Das alte Wolfsburger Lied vom Offensivleid

Köln.  In der Bundesliga-Partie beim 1. FC Köln lassen die Wolfsburger Fußballer wieder eine ganze Reihe an hochkarätigen Chancen liegen.

Wout Weghorst (vorne links) und Co. vergaben zu Beginn gleich drei gute Chancen – das rächte sich im Spiel beim 1. FC Köln, das die Wolfsburger mit 1:3 verloren.

Wout Weghorst (vorne links) und Co. vergaben zu Beginn gleich drei gute Chancen – das rächte sich im Spiel beim 1. FC Köln, das die Wolfsburger mit 1:3 verloren.

Foto: Darius Simka / regios24

Das alte Lied ist für den VfL das alte Leid: Wolfsburgs Bundesliga-Fußballer verzweifelten zum Bundesliga-Rückrundenstart beim 1. FC Köln zunächst einmal wieder an ihrer schwachen Chancenverwertung. Nur weil die Grün-Weißen vor 49.100 Zuschauern im Rheinenergiestadion den beeindruckten 1. FC Köln bei der 1:3 (0:2)-Niederlage nicht schon früh bestraften, kam dieser nach 15 Minuten besser ins Spiel und legte durch den für Wolfsburg kaum zu packenden Doppelpacker Jhon Cordoba und Kapitän Jonas Hector eine 3:0-Führung vor, ehe Joker Renato Steffen den Ehrentreffer aus Sicht der Gäste erzielte.

Gleich zweimal hatte Wout Weghorst die Führung auf dem Kopf und dem Fuß, dazwischen vergab Josip Brekalo eine sehr gute Chance. Das alles passierte in den ersten 118 Sekunden. Es waren 118 Sekunden, in denen die Kölner nicht wussten, wie ihnen geschah, und nach denen sich die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol nicht über einen 0:2-Rückstand hätte beschweren können. Das „Hätte“ ist dabei das große Problem aus VfL-Sicht. Denn Beinahe-Tore entscheiden keine Spiele. Und doch wurde es so einmal mehr zum großen Thema nach dem Spiel. „Ich glaube, wir haben zu viel darüber gesprochen, wir haben es zu viel thematisiert“, so Trainer Oliver Glasner. „Wenn sich das mal so im Kopf festsetzt – ,Ich muss die aber machen‘ – dann geht es nicht.“

Es ist eine Krux für den österreichischen Trainer: Einerseits waren es gleich vier Schlüsselszenen – Kevin Mbabu missriet nach toller Einzelleistung kurz darauf noch der finale Pass (8. Minute) –, die es nach dem Köln-Spiel zu besprechen galt, andererseits mag er darauf gar nicht mehr groß den Fokus legen. „Mein Eindruck ist, je weniger Druck die Spieler bei den Abschlüssen haben, umso einfacher geht es. Da ist jetzt auch wichtig, dass ich und wir im Trainerteam nicht noch mehr Druck auf die Spieler aufbauen.“

Und doch: ohne Tore, keine Punkte. Zumindest dann nicht, wenn die Mannschaft auch noch so schlecht verteidigt wie in Köln. Vor dem Freistoß zum 0:1 hätte Kevin Mbabu den Ball bereits klären müssen, Startelf-Rückkehrer Daniel Ginczek konnte dann Cordoba nicht am Kopfball hindern. Vor dem 0:2 fabrizierte Marcel Tisserand ohne den ganz großen Druck einen Fehlpass im Aufbau, den Kölns Ellyes Shkiri 25 Meter vor dem VfL-Tor abfing und dann Cordoba in Szene setzte – und das zum psychologisch so ungünstigen Zeitpunkt Sekunden vor der Halbzeit.

Köln hatte den anfangs so spielfreudigen Wolfsburgern mit viel Einsatz und Zweikampfstärke den Schneid abgekauft. Das zeigte sich auch in der ersten Viertelstunde nach der Pause, an deren Ende das 3:0 durch Hector stand. Wieder war es ein Standard, dieses Mal sah Josuha Guilavogui im Luftduell mit Rafael Czichos nicht gut aus. Xaver Schlager, im Mittelfeld einmal mehr einer der besseren VfLer, sagte: „Wir haben einfach bei jeder Kölner Drangperiode ein Gegentor gekriegt. Egal, was wir gemacht haben. Es ist ein bisschen gegen uns gelaufen, solche Tage gibt es, es wird auch wieder anders kommen.“

Erst nach dem 0:3, als Aufsteiger Köln, der in nunmehr vier Partien vier Siege einfuhr, sich zurückzog, wurde der VfL wieder gefährlicher. Brekalos Schnittstellenpass fand den zehn Minuten zuvor eingewechselten Steffen, der sich die Chance nicht nehmen ließ und auf 1:3 stellte. Der Schweizer Steffen war es dann auch, der Wolfsburg noch einmal richtig hätte zurückbringen können, er scheiterte allerdings freistehend in Minute 70 – schon wieder so ein „Hätte“.

Glasner meinte: „Du brauchst dann mal das eine oder andere Tor, damit du Selbstvertrauen tankst.“ Er hat bereits ausgemacht, dass es nicht mehr nur ein Kopfproblem bei seiner Mannschaft werden könne. „Das ist es schon“, so der Trainer. Das Rezept? Es könnte einfach sein: Den Kopf freikriegen, einfach nach vorne schauen und es kommende Woche im Heimspiel gegen Hertha BSC besser machen. Schlagers Tipp: „Wenn wir in der nächsten Woche nur im Kopf haben, dass wir verloren haben, dann werden wir sicher nicht wieder gewinnen. Wir müssen positiv nach vorne schauen, dann wird das schon wieder.“ Maximilian Arnold gibt sich gleichfalls kämpferisch: „Das muss man sich wieder hart erarbeiten, ein Stück weit auch erzwingen. Das werden wir auch demnächst tun.“ Das alte Lied vom VfL-Chancentod – es soll endlich ein Ende finden.

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