Volkmarodes Fußballer trainieren per Video-Konferenz

Braunschweig.  Die Kicker treffen sich per Videoschalte regelmäßig, um sich für die Fortsetzung der Saison im nächsten Jahr fitzuhalten.

Ein Teil der Volkmaroder Mannschaft beim Rückentraining

Ein Teil der Volkmaroder Mannschaft beim Rückentraining

Foto: Privat

In diesem Jahr wird es kein Amateurfußball-Spiel mehr geben. Das wurde vom Niedersächsischen Fußballverband in der vergangenen Woche offiziell erklärt. Der Ball muss ruhen, und die Kicker aller Altersklassen werden sich weiter gedulden müssen. Unter das Verbot fallen auch sämtliche Übungseinheiten, selbst Trainingsläufe oder zumindest lockeres Joggen ist gemeinsam nicht möglich.

Die plötzliche Unterbrechung nach dem vierten Spieltag sorgte auch beim Bezirksligisten SC Rot-Weiß Volkmarode für Enttäuschung. Genauso ärgerlich wie die ausfallenden Spiele, sind die jetzt fehlenden Trainingsaktivitäten. Die Sportplätze sind gesperrt, und mehr als zwei Personen dürfen ohnehin nicht zusammen sein. Wie soll man sich da noch einigermaßen fit halten? Die Jungs aufzufordern, ab und an Runden durch den Park oder durchs Dorf abzuspulen, war den Volkmaroder Verantwortlichen zu wenig.

Not macht erfinderisch

Mit einem kühnen Vorschlag überraschte Abteilungsleiter Uwe Scholz dann seine Mannschaft. Nach dem Motto „Not macht erfinderisch“ reifte aus der Idee plötzlich ein Trainingsplan. „Ich habe überlegt, wie man die coronabedingte Spielpause am besten überbrücken kann. Warum soll man die technischen Möglichkeiten, die uns heutzutage durch Computer und Smartphone zur Verfügung stehen, nicht auch im sportlichen Bereich nutzen“, erklärt Scholz seinen Plan, Teile des Trainings via Videokonferenz zu gestalten.

Dabei erinnerte er an die erste Zwangspause im Frühjahr diesen Jahres, die der Fußball einlegen musste. „Wir haben die Zeit damals auch schon mit wöchentlichen Videokonferenzen innerhalb des gesamten Volkmaroder Trainerstabs überbrückt, und es hat bestens funktioniert. Das wird jetzt auch mit unseren aktiven Fußballern klappen, da bin ich sicher“, sagt Scholz zuversichtlich.

„Man muss offen für Neues sein“

Auch Trainer Sven Scholze sieht dem Versuch, seine Mannschaft mit virtuellem Training fit zu halten, positiv entgegen: „Man muss offen für Neues sein. Um in diesen Zeiten in Kontakt zu bleiben, gehen wir gemeinsam pro aktiv mit dieser Situation um“, sagt er und betont: „Wichtig dafür sind feste Termine und ein Zeitfenster. Zudem muss die Rollenverteilung geklärt sein: Wer lädt ein, wer moderiert und wer stellt die Übungen vor. Um allen gerecht zu werden und nicht jedem einzelnen Spieler einen Übungsplanplan in die Hand zu drücken, haben wir uns bewusst für diese Art von Training entschieden. Zudem fördert es das Gemeinschaftsgefühl untereinander.“

Am Dienstag vor einer Woche war es dann soweit. Uwe Scholz hatte zur Videoschalte eingeladen und die Rolle des Moderators übernommen. 17 Spieler samt Trainer und Abteilungsleiter trafen sich pünktlich um 18 Uhr zum „Trainingsbeginn“. Mit Jonas Fiedler, der im Jahr 2018 als 18-Jähriger mit der Eintracht das deutsche Pokalfinale der A-Junioren gewann und seit Sommer ein Rot-Weißer ist, bot sich ein sportlicher „Vorturner“ an. Er wollte sich direkt aus Leipzig, seinem aktuellen Wohnort, dazuschalten. Ein plötzlicher beruflicher Termin verhinderte aber sein Debüt. Kurzfristig fanden die Volkmaroder Kicker mit ihrem Neuzugang Branko Subotic Ersatz.

Spezielle Übungen, die Spaß machen

Der unterrichtet unter anderem als Sportlehrer am Wilhelm-Bracke-Gymnasium und ist mit diversen gymnastischen Übungen bestens vertraut: „Ich habe mir spezielle Übungen einfallen lassen, die Jungs werden das am nächsten Tag gemerkt haben. Es hat viel Spaß gemacht, besonders wenn man sieht, wie meine Mitspieler bei der Sache sind. Danach waren alle wohl ausreichend für die zweite Trainingseinheit aufgewärmt.“

Bei der anschließenden Laufeinheit gab es Unterstützung seitens einer Lauf- und Fitness-App. Spieler und Trainer können sich dabei untereinander verknüpfen, um Ergebnisse wie Laufleistungen und Kalorienverbrauch zu vergleichen. Coach Sven Scholze jedenfalls zeigte sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Übungsformen fördern die Motivation

Lukas Kasten gehört zu den erfahreneren Akteuren im Volkmaroder Team, er akzeptiert den eingeschlagenen Weg voll und ganz: „Ich habe ein gutes Gefühl, ich denke dass wir im kommenden Jahr, wenn es dann hoffentlich weitergeht, noch viel erreichen können. Menschlich hat es bei uns schon immer gepasst, jetzt stimmen auch noch die sportlichen Resultate. Die neuen Übungsformen sollten deshalb für uns eine zusätzliche Motivation sein, hier auch richtig mitzuziehen.“

Dass der erste virtuelle Trainingsabend, einschließlich der Laufeinheit, keine Eintagsfliege war, bewies die Freitagseinheit dann noch einmal eindrucksvoll. Wieder konnten Trainer und Abteilungsleiter, der sich einem Läufer auch gern einmal anschließt, fast den kompletten Kader begrüßen. Da das Zeitfenster einer Konferenzübertragung mit ca. 40 Minuten begrenzt ist, blieb deshalb nicht viel Zeit für lange Begrüßungsfloskeln.

Zwischendrin eine intensive Laufeinheit

Nach der wieder intensiven Laufeinheit tauschten sich Aktive und Verantwortliche nochmals per Videokonferenz untereinander aus. Mittelfeldspieler Björn Methner brachte es während der Abschlussrunde auf den Punkt: „Zunächst war das alles ungewohnt, aber wir Spieler profitieren schließlich auch von der Maßnahme. Außerdem freuen wir uns darauf, dass wir uns in die kommenden Wochen zumindest virtuell öfter mal sehen. Nicht zu vergessen ist der sportliche Wert. Wir alle haben die Ansage unseres Abteilungsleiters, nämlich oben mitzuspielen und anzugreifen, verstanden.“

Vorerst bis Weihnachten, da sind sie sich einig, werden die Volkmaroder Kicker zweimal pro Woche die neue Trainingsform wiederholen, um für erhofften Wiederanpfiff spätestens im Frühjahr vorbereitet zu sein.

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