„Wir brauchen die Jungs, die beim Fußball zuletzt gewählt werden“

Braunschweig.  Bei den Lions kam nach dem Erstligateam lange nichts. Die ehemaligen GFL-Spieler Simon Bohlmann und David McCants wollen nun die Jugendteams stärken.

Die Lions-Jugendtrainern Simon Bohlmann (rechts) und David McCants (links) helfen Nachwuchsspieler Timo Bambynek bei seinen Übungen.

Die Lions-Jugendtrainern Simon Bohlmann (rechts) und David McCants (links) helfen Nachwuchsspieler Timo Bambynek bei seinen Übungen.

Foto: Peter Sierigk

Für ihre Erfolge im Männerbereich sind die Footballer der Lions in ganz Deutschland und in Teilen Europas bekannt. Doch im Jugendbereich hinken die Teams dem Erstliga-Rekordmeister, der im Herbst erneut den Titel einheimsen konnte, ein stückweit hinterher.

Das wollen Simon Bohlmann und David McCants nun ändern. Beide haben ihre Spielerkarriere nach der abgelaufenen Saison aufgrund von Verletzungen beendet. Als das bekannt war, wurde Bohlmann angesprochen, ob er nicht Jugendtrainer werden will. Doch das wollte er nur unter einer Bedingung. „Ich habe gesagt, ich bin dabei, wenn wir die Jugend an das Erstliga-Team anbinden“, erklärt der 33-Jährige.

Künftig sollen Begrifflichkeiten für Spielzüge, Passrouten und Formationen so heißen wie bei der Mannschaft aus der German Football League (GFL). Meister-Coach Troy Tomlin rückt dafür sogar sein mehr als 1600 Seiten dickes Playbook heraus. Derzeit gebe es von Mannschaft zu Mannschaft noch unterschiedliche Bezeichnungen für wichtige Kommandos – das alles soll nun der Vergangenheit angehören.

American Football Nachwuchstraining

Dafür ist außerdem geplant, dass Tomlin und sein Defensivkoordinator Dave Likins die Trainer aus dem Jugendbereich der Lions immer wieder ausbilden. Und auch die Siegermentalität soll den Teams aus dem Nachwuchs eingeimpft werden. Alles mit dem Ziel, junge Footballer an die erste Mannschaft heranzuführen. „Wir wollen, dass bald wieder mehr Braunschweiger in der GFL-Mannschaft spielen und gar nicht mehr so viele von außerhalb geholt werden müssen“, erklärt Bohlmann.

Dem Nachwuchs wollen er und seine Mitstreiter den Schritt nach oben so angenehm wie möglich machen. „Dafür haben wir eine Grundstruktur ausgearbeitet, in der steht, was wichtig ist, wenn die Spieler zur ersten Mannschaft hochkommen. Damit die GFL nicht in unerreichbarer Ferne ist.“ Leicht wird der Weg dorthin nicht. „Wir impfen den Jungs schon ein, dass sie für ihr Ziel hart und fokussiert arbeiten müssen“, weiß Bohlmann, der den Braunschweiger Hugo Klages, der im kommenden Jahr aufgrund eines Sportstipendiums am College in den USA Football spielen darf, als Vorbild für seine Talente anführt.

Ex-Lions Profis trainieren Nachwuchs

Der hat viel mit McCants trainiert. Und diese Praxis sollen auch künftig Nachwuchsleute der Lions erhalten. Der einstige Star-Ballträger der Lions spricht mittlerweile gut Deutsch – beim Training wird aber viel Englisch gesprochen. Zum einen, weil viele Begriffe beim Football ohnehin Englisch sind. Zum anderen, „weil die Spieler es lieben, nicht nur in der Schule Englisch zu lernen“, erklärt McCants. Das gemeinsame Sprechen beider Sprachen helfe ihm und den Spielern im Alltag. Der US-Footballer lernt Deutsch, die jungen Spieler werden fit im Englischsprechen. Und Bohlmann fügt hinzu: „Im GFL-Team wird viel Englisch gesprochen.“

Ohnehin sollen die Erstliga-Spieler stärker eingebunden werden. Der Spielplan der Jugend soll so angepasst werden, dass gegenseitig die Spiele besucht werden können. Die Lions sollen außerdem Teile des Trainings der jungen Talente ausführen. „Für unsere Spieler sind die aus dem GFL-Team die Stars“, weiß Bohlmann, der derzeit über etwa 40 U19-Akteure verfügt. McCants und er sehen eine Menge Potenzial – auch bei den Footballern, die noch in der U16 spielen. Mittelfristig soll den Mannschaften der Aufstieg gelingen.

Gute Bedingungen bei Braunschweiger Lions

Was für dieses Unterfangen fehlt, sind die schweren Jungs. „Alles steht und fällt mit der Offensive und Defensive Line“, meint Bohlmann Spieler, die als Schutztruppe für den Spielmacher agieren, oder aber den gegnerischen Angriff aufhalten. „Die Jungs, die denken, dass sie nicht so sportlich sind, die, die beim Fußball zuletzt gewählt werden, die brauchen wir“, erklärt der Nachwuchstrainer, der auch weiter ein Teil des Trainerteams der GFL-Mannschaft sein wird. Was der Jugend quasi handstreichartig zugute kommt, sind die hervorragenden Bedingungen, die auf der Sportanlage Rote Wiese für die deutschen Meister vorherrschen. Kunstrasen, Kraftraum und und und. „Wir haben alles, was wir brauchen“, findet Bohlmann. Zwar weiß er auch, dass die jungen Footballer noch ihre Zeit brauchen, aber er und McCants wollen das Vertrauen zurückgeben, was sie im Kindesalter und später bei den Lions im Erstliga-Kader bekommen haben. „Zuletzt ist das ein bisschen untergegangen. Das wollen wir wieder ändern.“

Trainingszeiten

Lions U19: Dienstag, 17 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr

Lions U16: Dienstag, 17 bis 19 Uhr, Freitag, 16.30 bis 18.30 Uhr.

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