Löwen angeln sich begehrtes Toptalent Kostja Mushidi

Braunschweig.  Der Jung-Nationalspieler wechselt nach Braunschweig – eine starkes Signal. Europäisch starten wollen die Löwen aber erst nächstes Jahr.

Im DBB-Trikot gewann Kostja Mushidi im vergangenen Sommer EM-Bronze mit der U20.  Er hat aber bereits auch drei Saisons als Profi bei den Männern hinter sich.

Im DBB-Trikot gewann Kostja Mushidi im vergangenen Sommer EM-Bronze mit der U20. Er hat aber bereits auch drei Saisons als Profi bei den Männern hinter sich.

Foto: / Dostmann / imago/Nordphoto

Ein Supertalent mit A-Kader-Perspektive hatte Löwen-Geschäftsführer Sebastian Schmidt als Neuzugang versprochen. Und tatsächlich melden Braunschweigs Basketballer nun so einen Top-Transfers: Kostja Mushidi hat für ein Jahr unterschrieben, einer der begehrtesten Nachwuchsstars des deutschen Basketballs, der im vergangenen Herbst mit 20 Jahren sogar schon zum Trainingskader des A-Nationalteams zählte. Ein starkes Signal, dass die Löwen es ernst meinen mit ihrer Zielvorgabe Play-offs und offensichtlich auch ambitionierte Spieler dafür hinzugewinnen können.

Einem Start in einem internationalen Wettbewerb – die Viertelfinal-Teilnahme in dieser Saison hätte das ermöglicht – erteilte Schmidt hingegen eine Absage. Er käme zu früh für die Löwen, für die ohnehin nur die lukrative Champions League infrage gekommen wäre. „Wir wollen aber versuchen, uns für die folgende Saison für einen europäischen Start aufzustellen“, blickte der Geschäftsführer voraus.

MVP beim Albert-Schweitzer-Turnier

Kostja Mushidi, der schon in jungen Jahren einen sehr athletischen Körper vorzuweisen hatte, spielte in allen Nachwuchsteams des DBB als Leistungsträger. Der 1,95 Meter große Guard wurde 2015 wurde er von der Fiba für das europäische U18-Allstar-Spiel nominiert. 2016 führte er die deutsche U18 zum Sieg beim traditionellen Albert-Schweitzer-Turnier, einer Art inoffizieller Weltmeisterschaft, und wurde zum MVP gewählt. 2017 spielte er beim „Hoop Summit“ in Portland in der U19-Weltauswahl gegen die besten US-Talente – ein Event, bei dem sich auch schon Dirk Nowitzki und Dennis Schröder für die NBA empfohlen hatten.

Vergangenen Sommer ging Mushidi als Anführer der deutschen U20 voran, die bei der Heim-EM in Chemnitz Bronze gewann und zu der auch der Braunschweiger Lars Lagerpusch zählte, und wurde ins All-Five-EM-Team gewählt.

Schon drei Jahre Profierfahrung

Was den am Dienstag 21 Jahre alt werdenden künftigen Löwen aber von den meisten anderen Talenten seiner Altersgruppe unterscheidet: Er hat bereits drei Männer-Profisaisons im Ausland hinter sich. Durch seinen multikulturellen Background schien es ihm keine zu hohe Hürde, früh seinen Stammverein Rhöndorf zu verlassen. Mushidis Großvater stammt aus dem Kongo, seine Mutter ist Belgierin, sein Vater Russe und sein Stiefvater und basketballerischer Förderer Franzose. Aufgewachsen ist er seit seinem zweiten Lebensjahr in Düsseldorf.

Zur Saison 2016/17 wechselte er nach einer Saison in der U20 von Straßburg in die erste serbische Liga zu Mega Leks und kam auch in der Adria-Liga und sogar in der Champions League zum Zug, wo er 9,1 Punkte im Schnitt erzielte. Im Vorjahr lief es nicht mehr so optimal, im Februar wechselte Mushidi zu OKK Belgrad und kam auf knapp 12 Punkte pro Partie.

Das Ziel heißt NBA

Was ihn antreibt, formulierte der Jungstar seit jeher glasklar: Er will in die NBA. In der BBL gebe es nicht genug Spielzeit für junge Spieler hatte er 2017 gegenüber der „Bild“-Zeitung seinen Wechsel nach Serbien begründet. Bei seinem dortigen Klub hingegen schauten praktisch täglich NBA-Scouts zu. Das liegt daran, dass der Verein der Spieleragentur Beo Basket gehört, die dort vornehmlich ihre jungen Klienten antreten lässt, die sich für einen großen internationalen Vertrag empfehlen sollen. Eine ganze Reihe von Akteuren hat das schon geschafft.

Kostja Mushidi gelang es nicht, er geht nun den Weg über die BBL, wo ihn sicher ein höheres Niveau erwartet als in Serbien und wo er sich weiterentwickeln und auf sich aufmerksam machen kann. „Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass die Löwen an die starken Leistungen der letzten Saison anknüpfen können“, sagt der erste Neuzugang der Braunschweiger, der später auch mal „Dennis Schröder helfen will, Titel mit der Nationalmannschaft zu gewinnen“, wie er anlässlich des Besuchs des NBA-Stars bei der U-20-EM sagte.

Ein „Gewinnertyp“

Kostja ist ein sehr vielseitiger Spieler, und wird in unseren Plänen eine große Rolle spielen“, sagt der neue Löwen-Trainer Pete Strobl. Man wolle Mushidi helfen, sein Potenzial weiter zu entfalten und damit auch eine „klare Botschaft an die Basketballwelt“ senden, dass das Finden und Weiterentwickeln von Talenten ein großes Ziel am Standort Braunschweig sei.

Der Jungstar soll vornehmlich auf den Positionen zwei und drei spielen und wird, so prognostiziert Schmidt, dort auch einige Einsatzzeit erhalten. So sind die Abgänge der Flügelspieler Dennis Nawrocki und Luis Figge zumindest sportlich gut verkraftbar für die Löwen.

Schmidt, der den Youngster auch mal zu seiner Rhöndorfer Zeit in der Jugend-Bundesliga trainiert hatte, schwärmt von Mushidis basketballerischen Stärken, der auch mal kreativ und zum Wohl des Teams aus den Systemen ausbreche, wie auch vom „guten Typen“ Mushidi: „Er ist ein Gewinnertyp, der sich immer weiterentwickeln und Spiele gewinnen will“, charakterisiert der Sportchef. „Und einer, der auch hier und da mal aneckt – aber auf positive Weise.“ In der Heimatstadt Dennis Schröders sieht man so etwas gelassen.

Löwen-Kader: Unter Vertrag für 2019/20 sind bislang Thomas Klepeisz (Spielmacher), Kostja Mushidi (Flügel), Moritz Hübner (Flügel), Scott Eatherton (Center), Dejan Kovacevic (Center).

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