Lions-Ass auf der falschen Seite

Braunschweig.  Kerim Homri kehrt zum Halbfinale um die deutsche Football-Meisterschaft mit Frankfurt Universe nach Braunschweig zurück.

So haben ihn die Lions-Fans in bester Erinnerung: Kerim Homri war immer dicht dran am Gegner.

So haben ihn die Lions-Fans in bester Erinnerung: Kerim Homri war immer dicht dran am Gegner.

Foto: Karsten Reißner

Gestatten: Kerim Homri (30), knallharter Abwehrrecke, Erfolgstyp im Frankfurter Dress, bedingungslos gewillt, die Lions zu besiegen und die Braunschweiger donnernd ins Saisonende zu schicken. Publikumsliebling! Als Gast im Eintracht-Stadion! Hallo? Wie geht das denn?

Das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft am Sonntag von 15 Uhr an zwischen den Lions und Universe, zwischen dem Nordmeister und dem Süd-Zweiten, birgt eine ganze Handvoll interessanter Geschichten. Aber keine ist so emotionsgeladen wie diese. Kerim Homri galt über ein Jahrzehnt als ein Gesicht der Braunschweiger Footballer, als das Gesicht. Mit unbändigem Fleiß, unbarmherziger Durchsetzungskraft auf dem Platz sowie andererseits auffallend liebevoller und leidenschaftlicher Lions-Verbundenheit abseits des Spielfeldes brachte er es alsbald zum Anführer, zum Teamkapitän und auch in die deutsche Nationalmannschaft.

Zwei schwere Verletzungen

Doch dann stoppten den Amateursportler, der einst in der Lions-Jugend mit dem Football begonnen hatte, zwei schwere Verletzungen in kurzer Folge. Ausfallzeit: jeweils fast ein Jahr. Zwar kämpfte sich Homri zurück, doch ganz der Alte wurde er nicht mehr. Und so hörte er auf, musste seine Priorität auf das Berufliche setzen – und es verschlug ihn jobmäßig nach Frankfurt.

„Es hat so gekribbelt. Ich liebe diesen Sport. Ich wollte unbedingt noch ein letztes Jahr spielen. Aber es musste irgendwie zeitlich mit der Arbeit vereinbar sein“, erzählt Homri, wie er dazu kam, plötzlich für Universe zu spielen. Er machte anfangs der Saison einen guten Job als Spieler. Doch dann ereilte ihn eine Krankheit. „Seit drei Wochen geht es mir aber wieder richtig gut. Ich bin in Bestform“, beteuert der Linebacker. Und er weiß: „Wir haben viele gute Leute im Team. In der Startformation werde ich wohl nicht stehen.“

„Für mich wie ein Heimspiel“

Und man lernt ja nie aus. So wird der sympathische Akteur das vertraute Eintracht-Stadion am Sonntag ganz neu entdecken und kennenlernen. Etwa den Kabinentrakt für die Gäste. Oder den Einlauf ins weite Rund mit kleinem Tam-Tam statt mit brüllend lautem Getöse. „Ja“, sagt der Mann aus der zweiten Abwehrreihe, wo große Kraft und flinkes Handeln gleichermaßen gefordert sind, leise und mit nachdenklicher Stimme, „irgendwie wird das für mich wie ein Heimspiel.“ Und er hoffe doch sehr, dass man ihn herzlich empfangen möge. Wobei: Sicher ist er sich dabei nicht ganz, wie die Stimmlage vermuten lässt. Nur eines weiß Homri ganz genau: „Es wird ein wahnsinnig emotionales Spiel für mich.“

Über die Partie als solche zwischen den beiden Topteams denkt der Ex-Braunschweiger allerdings anders als viele Experten. „Ich glaube, es wird eher eine Defense-Schlacht als ein Offense-Spektakel.“ Logisch, dass dies einem Abwehrmann lieber ist.

Karriereende, wo alles anfing?

So oder so: Kerim Homri läuft am Sonntag zum letzten Mal als Spieler ins Eintracht-Stadion ein. Zum allerletzten Spiel, zum Karriereende bei voller Gesundheit, hoffen die Fans. Weil nur so ihre anderen Lieblinge, die Lions, im Titelrennen bleiben. Homri wird bei den Anhängern unvergessen bleiben. Als Held. Als Löwe. Und schon bald werden sich nur noch wenige erinnern, dass der knallharte Abwehrrecke, der Erfolgstyp auch mal ein anderes Trikot getragen hat. Es sei denn, Frankfurt triumphiert. Aber darauf sollte man lieber nicht zu viel Geld setzen. Homri hin, Homri her.

Lions – Frankfurt Universe, Sonntag, 15 Uhr, Eintracht-Stadion

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder