Renato Steffen: „Dann bin ich eben ein bisschen anders“

Almancil.  Renato Steffen spricht über seine sportlichen Ziele beim VfL und seine Abneigung gegen soziale Netzwerke.

Renato Steffen.

Renato Steffen.

Foto: Darius Simka/regios24 / regios24

Elf Einsätze, nur vier von Beginn an: Für Renato Steffen lief die Hinrunde in der Fußball-Bundesliga alles andere als zufriedenstellend. Dennoch ist für den Schweizer ein Abschied vom VfL Wolfsburg aktuell kein Thema. Warum nicht und wieso der 28-Jährige nicht mehr viel von Social Media hält, verriet er im Gespräch mit Sportredakteur Timo Keller.

Das Trainingslager in Portugal ist vorbei. Sind Sie zufrieden, wie es gelaufen ist?

Die Bedingungen und der Zeitraum sind für mich immer entscheidend. Wir waren ja nur eine Woche dort, die Tage gehen schnell vorbei. Ich hatte aber auch Trainingslager, die gingen über zehn Tage oder mehr. Das kann sich dann schon in die Länge ziehen, aber diesmal war alles perfekt.

Ihre persönliche Hinrunde lief allerdings alles andere als perfekt…

Natürlich kann ich nicht zufrieden sein. Ich hatte schon erwartet, dass es ähnlich weitergeht wie in der Saison zuvor. Da habe ich meine Spiele gemacht und dachte, ich sei angekommen in der Bundesliga. Doch in der Hinrunde lief einiges ein bisschen anders, und ich musste mich auch erst wieder zurechtfinden. Ich möchte jetzt aber mehr spielen und dem Trainer zeigen, dass er auf mich zählen kann.

Haben Sie mit Trainer Oliver Glasner über Ihre Situation gesprochen?

Ja, wir hatten Gespräche. Für mich war nicht ideal, dass mit Paulo Otavio unser zweiter linker Verteidiger so lange verletzt war. Deshalb musste ich für ihn einspringen. Das war nicht einfach für mich. Ich konnte auf dieser defensiveren Position meine offensiven Stärken nicht so gut präsentieren. Zwar wurde es mit der Zeit besser, trotzdem war ich enttäuscht.

Sind Sie optimistisch, in der Rückrunde mehr Spielzeit zu bekommen?

Weil jetzt alle wieder fit sind, kann ich zumindest wieder auf meiner Position spielen, und da weiß ich, was ich zu tun habe. Ich muss Tore schießen und Vorlagen geben. Das wird entscheidend sein. Wenn ich das schaffe, dann werde ich auf meine Spiele kommen. Und ich brauche auch diesen Rhythmus, sonst kann ich nicht auf dem Level der restlichen Mannschaft sein. Ich muss physisch topfit sein, und dann bin ich zuversichtlich, dass sich meine Situation ändern wird.

Also ist ein Abschied vom VfL jetzt im Winter kein Thema?

Ich habe mich damit schon einmal auseinandergesetzt. Aber wir haben gute Gespräche geführt, und im Moment ist das kein Thema. Ich weiß, dass ich mich hier vor niemandem verstecken muss, doch ich muss auch Leistung auf dem Platz zeigen. Die Konkurrenz ist groß, aber ich bin noch nie vor einer Herausforderung weggelaufen.

Doch müssen Sie nicht spielen, um sicher für die Schweiz bei der EM im Sommer dabei zu sein?

Es stimmt schon, ich weiß, wie wichtig dem Nationaltrainer ist, dass seine Spieler Spielpraxis haben. Das war auch ein Gedanke, warum ich einen Wechsel kurzzeitig in Erwägung gezogen habe. Aber nur kurz, denn im Endeffekt muss ich einfach meine Leistung zeigen. Die Leute kennen mich und wissen, was ich kann.

Was bei Ihnen abseits des Sportlichen auffällt: Sie sind in den sozialen Netzwerken nicht aktiv…

Ich habe in der Schweiz schlechte Erfahrungen gemacht. Ich war damals sehr aktiv auf den Plattformen, aber es gab immer mehr persönliche Angriffe gegen mich, meine Familie und meine Freunde. Irgendwann habe ich dann für mich entschieden, dass ich das für mein Leben nicht brauche, auch mit dem Risiko, dass dadurch der Mensch und der Fußballer Renato Steffen etwas in den Hintergrund rückt. Aber das habe ich bewusst in Kauf genommen, gerade auch, weil unser Sohn dann zur Welt gekommen ist. Soziale Netzwerke lenken nur ab von den wirklich wichtigen Dingen im Leben. Mittlerweile ist es so, dass meine Frau wieder auf den Plattformen vertreten ist. Aber ich möchte da nicht mitwirken.

Bei Instagram oder Facebook gibt es die Möglichkeit, dass nur Freunde und Bekannte die Einträge zu sehen bekommen…

Das stimmt, man kann dort auch privat sein. Trotzdem habe ich meiner Frau gesagt, dass ich nicht möchte, dass sie dort Bilder von unserem Kleinen hochlädt. Es geht schnell, und dann sind die Fotos doch im Umlauf. Das möchte ich vermeiden, weil du auf diesen Plattformen auch immer eine gewisse Angriffsfläche für Personen bietest, die es nicht gut mit dir meinen.

Inzwischen hat man dennoch den Eindruck, dass man als Fußballprofi Social Media fast schon betreiben muss…

Es ist schon so, dass es Vorteile hat. Du kannst die Plattformen nutzen, um Werbung für dich zu machen. Man ist dort im Fokus, das stimmt. Aber für mich war entscheidend, was das Beste für mich und meine Familie ist. Deshalb nehme ich in Kauf, dort nicht dabei zu sein. Dann bin ich eben ein bisschen anders.

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