Scoccimarro und ihr Prager Judo-Frühling

Vorsfelde.  Das Judo-Ass des MTV Vorsfelde startet bei der EM. Die strengen Hygienevorschriften gefallen ihr – auch wenn sie zum Nachteil gereichen könnten.

Giovanna Scoccimarro kehrt bei der EM in Tschechien nach 272 Tagen ins Judo-Wettkampfgeschehen zurück.

Giovanna Scoccimarro kehrt bei der EM in Tschechien nach 272 Tagen ins Judo-Wettkampfgeschehen zurück.

Foto: Revierfoto / imago images

Ende Februar in Düsseldorf hatte Giovanna Scoccimarro ihren letzten Kampf auf der Judomatte, mit dem sie sich gegen Seon-Yeon Kim (Südkorea) die Bronzemedaille beim wichtigen Grand Slam in Düsseldorf sicherte und damit praktisch auch ihr Ticket für die Olympischen Spiele . Ende Februar, da endete der Winter kalendarisch gerade, brach die Corona-Pandemie aus, und das Judo-Ass des MTV Vorsfelde war zum Warten gezwungen. Bis jetzt. Am Freitag in einer Woche beginnt für die gerade 23 Jahre alt gewordene Scoccimarro mit den Europameisterschaften in Prag der Judo-Frühling.

272 Tage werden es dann gewesen sein, in denen Scoccimarro in der Klasse bis 70 Kilogramm nicht im Wettkampf gestanden hat. Und es wird alles anders werden für sie und die anderen 387 Athleten aus 42 Ländern. Denn das Hygienekonzept, das der europäische Verband weitgehend vom Weltverband IJF übernommen hat, ist streng. Scoccimarro und Co. müssen zu Hause bereits zweimal negativ getestet sein. Wenn sie in Tschechiens Hauptstadt ankommen, folgt ein dritter Test. Bis das Ergebnis da ist, dürfen die Athleten ihr Hotelzimmer nicht verlassen und sich auch danach nur zwischen Unterkunft und Wettkampfstätte bewegen. „Sobald man auch nur einkaufen geht, wird man ausgeschlossen“, sagt die 23-Jährige , der der deutsche Verband in seinem Judo-Magazin die aktuelle Titelgeschichte widmete.

Judo-EM in der Blase

Die EM, die bereits Anfang Mai in der O2-Arena hätte stattfinden sollen, wird dabei natürlich ohne Zuschauer stattfinden. In Prag gibt es in der Zeit von Donnerstag bis zum letzten Wettkampf am Samstag mit allen Vorschriften eine Judo-Blase . Scoccimarro findet die strengen Regelungen gut, sehr gut sogar. Auch wenn sie ihr womöglich selbst zum Nachteil gereichen. Denn beim Judo-Neustart mit dem Grand Slam in Budapest vor zwei Wochen – an dem keine deutschen Sportler teilnahmen – war das gesamte italienische Nationalteam ausgeschlossen worden, nachdem drei Kämpfer und ein Trainer positiv getestet wurden.

Scoccimarro begrüßt das strenge Hygienekonzept

Das Signal dabei: Die Gesundheit aller Sportler steht den Verbänden über allem, auf die sportlichen Schicksale der anderen Italiener im Team konnte da keine Rücksicht genommen werden. Scoccimarro hat genau hingeschaut und meint: „Ich finde es gut, dass das Konzept funktioniert hat. Ich fühle mich damit jetzt sehr sicher.“

Der aus Ehra-Lessien im Kreis Gifhorn stammenden MTV-Kämpferin war eine sichere Rückkehr in das Wettkampfgeschehen in den vergangenen Monaten enorm wichtig, und so werden die strikten Vorschriften und engmaschigen Testreihen ihr für das sportliche Geschehen auch ein gutes Gefühl geben. Und gleich wieder voll da zu sein, ist wichtig. Denn in Prag geht es um Punkte für das olympische Qualifikations-Ranking.

In Prag geht’s auch um weitere Punkte für Olympia

Für das hatte Scoccimarro schon fleißig Zähler gesammelt, dann wurde Olympia in Tokio aber um ein Jahr verschoben. Im nationalen Rennen hat sie sich bereits offiziell durchgesetzt, ihre erreichten Punkte sollten auch schon reichen, um ihre Olympia-Premiere zu feiern. Es geht für sie und alle anderen jetzt darum, sich nach einem Dreivierteljahr Pause wieder zurechtzufinden. „Judo ist ein Wettkampfsport, wir brauchen das einfach. Es ist sehr wichtig, dass wir mit Blick auf Olympia jetzt wieder reinkommen “, sagt das MTV-Aushängeschild.

Sie selbst hat während der langen Pause vor allem im Kraftbereich und an der Technik gefeilt. Zuletzt war sie mit dem Nationalteam in Kienbaum. Auch dort wird penibelst darauf geachtet, die Gruppe nicht zu sehr zu variieren. Privat hält sich die U21-Weltmeisterin von 2017 ohnehin an Kontaktbeschränkungen. Sie ist bei Volkswagen in Hannover angestellt. Um besser am Stützpunkt trainieren zu können, arbeitet sie aber im Homeoffice.

Scoccimarros Ziel für Prag: die zweite EM-Medaille

Sportlich möchte das Vorsfelder Judo-Ass an die letzten Leistungen im Winter anknüpfen. Mit Scoccimarro und der EM ist es dabei so eine Sache. Bei ihrer EM-Premiere im Frauenbereich 2017 hatte sie Silber geholt. 2018 schied sie dann gleich zum Start aus, im vergangenen Jahr war sie nicht dabei. Nun sagt sie: „Ich würde mich schon freuen, wenn ich eine Medaille holen würde.“ Das wäre dann nach so langer Pause Scoccimarros perfekte Abrundung für den Judo-Frühling in einer Woche in Prag.

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