Schubert erfüllt Rettungsauftrag und geht

Braunschweig.  Eintracht Braunschweig erlebt ein turbulentes Jahr 2019, in dem Marc Antwerpen der dritte Trainer ist.

Zusammen verhinderten André Schubert (rechts) und Christian Flüthmann den Abstieg von Eintracht Braunschweig. Nach dem Klassenerhalt verabschiedete sich zunächst Chefcoach Schubert. Einige Monate später musste auch Flüthmann als sein Nachfolger gehen.

Zusammen verhinderten André Schubert (rechts) und Christian Flüthmann den Abstieg von Eintracht Braunschweig. Nach dem Klassenerhalt verabschiedete sich zunächst Chefcoach Schubert. Einige Monate später musste auch Flüthmann als sein Nachfolger gehen.

Foto: Philipp Ziebart / Philipp Ziebart/BestPixels.de

Das Jahr 2019 bei Eintracht Braunschweig als turbulent zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Im Januar startete der Fußball-Drittligist abgeschlagen mit acht Punkten Rückstand auf den rettenden Tabellenplatz 16 in die Restsaison. Ein halbes Jahr nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga stand der Verein vor einer sportlichen Katastrophe.

Trainer Andre Schubert, der im Oktober 2018 den glücklosen Henrik Pedersen abgelöst hatte, sollte das scheinbar Unmögliche schaffen und den Absturz in die Regionalliga verhindern.

Schubert griff radikal durch. Er reaktivierte Marc Pfitzner aus der Reservemannschaft und holte mit Bernd Nehrig, Marcel Bär, Mike Feigenspan, Christoph Menz, Nils Rütten sowie den früheren Eintracht-Profis Jasmin Fejzic, Benjamin Kessel und Julius Düker neun neue Spieler. Zudem stieß Christian Flüthmann als Co-Trainer hinzu. Und der charismatische Coach, der unbeirrt seine Weg beschritt, trennte sich auch von vielen Akteuren, denen er das „Unternehmen Klassenerhalt“ nicht zutraute, oder von denen, die sich nicht zu 100 Prozent seinem Kurs verschrieben. Gustav Valsvik, Christoffer Nyman, Frederik Tingager, Jonas Thorsen, Malte Amundsen, Lukas Kruse, Michal Fasko Mergim, Fejzullahu und Ivan Franjic mussten Eintracht verlassen und brachten dem Klub sogar teilweise noch dringend benötigte Transfererlöse.

Hier geht’s zum Jahresrückblick 2019 für Braunschweig.

Ende Januar beschlossen Eintracht und Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt einvernehmlich ihre Trennung. Schubert war fortan der starke Mann beim Traditionsverein. Und er verordnete der Mannschaft eine Wagenburg-Mentalität. Nichts und niemand von außerhalb des Teams sollte das Wunder von Braunschweig behindern. Schubert startete mit seiner umgekrempelten Mannschaft nach der Winterpause mit einem 2:0 über Hansa Rostock. Auch Rückschläge wie das 2:3 gegen Wehen Wiesbaden steckte das Team weg, ließ sich nicht aufhalten. Von Mitte Februar bis Anfang April blieb Eintracht in acht Partien unbesiegt, holte dabei 16 Punkte. Nach dem 29. Spieltag verließ Eintracht erstmals die Abstiegsränge. Schuberts Plan schien tatsächlich aufzugehen.

Am Ende schaffte Eintracht nach dem Zitterfinale mit dem 1:1 gegen Cottbus am letzten Spieltag den Klassenerhalt – mit dem um ein Tor besseren Torverhältnis gegenüber Energie. Der Satz: Der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort traf völlig zu recht auf den Trainer zu. Allerdings hatte die Saison übermäßig viel Geld verschlungen. Rund 4,4 Millionen Euro betrug das Minus am Ende des Geschäftsjahres 2018/19.

Und im nervenzehrenden Überlebenskampf hatte es manche Verwerfungen gegeben zwischen Vereinsführung und Andre Schubert, der zwar die Planungen für die neue Saison noch voranbrachte, aber kurz vor dem Trainingsstart seinen Vertrag auflöste und zu Holstein Kiel wechselte.

Flüthmann wurde zum Cheftrainer befördert und Peter Vollmann als Sportdirektor verpflichtet. Neun Neuzugänge kamen, unter anderen Nick Proschwitz, Martin Kobylanski oder Orhan Ademi als namhafte potenzielle Verstärkungen.

Mit denen legte Eintracht einen furiosen Saisonstart hin. Sechs Siege – bei einer Niederlage gegen Duisburg – katapultierten die Braunschweiger an die Tabellenspitze. Doch der Anfangselan schien allmählich zu verpuffen. Nach dem überragenden Start schien bei einigen Selbstzufriedenheit einzuziehen. Hinzu kamen Verletzungen von spielbestimmenden Profis wie Bernd Nehrig oder Stephan Fürstner.

Die Verantwortlichen um Sportdirektor Vollmann und Aufsichtsrat Tobias Rau zogen die Konsequenzen, wollten früh gegen dem sich abzeichnenden Abwärtstrend gegensteuern. Sie sahen einen großen Autoritätsverlust beim jungen Cheftrainer. Flüthmann wurde nach dem 14. Spieltag und dem 1:1 in Münster freigestellt – Eintracht rangierte auf Rang 5.

Als neuer Trainer wurde Marco Antwerpen verpflichtet, der im Sommer seinen Vertrag bei Preußen Münster nicht verlängert hatte. Der 48 Jahre alte frühere Fußball-Profi sollt Eintracht auf Erfolgskurs trimmen. Zwei Siegen zum Auftakt folgten zwei Unentschieden und eine Niederlage unter der Regie des neuen Coaches. In die Winterpause verabschiedete sich Eintracht als Tabellenvierter, vier Punkte hinter dem ersten Aufstiegsrang. Im Trainingslager in Belek soll Antwerpen mit der Mannschaft den Grundstein legen für eine erfolgreiche Vorbereitung auf die Restsaison nach einem turbulenten Jahr 2019.

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