Als Lions-Held in den Football-Ruhestand

Braunschweig.  Der Braunschweiger Kapitän Patrick Finke beendet nach dem sechstem German-Bowl-Sieg seine Karriere.

Patrick Finke strotzt nur so vor Optimismus und Siegeswillen. Immer. Doch jetzt ist Schluss, er beendet seine Karriere.

Patrick Finke strotzt nur so vor Optimismus und Siegeswillen. Immer. Doch jetzt ist Schluss, er beendet seine Karriere.

Foto: Karsten Reissner

Große Spiele und denkwürdige Siege sind immer auch Meilensteine, an denen Karrieren enden. So wie die von Patrick Finke. Der hünenhafte Verteidiger macht Schluss als aktiver Footballspieler. Der 10:7-Sieg am Samstagabend in Frankfurt gegen die Schwäbisch Hall Unicorns, der Gewinn des German Bowls, also der deutschen Meisterschaft, war der letzte Einsatz für die Nummer 1 der Lions. „Es wird Zeit. Und es ist der richtige Zeitpunkt“, sagt der 36-Jährige, der 2017 und 2018 so schwere Verletzungen erlitt, dass eine Rückkehr eher unwahrscheinlich schien.

Doch Finke bewies, dass er nicht nur auf dem Platz ein Kämpfertyp besonderer Qualität ist, biss sich durch, eroberte den Stammplatz zurück und beendete seine Karriere mit einer Saison, in der es nur Braunschweiger Siege gab. 17 an der Zahl. Der Erfolg hat viele Gesichter. Aber Finkes wird noch lange unvergessen bleiben – besonders bei den Gegenspielern.

Unglaubliche Wucht und Schnelligkeit

Auf dem Feld in der ersten Abwehrreihe, wo die Kräftigen auf die ganz Kräftigen treffen, behauptete er sich, als spiele das Alter keine Rolle. Mit einer unglaublichen Wucht und Schnelligkeit zerriss er so manche gegnerische Schutzzone, brach durch zum Quarterback und machte diesem das Leben schwer – mit 1,96 Meter Körpergröße und 132 Kilogramm durchtrainierter Körpermasse gibt es keine leisen Hallöchen, sondern nur ganz laute Hallos.

„Ich habe jetzt sechsmal den German Bowl gewonnen. Beim ersten Mal war es am emotionalsten, beim letzten am schönsten“, fasst Finke mit leiser, ruhiger Stimme seine Karriere kurz und knapp zusammen. Der Familienvater erzählt, dass die Feierlichkeiten in der Arena und im Hotel gemächlicher ausfielen, als er das schon erlebt habe. „Wir waren richtig platt. Es war extrem anstrengend. Wir haben uns beim Feiern sehr professionell verhalten.“

Meisterparty am Sonntag mit den Fans

Und so freut sich der langjährige Kapitän – vier davon gibt es bei den Lions – auf den Sonntag. Wenn von 15 Uhr an alle Akteure, alle Helden in ausgeruhtem Zustand noch einmal die Huldigungen der Fans entgegennehmen. Bei der Meisterparty, und nicht wie vor zwei Jahren auf dem Trainingsgelände an der Roten Wiese, sondern im Eintracht-Stadion. Dort, wo die Lions so triumphal ihre perfekte Saison gespielt haben. Zum letzten Mal mit Finke auf der großen Bühne.

Die Fans werden ihn vermissen, der stets ins Stadion einlief, als wäre er der Bonus, als allerletzter, als einer, der jegliche Blicke auf sich zieht, aber dennoch voller Überzeugung beschwört: „Das Größte ist die Mannschaft.“ Und deshalb weiß Finke auch jetzt schon, was er am meisten vermissen wird. „Die vielen Termine mit dem Team, die ganzen immer wiederkehrenden Rituale und Abläufe beim Training und vor den Spielen mit der Mannschaft. Und die Kameradschaft.“ Aber zunächst wohl erstmal nicht. „Das kommt erst im März oder April, wenn es wieder losgeht.“ Wenn die Lions auf Neue versuchen, die Besten zu sein. Ohne Finke.

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