Das wichtigste Spiel in Europa und mit den Lions

Braunschweig.  Braunschweig und Schwäbisch Hall kämpfen am Samstag in Frankfurt um die deutsche Football-Krone.

Brandon Connette läuft mit dem Ball so viel wie kein zweiter Quarterback in der Bundesliga. Wird er rechtzeitig fit zum German Bowl?

Brandon Connette läuft mit dem Ball so viel wie kein zweiter Quarterback in der Bundesliga. Wird er rechtzeitig fit zum German Bowl?

Foto: Karsten Reißner

Alles ist bereit. Die Show kann beginnen. Noch viermal zwölf effektive Spielminuten und der deutsche Meister im American Football steht fest. Wenn Samstagabend um 18 Uhr in der Frankfurter Arena (direkt auf Sport 1) der Kick-off zum German Bowl erfolgt, spielen Titelverteidiger Schwäbisch Hall Unicorns und Lions Braunschweig um den wichtigsten Titel in dieser Sportart in ganz Europa. Auch, weil es wegen heftiger diverser Streitigkeiten auf Funktionärsebene keinen ernstzunehmenden Europapokal mehr gibt. Und gäbe es einen solchen wie früher, zählten die Deutschen und vielleicht noch die Österreicher zu den mit Abstand besten Teams.

Aber zurück nach Frankfurt. Ausfälle, Verletzungen und andere personelle Probleme gibt es natürlich auch vor dem Finale auf beiden Seiten, so wie vor jedem Spiel. Allerdings spricht darüber seit Tagen niemand mehr, der Verantwortung trägt. Und wer nicht gerade mit Krücken herumläuft, wird auch mit Trikot am Spielfeldrand stehen, denn im Finale gibt es keine Beschränkung der Mannschaftsstärke.

Irritierende Spielchen

Das hat in der Vergangenheit immer mal wieder für die eine oder andere durchaus gewollte Verwirrung oder Anekdote gesorgt. Etwa als Braunschweigs legendärer Angreifer Estrus Crayton einmal wirklich krank war, sich trotzdem warmlief, unterbrochen von zwei Pausen in den Katakomben, und dann natürlich auch nicht spielte. Was die Gegner ziemlich irritierte. So gilt auch an diesem Samstag: Mit jedem, der seinen Kopf noch auf dem Hals trägt, muss gerechnet werden.

Allerdings auf Braunschweiger Seite nicht mit den Abwehr-Assen Samuel Kargel (Wadenbeinbruch) und Jamaal White. Letzterer erhielt für ein Targeting, also ein absichtliches Manöver Helm auf Helm, was strengstens verboten ist, im Halbfinale gegen Frankfurt einen Platzverweis – und ist damit im nächsten Spiel automatisch gesperrt, also im German Bowl. Die Lions sahen das anders, legten Einspruch ein, der aber abgewiesen wurde.

Auf dem Weg der Besserung

Dafür blieben zwei vermeintliche Targetings der Frankfurter unbestraft. Mit weitreichenden Folgen. Ballfänger Christian Bollmann und Spielmacher Brandon Connette mussten mit Gehirnerschütterungen schon vor der Halbzeitpause vom Platz. Im Krankenhaus teilten sich die beiden dann für einen Tag ein Zimmer. Es folgten fast täglich umfangreiche Untersuchungen. Und vielleicht können Bollmann und Connette tatsächlich am Samstag schon wieder spielen. „Die zwei Wochen Pause haben uns sehr geholfen. Vergangenen Samstag wäre bei beiden ein Einsatz definitiv nicht möglich gewesen“, erklärt Lions-Cheftrainer Troy Tomlin. Hilfreich war wohl auch, dass es beide offenbar nicht so heftig erwischt hat, wie es im Stadion zunächst den Anschein hatte.

Die Vorfreude bei den Lions, die schon elfmal deutsche Meister waren, auf das Finale ist jedenfalls riesengroß. Stolz gibt Tomlin zu bedenken: „Dorthin zu kommen, ist nicht einfach. Schließlich schaffen das nur zwei Teams. Im Finale zu stehen, ist etwas ganz Besonderes. Immer.“

Randnotizen:

Die Lions aus Braunschweig stehen zum 18. Mal im deutschen Football-Endspiel. Elfmal holten sie den Titel – Rekord. Schwäbisch Hall Unicorns stehen zum achten Mal im German Bowl, haben die beiden vergangenen und zusätzlich zweimal den Titel gewonnen.

Die Unicorns sind seit 50 Spielen ungeschlagen. Die letzte Niederlage kassierten die Süddeutschen vor drei Jahren – im German Bowl gegen die Lions.

Jadrian Clark ist der große Anführer bei den Unicorns. Der Quarterback spielte im vergangenen Jahr für die Lions. Damals noch als US-Amerikaner, inzwischen hat er einen irischen Pass. Ein enormer Vorteil für Schwäbisch Hall. So ist zeitgleich der Einsatz für zwei weitere Amerikaner möglich.

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