Die Löwen – viel mehr als Lansdowne und Eatherton

Braunschweig.  Als die Stars fehlen, wird klar, dass bei Braunschweigs Basketballern die Mannschaft das Wesentliche ist – eine Einzelkritik.

Für Christian Sengfelders Trikot plus Pappfigur trieb Auktionator Sebastian Schmidt am Dienstag bei der Abschiedsparty der Löwen im Stadtpark 400 Euro ein. Diesen Top-Preis brachte auch das Trikot von Spielmacher Joe Rahon.

Für Christian Sengfelders Trikot plus Pappfigur trieb Auktionator Sebastian Schmidt am Dienstag bei der Abschiedsparty der Löwen im Stadtpark 400 Euro ein. Diesen Top-Preis brachte auch das Trikot von Spielmacher Joe Rahon.

Foto: Daniel Reinelt/BestPixels.de

Die Löwen-Fans hatten es am Dienstagabend nicht leicht, ihre Auswahl zu treffen, als bei der Abschiedsparty ihrer Basketballer die Spielertrikots versteigert wurden: so viele Helden, so viele Sympathieträger. Als in den Play-offs DeAndre Lansdowne und Scott Eatherton gleichzeitig fehlten, wurde so richtig klar, dass mehr denn je die Mannschaft der Star war. Sie profitierte von ihrer Konstanz mit dem Dreieck Lansdowne, Eatherton, Klepeisz und verstand es, mit klasse Teamspiel das Beste aus sich herauszuholen. Und auch die meisten Spieler haben sich nochmal gesteigert. Eine Einzelkritik.

DeAndre Lansdowne: Der Co-Kapitän erzielte vier Punkte mehr als im Vorjahr, war drittbester BBL-Scorer und wurde ins All-Second-Team berufen. Doch das sagt noch nichts über die herausragenden Führungsqualitäten des 29-Jährigen. Ob als Vorbild an Einstellung und Profitum, Spielmacher oder Vollstrecker, der Amerikaner hat die Löwen durch die Saison getragen, ist vorweg gegangen, hat keine Verantwortung gescheut. Sein Siegtreffer gegen Bremerhaven in 0,5 Sekunden geht in die Geschichtsbücher ein. Mit dem Erreichen der Play-offs hat er sich seinen Traum erfüllt.

Statistik: 18,5 Punkte, 44 % Trefferquote, 3,7 Vorlagen, 3,5 Rebounds, 1,6 Ballgewinne, 32 Minuten Spielzeit.

Scott Eatherton: Der Center hat mit seinem außergewöhnlichen Timing und Stellungsspiel seine Vorjahreswerte praktisch wiederholt und wurde effektivster Importprofi der BBL, ihr bester Offensivrebounder und viertbester Punktesammler. Die Schwergewichte der Liga konnte der 27-Jährige Amerikaner noch besser mit Dreiern herauslocken und dann mit dem Zug zum Korb austanzen als im Vorjahr. Für die Löwen war er unter dem Korb eine Lebensversicherung – und wird es auch nächste Saison sein.

Statistik: 17,8 Punkte, 59 % Quote, 9,4 Rebounds, 2,3 Vorlagen, 30 Minuten.

Christian Sengfelder: Der in Rekordzeit zum Nationalspieler und Allstar aufgestiegene Rookie setzte seiner Top-Saison noch die Krone auf, als er für Scott Eatherton auf der Centerposition einsprang. In diesen acht Spielen kam er auf 18,8 Punkte/6,8 Rebounds. Seinen Spitznamen „Warrior“ hat sich der 24-jährige Leverkusener mit seiner Defensiv-Leidenschaft und seinem kämpferischen Vorbild redlich erarbeitet. Nachdem er in den Play-offs sogar Bayern-Star Danilo Barthel schlecht aussehen ließ, dürfte er Angebote bekommen, die er nicht ablehnen kann.

Statistik: 11,3 Punkte, 50 % Quote, 31% Dreier, 5,9 Rebounds, 27 Minuten.

Thomas Klepeisz: Der Kapitän steigerte seine Punktausbeute in seiner dritten BBL-Saison auf einen zweistelligen Wert und hatte einige spielentscheidende Treffer dabei. Trotzdem hätte der beste Dreierschütze der Löwen noch öfter abdrücken müssen. Er ließ aber freistehend Gelegenheiten aus – vor allem, wenn er auch als Spielmacher gefordert war, was durch Bazou Konés Ausfall viel länger als geplant der Fall war. Dafür lief das Teamspiel in diesen Phasen dank der Ballsicherheit und Zauberpässe des österreichischen Nationalspielers rund.

Statistik: 10,4 Punkte, 42% Quote, 42% Dreier, 4,7 Vorlagen, 1,5 Ballverluste, 1,8 Rebounds, 25 Minuten.

Brayon Blake: Der athletische Rookie konnte sich in der Rückrunde nicht mehr steigern. Sein Potenzial als Allround-Waffe ließ er aufblitzen, konnte es aber nicht konstant abrufen. Er enttäuschte vor allem in der Schlussphase, als er gerade in den wichtigen Spielen kaum noch einen Dreier traf, obwohl er nach Lansdowne die meisten Würfe nahm. Verbesserte dafür seine Verteidigung und blieb immer positiv und kämpferisch.

Statistik: 8,9 Punkte, 36% Quote, 28% Dreier, 4,1 Rebounds, 24 Minuten.

Shaquille Hines: Der nachverpflichtete Amerikaner wurde immer besser, ob als Flügel oder Powerforward. Er gefiel mit seinem Enthusiasmus in der Verteidigung, ließ es bei Schnellangriffen krachen, eroberte mit Rebounds schon verlorene Ballbesitze zurück und war viertbester Wurfblocker der BBL. Zudem übernahm der 26-Jährige in der Rückrunde noch mehr Verantwortung von außen, was die Quote drückte, dem Teamspiel aber half, weil die Löwen unausrechenbarer wurden. In den letzten fünf Partien ohne Eatherton sprang er mit 14,8 Punkten/7,4 Rebounds besonders stark in die Bresche und empfahl sich für eine Vertragsverlängerung.

Statistik: 8,2 Punkte, 44% Quote, 35% Dreier, 4,7 Rebounds, 24 Minuten.

Joe Rahon: Der US-Spielmacher hat sich nach leicht enttäuschendem Start in der zweiten Spielhälfte enorm verbessert. Mit seiner schlauen Verteidigung legte er die besten Gegner an die Kette, vorne zog er endlich aggressiv zum Korb, verbesserte seine Trefferquote, behielt als „Floor-General“ die Übersicht und fütterte die Kollegen mit Anspielen. Ein guter Regisseur für das teamorientierte Spiel der Löwen, die für die spielentscheidenden Würfe ja Lansdowne und Klepeisz hatten.

Statistik: 6,4 Punkte, 45% Quote, 30 % Dreier, 4,9 Vorlagen, 1,9 Ballverluste, 2,7 Rebounds, 24 Minuten.

Bazou Koné: Was wäre möglich gewesen für die Löwen, wenn der A2-Nationalspieler fit und die Rotation entsprechend tiefer gewesen wäre? Doch der 25-jährige Spielmacher war wegen vermeintlich leichter Verletzungen lange außer Gefecht und kam dazwischen nicht mehr in die starke Form des Sommers. Sein schneller Antritt fehlte dem Team.

Statistik: 5,3 Punkte, 38 % Quote, 1,6 Vorlagen, 1,5 Ballverluste, 1,4 Rebounds, nur 18 Spiele, 12 Minuten.

Lars Lagerpusch: Für das Eigengewächs war es ein frustrierendes Jahr. Er hatte zwar eine feste Rolle als Eatherton-Vertreter auf der Centerposition, spielte aber nicht konstant genug gut und musste sich mit fast nur der Hälfte Spielzeit des Vorjahres begnügen, in dem er als Powerforward agiert hatte. Der 21-Jährige gefiel mit seinem Spielverständnis, überzeugte aber physisch nicht.

Statistik: 2,7 Punkte, 56% Quote, 1,5 Rebounds, 8 Minuten.

Dennis Nawrocki: Wie Lagerpusch kam der zweite Braunschweiger hinter der stärkeren Stammrotation weniger zum Zug als im Vorjahr. Sein Dreier fiel nicht gut genug.

Statistik: 1,6 Punkte, 37 % Quote, 7 Minuten.

Dejan Kovacevic: Der 22-jährige 2,08-Meter-Mann könnte von seinen körperlichen und technischen Voraussetzungen her ein Überflieger sein. Hat es aber physisch noch nicht aufs Erstliganiveau geschafft.

Statistik: 1 Punkt, 17 Spiele, 3 Min..

Luis Figge: Im dritten Jahr bei den Löwen war der 21-Jährige verletzungsfrei, hatte aber zu viel Boden verloren. Kam wie Nawrocki erst in der Personalnot der letzten Spiele richtig zum Zug und gefiel als Energiebündel und starker Verteidiger.

Statistik: 0,7 Punkte, 15 % Quote, 22 Spiele, 4 Minuten.

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