Skispringen

Lundby und der "Wandel": Fortschritt in der Gewichtsdebatte?

| Lesedauer: 3 Minuten
Findet nach eigener Aussage, dass sie "einige Kilo zu schwer für das höchste Niveau" sei: Die norwegische Olympiasiegerin Maren Lundby.

Findet nach eigener Aussage, dass sie "einige Kilo zu schwer für das höchste Niveau" sei: Die norwegische Olympiasiegerin Maren Lundby.

Foto: dpa

Die Gesundheit geht vor: Für Deutschlands Skisprung-Legende Sven Hannawald zeigt der gewichtsbedingte Saisonverzicht von Olympiasiegerin Maren Lundby eine positive Entwicklung im Sport.

"Ich glaube, da hat sich schon ein Wandel vollzogen", sagte der 47-Jährige auf die Frage, ob eine solche Entscheidung zu seiner aktiven Zeit möglich gewesen wäre. Die Norwegerin Lundby lässt den kompletten Weltcup inklusive der Olympischen Winterspiele in Peking aus, weil sie nach eigener Aussage "einige Kilo zu schwer für das höchste Niveau" ist.

Runterhungern will sich die 27-Jährige nicht. Nicht alles dem sportlichen Erfolg unterordnen, auf den eigenen Körper hören: Hannawald sieht darin eine Tendenz - nicht nur im Skispringen.

Lob von Hannawald

"Was auffällig ist - und das finde ich auch gut - ist, dass du zum Beispiel bei Simone Biles oder Naomi Osaka jetzt auch siehst, dass Menschen wirklich ihre Grenzen sehen, wenn sie überfordert sind und für sich selbst eine Pause nehmen müssen", sagte der bis dato letzte deutsche Vierschanzentournee-Sieger der Deutschen Presse-Agentur.

Super-Turnerin Biles war bei Olympia in Tokio aus mentalen Gründen teilweise nicht angetreten, Tennisprofi Osaka hatte öffentlich über Depressionsphasen in ihrem Leben gesprochen. Hannawald selbst hatte seine Karriere 2005 nach einem Burnout beendet.

Wenn man merke, es werde zu viel, müsse man das auch sagen, sagte Hannawald. "Ich dachte, ich muss halt einfach weitermachen und an der Weltspitze bleiben. So würde ich es heute auf keinen Fall mehr machen", erklärte er in Erinnerung an seine aktive Zeit.

Gewicht spielt wichtige Rolle

Beim Versuch, zu den besten Skispringerinnen und Skispringern der Welt zu gehören, spielt das Gewicht eine entscheidende Rolle. Durch Lundbys Entscheidung hat die Debatte darum, was noch gesund ist und was dem Körper schadet, erneut Fahrt aufgenommen.

"Natürlich fliegt man weiter, wenn man leichter ist", sagte Olympia-Silbergewinnerin Katharina Althaus, die das deutsche Team beim Weltcup-Start an diesem Freitag im russischen Nischni Tagil anführt. Die 25-Jährige spricht von "ein paar Opfern", die man bringen müsse. Althaus sagt aber auch: "Ich glaube, ich kann alles essen zur bestimmten Zeit. Nach der Saison wird es das eine oder andere Nachtischchen mehr geben, vor dem Winter eher weniger." Die Oberstdorferin ergänzt: "Ich muss auf gar nichts verzichten. Ich muss nur wissen, wann und wie ich es mache."

BMI als Grenzwert

Um zu verhindern, dass die Athletinnen und Athleten zu leicht werden, setzt der Weltverband Fis auf eine spezielle Regel: Der "Body-Mass-Index" (BMI) kommt zum Einsatz. Der Wert errechnet sich aus dem Körpergewicht und der Körpergröße. Nur, wer mindestens einen bestimmten BMI aufweist, darf die maximale Skilänge verwenden. Wer mit kürzeren Skiern springen muss, hat einen Wettbewerbsnachteil.

Auch beim Deutschen Skiverband (DSV) hat man das Thema im Blick und unterstützt die Sportlerinnen und Sportler. Frauen-Bundestrainer Maximilian Mechler sieht das Gewicht als einen von vielen Faktoren beim Schanzen-Spektakel. "Wir kümmern uns um jeden Faktor. Wir arbeiten mit professioneller Ernährungsberatung und schauen da auch genau drauf, passen genau auf, in welche Richtung es geht", sagte er.

© dpa-infocom, dpa:211123-99-114704/4

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