Play-offs und Turbulenzen

Braunschweig.  Löwen-Erfolgstrainer Menz geht nach drei Jahren, Nachfolger Strobl begleitet Ärger.

Unterstützer der Basketball Löwen Braunschweig zeigen Transparente während der BBL-Partie zwischen den Basketball Löwen Braunschweig und den HAKRO Merlins Crailsheim.

Unterstützer der Basketball Löwen Braunschweig zeigen Transparente während der BBL-Partie zwischen den Basketball Löwen Braunschweig und den HAKRO Merlins Crailsheim.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

So viele positive wie negative Emotionen gab es lange nicht im Braunschweiger Basketball. Toller Sport, neue Begeisterung, aber auch heftige Turbulenzen mit immer noch offenem Ende kennzeichnen das Löwen-Jahr.

Sieben Jahre mussten sich die Fans gedulden, ehe sie wieder einen Play-off-Einzug ihres Erstligateams bejubeln durften. Erfolgstrainer Frank Menz scheiterte mit seiner Mannschaft dann zwar im Viertelfinale glatt mit 0:3 an Meister und Krösus Bayern München. Doch erneut verdienten sich die Löwen um Kapitän Thomas Klepeisz die Hochachtung der gesamten Liga für diese Auftritte.

Denn in den K.-o.-Spielen fiel nach Center Scott Eatherton auch noch der andere herausragende Liga-Star der Braunschweiger, DeAndre Lansdowne, verletzt aus. Und trotzdem bot das Team dem Euroleague-Klub jeweils 40 Minuten stark Paroli und verlor immer nur knapp.

Die Nebeneffekte der erfolgreichen Saison, der attraktiven Spielweise und der sympathischen Ausstrahlung des Teams waren immer bessere Zuschauerzahlen und letztlich eine Steigerung um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3524 Besucher im Schnitt. Zudem entwickelte sich Menz-Entdeckung Chris Sengfelder zum A-Nationalspieler, und Allstar Eatherton wurde als effektivster Import-Spieler der BBL ausgezeichnet.

Hier geht’s zum Jahresrückblick 2019 für Braunschweig.

Doch schon mitten in die Jubelmonate mischte sich ein kleiner bitterer Beigeschmack. Es sickerte durch, dass Menz seinen – mit privaten Gründen erklärten – Abschied nach drei Jahren bei den Löwen doch nicht ganz aus eigenen Stücken angetreten hatte. Die Anstrengungen der Fans, unter anderem mit einer Transparent-Aktion, die beiden Seiten zwecks Vertragsverlängerung nochmal an einen Tisch zu bringen, scheiterten.

Und weil sich dann auch Co-Trainer Steven Clauss nicht genug wertgeschätzt fühlte und Lansdowne, Sengfelder sowie Shaq Hines nicht zu halten waren, kam es zum großen Umbruch im Sommer. Geschäftsführer Sebastian Schmidt übernahm den Sportdirektoren-Posten und durfte sich für einen Riesenerfolg feiern lassen: Die anderen Publikumslieblinge und Leistungsträger Eatherton und Klepeisz unterschrieben für ihr drittes beziehungsweise viertes Jahr an der Oker.

Aufbauend auf den Erfolgen der Ära Menz sollte auch Schluss sein mit der Bescheidenheit. Die Löwen positionierten sich angriffslustig und nahmen als Ziel die Play-offs und die Europapokalteilnahme ins Visier. Mit der Verpflichtung von vier starken jungen deutschen Profis um Nationalspieler Karim Jallow setzten sie in der BBL ein Zeichen für einen mutigen deutschen Weg.

Mit Trainer-Novize Pete Strobl, zuvor Co-Trainer beim Liga-Rivalen Ulm, wurde ein Headcoach verpflichtet, der sich diesem Weg mit Haut und Haar verschrieben hatte. So weit so gut, zumal die Löwen anfängliche Fehlplanungen auf ihren Ausländerpositionen noch vor Saisonbeginn korrigierten, erfolgreich starteten und ihre Zuschauerzahlen weiter steigerten.

Doch parallel zu dieser Entwicklung geriet der Standort aus für Außenstehende völlig unverständlichen Gründen derart ins Straucheln, dass hinter den Kulissen Rechtsanwälte und Mediatoren gefragt waren. Der Auslöser: Die überraschende Kündigung von Co-Trainer und Nachwuchschef Liviu Calin durch die Löwen im Sommer. Durch diesen offenen Bruch stießen sie nicht nur ihren seit 28 Jahren für den Braunschweiger Basketball arbeitenden prominenten Talententwickler vor den Kopf, sondern auch Hauptgesellschafter Dennis Schröder.

Denn der NBA-Profi war im Jahr zuvor ja nicht zuletzt wegen seines Mentors Calin in Braunschweig eingestiegen. Es folgten giftige Pressestatements von beiden Seiten, die wegen Schröders Prominenz mit bundesweiten Negativ-Schlagzeilen verbunden waren.

Und auch das zweite Desaster hängt wohl mit dem Rauswurf Calins zusammen: Das Zerwürfnis in der Nachwuchsarbeit. Dort kündigten sich die Kooperationspartner SG Braunschweig und Löwen-GmbH die Freundschaft und bauten zulasten von Spielern und Eltern jeweils eine eigene Infrastruktur auf. Und Calin stand als Trainer der Dennis-Schröder-Akademie und der SG auf der Seite der „Opposition“.

Mit der Rücknahme der Kündigung Anfang Dezember vermieden die Löwen zwar den öffentlichen Schlagabtausch vor dem Arbeitsgericht. Doch die Fronten sind verhärtet, und geklärt war bis zum Redaktionsschluss dieses Jahresrückblicks immer noch nichts.

Weitgehend unbeeindruckt von den Querelen starteten die Löwen stark in die Saison. Einer Siegesserie der jungen Wilden folgte aber eine Kette von Niederlagen samt dem historischen Debakel in Vechta sowie der Rauswurf des Top-Talents Kostja Mushidi aus disziplinarischen Gründen. Mit dem 115-fachen Nationalspieler Lucca Staiger und US-Profi Jairus Lyles nimmt das Strobl-Team runderneuert einen neuen Play-off-Anlauf. Und hinter den Kulissen waren zu Weihnachten immerhin erste Verständigungssignale zu vernehmen.

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