Der Klub sucht den Dialog

Wolfsburg  Die geplante Protestaktion der VfL-Fans sorgt für Diskussionen und Aktionismus. Klar ist: Die Profis müssen jetzt in Vorleistung treten.

Sie wollen ein Zeichen setzen: Ausgerechnet gegen den FC Bayern soll die Nordkurve der Wolfsburger VW-Arena in den ersten 19 Minuten und 45 Sekunden leer bleiben.

Foto: regios24/Simka

Sie wollen ein Zeichen setzen: Ausgerechnet gegen den FC Bayern soll die Nordkurve der Wolfsburger VW-Arena in den ersten 19 Minuten und 45 Sekunden leer bleiben. Foto: regios24/Simka

Das Spiel am Samstagnachmittag in der VW-Arena wird im Gedächtnis bleiben. Aber dass mit dem FC Bayern der designierte deutsche Meister zu Gast ist, spielt dabei keine Rolle. Wenn die Fans des VfL Wolfsburg den Plan, den sie am Dienstagabend gefasst haben, so umsetzen, dann bleibt die Nordkurve in den ersten 19 Minuten und 45 Sekunden der Partie leer. Ein Protest gegen die schwachen Auftritte in den vergangenen Wochen und die Entwicklung der zurückliegenden Monate. Für die Verantwortlichen auf beiden Seiten bleibt am Ende die Frage: Wie ist der Riss zwischen Mannschaft und Fans zu kitten?

Es wäre eine bislang einmalige Aktion in der Bundesliga-Historie der Grün-Weißen – und eine, die für Aufsehen sorgen wird. Ausgerechnet gegen die Bayern, deren Gastspiele stets für eine erhöhte Aufmerksamkeit sorgen, soll die Nordkurve zu Beginn der Partie leer bleiben. Der Plan der aktiven Fanszene bringt jedoch nicht nur Zustimmung mit sich, schon bei der Versammlung war kontrovers diskutiert worden. Das setzte sich in den sozialen Medien und einschlägigen Foren fort. Ein Teil der Anhängerschaft hält die Aktion für kontraproduktiv, will die Spieler weiter unterstützen, nach dem Motto: jetzt erst recht.

Beim Klub selbst hat schon die Ankündigung des Protests Wirkung gezeigt. Als „Gegenmaßnahme“ soll es in den nächsten Tagen intensive Gespräche geben – intern, aber auch mit Fans. VfL-Geschäftsführer Tim Schumacher ließ ein Statement verbreiten, darin heißt es: „Wir können den Unmut der Fans und die aktuelle Diskussion über geplante Protestaktionen zum Spiel am Samstag nachvollziehen und stehen dazu auch im Austausch mit der aktiven Fanszene.“

Miteinander reden und in den Dialog zu treten, ist ein erster guter Schritt, um den Riss zu kitten oder zumindest erst einmal nicht noch größer werden zu lassen. Die Situation ist allerdings durch Monate der Enttäuschung auf wie neben dem Platz aus dem Blickwinkel der VfL-Fans festgefahren. Ob es die verantwortlichen Verhandlungsführer des Vereins schaffen, mit ihren Argumenten noch einmal Verständnis und Geduld für die Profis einzuwerben, ist mehr als fraglich. Schließlich wird seit Monaten nichts besser, sondern schlechter – etlicher Beteuerungen und guter Worte der Führung zum Trotz.

Wie groß der Riss inzwischen ist, zeigt das Umstand, dass die Mannschaft sogar angeboten hatte, an der Fanversammlung teilzunehmen. Doch das wurde vonseiten der Anhänger abgelehnt, allerdings mit dem Verweis, in kleineren Gruppen weiter im Gespräch bleiben zu wollen. Auch die Profis wissen, dass sie ihre Fans hinter sich brauchen. „Ihr Frust ist anhand der Tabellensituation groß, das ist klar. Sie haben das Recht, so eine Aktion zu machen“, sagt Admir Mehmedi, der als Neuzugang die Entwicklung der vergangenen Monate gar nicht bewerten kann. Aber er weiß: „Wir werden den schwierigen Weg nur gemeinsam schaffen.“

Damit hat der Schweizer absolut Recht. Doch die ersten Schritte müssen die Spieler des VfL machen. Zuletzt sind die Fans in Vorleistung getreten, nun müssen es die Profis tun. Am Ende wird auch der Dialog nichts bringen, wenn die Leistungen auf dem Platz dazu nicht passen.

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