Drei Löwen-Basketballer spielen bei der EM-Qualifikation

Braunschweig.  Bei den Basketball Löwen Braunschweig schwingen neben Stolz und Vorfreude auch Corona-Sorgen mit. Meisner gibt sein Nationalteam-Debüt.

Daumen hoch für EM-Qualifikationsspiele in der Bubble trotz Corona: Die Löwen-Profis Karim Jallow (von links), Martin Peterka und Lukas Meisner  freuen sich auf die Länderspiele in Frankreich beziehungsweise Litauen.

Daumen hoch für EM-Qualifikationsspiele in der Bubble trotz Corona: Die Löwen-Profis Karim Jallow (von links), Martin Peterka und Lukas Meisner freuen sich auf die Länderspiele in Frankreich beziehungsweise Litauen.

Foto: Darius Simka / regios24

Wie sollte man sich besser für sein Debüt Richtung A-Nationalmannschaft verabschieden als Lukas Meisner? Beim ersten Saisonsieg seiner Basketball Löwen gegen Vechta führte der 25-Jährige die Braunschweiger am Samstag als Topscorer an und dürfte Bundestrainer Henrik Rödl mit 19 Punkten ein gutes Nominierungsgefühl gegeben haben. Tags darauf ist Meisner dann mit seinem Kapitäns-Kollegen Karim Jallow nach Frankfurt aufgebrochen, von wo die deutsche Mannschaft am Montag zur EM-Qualifikation in ihre „Bubble“ nach Frankreich fliegt. Die Vorfreude des Löwen-Duos war so groß, dass nicht mal die Corona-Pandemie sie spürbar dämpfen konnte.

Corona-Fälle im Handball und Fußball machen Angst

Bei Löwen-Geschäftsführer Nils Mittmann allerdings klingelten, bei allem Stolz, drei Nationalspieler im Team zu haben, im Vorfeld alle Alarmglocken. Die schlechten Erfahrungen der Handball- und Fußball-Erstligisten mit zahlreichen infizierten Länderspiel-Rückkehrern hatten ihm im Blick auf sein Nationalspieler-Trio große Bedenken bereitet. Der dritte Braunschweiger auf Tour ist Martin Peterka, der mit seinen Tschechen ebenfalls in der EM-Qualifikation antritt.

Mittmann telefonierte mit den Sportdirektoren des deutschen und tschechischen Teams und ließ sich beruhigen. Felix Leuer, Sportchef des DBB, ist gerade erst mit den deutschen Frauen aus solch einer EM-Qualifikations-Bubble aus Lettland zurückgekehrt. „Er konnte meine Sorgen mildern“, berichtet Mittmann. „Alle Frauen und Delegationsmitglieder sind gesund und ohne Probleme in den Spielbetrieb zurückgekehrt“. Die Abläufe vor Ort seien sehr gut, sicher und hygienisch organisiert gewesen.

DBB-Erfahrung beruhigt Löwen-Geschäftsführer Nils Mittmann

„Der Verband ist sich der Gefahren bewusst und tut alles, damit die Spieler sicher sind“, schildert Braunschweigs Sportdirektor seine Eindrücke. Wie der DBB würden auch die Tschechen ihre Profis mit einem Charterflieger an ihren Spielort bringen, wo sie alle Einzelzimmer bekommen. „Inzwischen habe ich ein halbwegs gutes Gefühl“, berichtet Mittmann. Ein Risiko völlig ausschließen könne man ja auch in Braunschweig nicht, und ein mulmiges Gefühl plage ihn ohnehin zweimal pro Woche, wenn die Löwen nach den Testreihen ihrer Profis auf die Ergebnisse warten.

Die Nationalspieler allerdings sollten sich von diesen Umständen möglichst nicht beeinträchtigen lassen und die Tage bei der Nationalmannschaft genießen, betont der Ex-Profi und rennt damit offene Türen ein. „Ich bin schon total gespannt auf die Bubble“, sagt Karim Jallow, der wie Meisner mit dessen Ex-Klub Bayreuth beim Finalturnier der BBL im Juni nicht dabei gewesen war, wo ebenfalls Spieler aller Teams in einem Quarantäne-Hotel zusammengewohnt hatten.

Debütant Lukas Meisner: Hygiene-Konzept ist gut

„Das Konzept ist gut, wir sind unter uns, ich denke, es gibt nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand infiziert“, sagt auch Meisner. Er fühle sich geehrt, freue sich riesig, mal zu spüren wie es ist, ein A-Nationalspieler zu sein, werde das genießen und „hoffe, Spaß zu haben mit den anderen Jungs.“ Und er sieht den einwöchigen Frankreich-Trip in der Corona-Fessel auch noch unter einem anderen Aspekt: „Ich freue mich auf die Chance zu reisen. Mal aus Deutschland wegzukommen, das kann zurzeit ja nicht jeder.“

Jallow und Peterka dürften bei den Länderspielen kein Lampenfieber mehr bekommen. Der Tscheche ist seit Jahren eine feste Größe im Kader des Überraschungs-WM-Sechsten. Mittmann erwartet eine gute Leistung des 25-Jährigen, der im Löwen-Spiel bisweilen noch ein bisschen fremdelt. Man werde sich die Spiele anschauen, kündigt der Sportchef an. „Die Tschechen haben bei der WM mit den besten Teambasketball gespielt, da können wir lernen, wie wir Martin noch besser in unser Spiel integrieren können.“

Karim Jallow ist feste Größe bei Bundestrainer Henrik Rödl

Karim Jallow kommt bislang auf sieben Länderspiele und hat bei Henrik Rödl nach seinen starken Auftritten im Februar-Fenster einen Stein im Brett. Solange der Bundestrainer auf die NBA- und Euroleague-Profis verzichten muss, dürfte der 23-Jährige eine absolute Stammkraft sein und für die Zeit danach einer der wenigen Akteure des derzeitigen Aufgebots, die vielleicht auch neben Dennis Schröder und Co. eine A-Team Perspektive haben. „Wer Karim spielen sieht, erkennt, wie viel er einer Mannschaft geben kann“ , lobt Nils Mittmann. „Er bringt diese unheimliche Energie, er kann verschiedene Positionen verteidigen, Schnellangriffe spielen - solche Jungs hat jeder Trainer gerne in seinem Team.“

Bei allem Lob für seinen einen Kapitän, fühlt der Löwen-Sportchef diesmal aber noch mehr mit dem anderen. „Ich freue ich total für Lukas Meisner als Debütant, eine erstmalige Nominierung ist nochmal was Besonderes“, sagt Mittmann. „Für die Nationalmannschaft zu spielen, ist doch eines der größten Ziele für jeden Spieler und ein großer Meilenstein in einer Sportlerkarriere.“

Meisners Nominierung fürs A-Nationalteam überfällig

Und dann sagt der 41-Jährige noch etwas, das auch Meisner selbst umgetrieben hatte: „Lukas hätte letztes Jahr schon eine Nominierung verdient gehabt.“ Die A-Nationalmannschaft sei schon immer sein großes Ziel gewesen, bestätigt der vieljährige A-2-Nationalspieler. Und da habe er sich angesichts seiner guten Leistungen in Bayreuth in der Vorsaison durchaus geärgert und sich gefragt, warum er nicht dabei sei, gibt Meisner offen zu.

Doch dann habe er sich von diesem Gedanken verabschiedet. „Umso schöner ist es jetzt, auch wenn ein Debüt mit 25 fast ein bisschen zu spät ist“, lacht der gebürtige Braunschweiger und ergänzt: „Schön, ausgerechnet jetzt diese Wertschätzung zu erfahren, wo ich nicht meinen besten Basketball spiele.“ Ein Satz, den er vor dem Vechta-Spiel gesagt hatte und der nun hinfällig sein dürfte.

Die EM-Qualifikation

Die deutsche Mannschaft spielt in diesem Länderspielfenster in der „Bubble“ in Pau/Frankreich zwei EM-Qualifikations-Gruppenspiele. Am Freitag, 27. November, 21 Uhr, geht es gegen Montenegro, am Sonntag, 29. November, 15 Uhr, gegen Frankreich.

Weil der DBB die EM-Endrunde 2022 mit einer Vorrunde in Köln und der Finalrunde in Berlin mit ausrichtet, ist das deutsche Team bereits qualifiziert. Für die Gruppengegner geht es aber um die Punkte.

Die deutschen Spiele werden live und kostenlos von Magentasport übertragen.

Die Ausgangsposition: Nach einem 83:69-Sieg gegen Frankreich und einer 73:81-Niederlage in Großbritannien hat die DBB- Auswahl drei Punkte auf dem Konto – wie auch die anderen drei Teams. Die letzten Spiele folgen im Februar-Fenster.

Die Tschechen um Martin Peterka spielen in der Bubble im litauischen Vilnius gegen Belgien und Dänemark. Sie haben ebenfalls einen Sieg (Dänemark) und eine Niederlage (Litauen) in der Bilanz stehen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder