Lions-Kicker Tobias Goebel geht in Football-Rente

Braunschweig.  Der Rekordmann der Lions will sich künftig auf sein Studium konzentrieren. Seine Nachfolger hat er sich bereits ausgeguckt.

Künftig sollen andere kicken. Rekord-Punktesammler Tobias Goebel hängt die Schuhe an den Nagel.

Künftig sollen andere kicken. Rekord-Punktesammler Tobias Goebel hängt die Schuhe an den Nagel.

Foto: Karsten Reißner

Es gibt sicherlich schlechtere Abschiede. Als bester Punktesammler in der Geschichte der Lions-Footballer geht Kicker Tobias Goebel in den Ruhestand. Und noch dazu mit dem ersten German-Bowl-Sieg seit dem Jahr 2016. „Es ist perfekt, mit dem Titel abzutreten“, sagt Goebel, der mehr als zehn Jahre für Extrapunkte und Fieldgoals beim Football-Rekordmeister gesorgt hatte.

Vor dem Endspiel in Frankfurt hatte er sich Gedanken gemacht, wie es denn wäre, unvollendet abzutreten – in einem Jahr ohne gewonnene Meisterschaft. Aber dazu kam es ja nicht. „Auch wenn ich im Spiel sehr viel dafür getan habe, dass es nichts wird mit dem Titel“, erklärte Goebel und lächelte spitzbübisch. Er verschoss drei von vier Fieldgoals auf nassem Boden und teils aus großer Entfernung. Das sollte am Ende des Spiels egal sein. 1002 Punkte stehen am Ende seiner Football-Laufbahn für einen Rekord, der nur schwer zu brechen sein wird. Alle hat er per Kick erzielt.

Goebel studiert nun und heiratet im nächsten Jahr

Für diese Aufgabe müssen sich die Lions nun einen anderen Spezialisten suchen. Goebel hat sein Karriereende angekündigt. Das hat mehrere Gründe. „Vorrangig ist es wegen meines Studiums. Seit Anfang Oktober studiere ich Mathe und Geschichte auf Lehramt. Außerdem heirate ich im nächsten Jahr. Und meine Frau freut sich dann, auch mal mit mir in den Sommerurlaub fahren zu können“, erklärt die Nummer vier der Braunschweiger.

Der 1,83-Mann, der 2009 als Schüler bei einem Jedermann-Training der Lions für die Erstliga-Mannschaft entdeckt wurde, hat über die Jahre unfassbar viel Zeit in den Sport investiert. Etwa 35 Stunden pro Woche, sagt er, habe sein ambitioniertes Hobby veranschlagt. „Und da gibt’s mit Sicherheit Spieler, die noch mehr Stunden trainieren“, weiß Goebel. Videoanalyse, Fitnessstudio, Fahrzeiten – das alles käme noch dazu. „Für ein Spiel – egal ob zu Hause oder auswärts – geht immer der ganze Tag drauf.“

Hilgenfeldt und Unger gelten als mögliche Nachfolger

Dennoch wird er das alles vermissen. „Vielleicht noch nicht sofort, aber im nächsten Jahr, wenn die Jungs mit der Vorbereitung beginnen, wird es schon komisch sein“, erklärt das Eigengewächs, das künftig seinen Kollegen von der Tribüne des Eintracht-Stadions bei der Jagd nach dem nächsten German-Bowl-Titel zuschauen wird. Einen möglichen Nachfolger hat er schon ausgemacht. Jan Hilgenfeldt, der das Finale gegen Schwäbisch Hall wegen seines Urlaubs verpasst hatte, führt auch die Eröffnungskicks der Lions aus. „Jan hat über viele Jahre in Dresden gekickt. Er gehört zu den Besten in Deutschland“, befindet Goebel, der auch Tim Unger Chancen auf seine Nachfolge einräumt.

Ganz lassen kann es der Kicker übrigens nicht. Er kann sich vorstellen, im kommenden Jahr für das Flag-Football-Team der Lions aufzulaufen. „Nach so vielen Jahren Leistungssport plötzlich just for fun dabei zu sein, wird schon eine neue Erfahrung“, meint Goebel, der sich aktuell nicht vorstellen kann, irgendwann nochmal ins Bundesliga-Dress der Braunschweiger zu schlüpfen. „Aber tausendprozentig ausschließen, soll man ja nichts.“

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