahnsinn, wenn man die Siege nicht einfährt.“ Dem 38-Jährigen war nach Spielschluss die Enttäuschung über den verpassten Sieg anzusehen. Trotzdem appellierte er an alle: „Wir müssen konzentriert bleiben und als Gruppe zusammenhalten und zusammenarbeiten. Das ist der einzige Weg, erfolgreich zu sein.“

Kapitän spricht Missstand an

Warum es nicht zu mehr als einem Punkt reichte, erklärte „Furchi“ wie folgt: „Wir hatten zwischendurch immer wieder Phasen gehabt, in denen wir nicht in unserem System, Scheibe tief und hinterher, waren. Wenn wir es gut machten wie Ende des zweiten Drittels und kurz vor dem Ausgleich, entwickelten wir gut Druck. Aber nicht über 60 Minuten.“ Eines ärgerte ihn offenbar besonders, zumal er diese Missstände schon vor dem Match öffentlich angeprangert hatte. „Es gibt Zonen auf der Eisfläche, in denen ist Kreativität erlaubt und gewollt. Und es gibt andere Zonen, in denen ist einfach geradliniges Spiel gefragt.“ Bei allen im Team scheint das noch nicht angekommen zu sein.

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Angekommen sein könnte jedoch endlich einer, der in der vergangenen Saison oft den Unterschied zugunsten der Grizzlys ausgemacht hatte. Torjäger Anthony Rech erzielte im siebten Saisonspiel seinen ersten Treffer. Hinterher bilanzierte der Franzose: „Nach einer Woche ohne Spiel war es schwer, in den Rhythmus zu finden. Aber ich denke, es war ein gutes Spiel mit guter Defensive. Allerdings müssen wir mehr Tore machen.“

Rech erleichtert

Dass seine Torflaute ein Ende hatte, freute ihn bei seinem Treffer zum 1:1 auf dem Eis sichtlich. Hinterher klang er nicht euphorisch, aber trotzdem erleichtert. „Ich bin nicht ganz glücklich, weil wir verloren haben. Ich hätte mich mehr gefreut, wenn wir gewonnen hätten. Aber jetzt spricht wenigstens keiner mehr davon, dass ich ohne Tor bin. Jetzt muss ich weiterarbeiten.“

Ein kleines Lob erhielten Cortina und sein Team hinterher immerhin vom Gegner. „Von allen Spielen, die wir bisher gegen die Grizzlys gespielt haben, war dieses das intensivste und das am meisten umkämpfte“, sagte Düsseldorfs Trainer Harold Kreis.

Druck im nächsten Heimspiel

Mit vielen Grizzlys-Fans dürfte Kreis da nicht einer Meinung sein. Wehe, wenn die Grizzlys am Freitag (18.30 Uhr, live bei Magenta Sport) auch ihr Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters verlieren! Eine zumindest öffentliche Trainerdiskussion wäre wohl nicht mehr zu vermeiden. Und das in einer von Corona ständig bedrohten Saison, in der es eh schon schwer genug ist zu arbeiten und in der jede zusätzliche Ausgabe für Nachverpflichtungen oder Rauswürfe richtig schmerzen würde.

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