In Kontakt und Bewegung bleiben, ohne Kontakt zu haben

Kästorf.  Wie die Turnerinnen des SSV Kästorf versuchen, durch den Lockdown zu kommen und dabei auch noch das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Eine geniale Idee: Bei der SSV-Bewegungsschlange müssen die kleinen Turnerinnen je nach gewürfeltem Feld Übungen durchführen und werden so spielerisch zur Bewegung motiviert. Über Videochat können sie zugleich trotz des Lockdowns mit ihren Freundinnen spielen – so, wie hier Mia Schilke und Marie Becker.

Eine geniale Idee: Bei der SSV-Bewegungsschlange müssen die kleinen Turnerinnen je nach gewürfeltem Feld Übungen durchführen und werden so spielerisch zur Bewegung motiviert. Über Videochat können sie zugleich trotz des Lockdowns mit ihren Freundinnen spielen – so, wie hier Mia Schilke und Marie Becker.

Foto: Verein/privat

Die Turnhallen im Land bleiben geschlossen, und so ruht auch der reguläre Trainingsbetrieb für die etwa 300 Turnkinder des SSV Kästorf weiterhin. Seit mehr als zwei Monaten können sich die Kinder der Turnabteilung des Sportvereins aus dem Gifhorner Norden nicht mehr wie gewohnt bewegen.

„Die Situation ist tragisch, aber wir müssen damit leben“, erklärt die sportlich verantwortliche Trainerin Anette Wrede. „Es ist aufgrund der Pandemie allerdings absolut nachvollziehbar, dass auch wir im Sportverein die Kontaktbeschränkungen umsetzen. Bis wir wieder in die Sporthalle dürfen, müssen wir eben versuchen, alternative Angebote für unsere Kinder zu schaffen.“

Turnsparte stärkt mit Wettbewerben den Zusammenhalt

Dieser Devise folgt der SSV – und das mitunter sehr kreativ. Bereits wenige Tage nach Verkündung des November-Lockdowns startete das Trainerteam eine erste Foto-Challenge für die Kinder. Aufgabe war, gemeinsam mit Eltern und Geschwistern kreative Turnbilder mit Halloween- oder Herbst-Motiven zu erstellen. „Die Menge der Einsendungen war unglaublich groß“, betont Anette Wrede.

Für die jüngsten Turnkinder ging es mit einem Turnübung-Malwettbewerb weiter, während die älteren Turnerinnen ein „International Workout“, ein kleines Krafttraining, absolvieren sollten. Nebenaufgabe des einzusendenden Videos war das Abzählen der Übungen in verschiedenen Sprachen. Selbst der begeisterte SSV-Vorstand sendete ein „kräftezehrendes“ Video ein. Im Dezember bekamen die Kinder die Aufgabe, „Sportkekse“ oder sogar eine ganze Turnhalle mit Sportgeräten zu backen. Zu Weihnachten stand dann eine Foto-Challenge mit Wintersport-Disziplinen auf dem Plan, im Januar folgte ein Turnquiz.

Der Höhepunkt war die Aktion des Niedersächsischen Turnerbundes „#sportVEREINtuns“. An diesem Wettbewerb nahmen die SSV-Turnerinnen mit Fotos unter dem Motto „Turnen gemeinsam mit dem Turntiger“ teil. „Die zu diesem Thema entstandenen Fotos sind phänomenal und wurden zurecht vom NTB als Siegerfotos prämiert“, freut sich Wrede. Diese und alle anderen Challenge-Fotos können übrigens auf der SSV-Kästorf-Homepage und den Social-Media-Kanälen eingesehen werden.

Warum Kästorf diese kreativen Ansätze angeht? „Mit den Aktionen versuchen wir den Kontakt zu den Kindern zu halten“, sagt Anette Wrede. „In unserem Gesamtkonzept steht nicht nur das reine Gerätturnen im Mittelpunkt, sondern auch das Miteinander in unserem Sportverein.“

Training per App, Videochat und mit der Bewegungsschlange

Im neuen Jahr liegt der Schwerpunkt nun auf der Bewegung zu Hause. Hier bieten die SSV-Trainerinnen altersgerechte Programme an. So befinden sich die beiden Wettkampfgruppen derzeitig unter Nutzung der App „TeamFit“ bis zum 31. Januar in einem „Team-Battle“. Die Sportlerinnen absolvieren verschiedene Workouts, die dann dem jeweiligen Team mit Punkten über die App gutgeschrieben werden.

Die Nachwuchsturngruppen trainieren derweil mit einem Würfelspiel, der SSV-Bewegungsschlange: Auf dem Spielfeld sind zwischen Start und Ziel Aufgabenfelder abgebildet, die Sportübungen beschreiben, die der jeweilige Mitspieler durchführen muss, wenn er das entsprechende Feld erreicht. Seit der ersten Januarwoche wird auf Wunsch vieler Turnerinnen zusätzlich ein Online-Training per Videochat für die älteren Gerätturngruppen angeboten.

Sehnsucht nach Wiedereröffnung des Sportbetriebs

„Unser Alternativprogramm ist durchaus vielfältig, es ist aber auch sehr aufwendig zu organisieren“, berichtet Anette Wrede und verweist darauf, dass sie dieses Angebot ohne den Einsatz ihrer Tochter und Chef-Trainerin Kira nicht leisten könnte. „Bei all der Freude und dem Spaß, den wir bei den Challenges haben und hatten, warten wir dennoch sehnsüchtig auf eine Wiedereröffnung des Sportbetriebs. Er ist unglaublich wichtig für die Entwicklung der Kinder in allen Altersgruppen.“ Wrede hofft, dass unter Berücksichtigung ausgefeilter Hygienekonzepte bald wieder tobende und lachende Kinder in den Sporthallen zu finden sind. Bis es soweit ist müssen aber weiterhin die kreativen Ansätze herhalten.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder