Steigende Infektionszahlen rütteln an Fan-Konzepten

Wolfsburg/Essen.  Auch beim VfL Wolfsburg ist man inzwischen skeptisch, was die Rückkehr von Zuschauern in die VW-Arena angeht.

Die Rückkehr der Fans ist nicht nur beim VfL Wolfsburg ein heiß diskutiertes Thema.

Die Rückkehr der Fans ist nicht nur beim VfL Wolfsburg ein heiß diskutiertes Thema.

Foto: Darius Simka / regios24

Beim VfL Wolfsburg wird hinter den Kulissen fleißig diskutiert und geplant. Es geht um die Frage, wann und wie wieder Zuschauer in die VW-Arena kommen dürfen. Nach den Leitlinien der Deutschen Fußball-Liga (DFL) dürften maximal 12.000 Zuschauer dabei sein. Inzwischen hat sich zu den Fragen nach dem Wann und dem Wie aber auch die nach dem Ob dazugesellt. Denn das Projekt, Fans wieder in die Bundesliga-Stadien zu lassen, gerät mächtig ins Wanken. Grund sind die steigenden Infektionszahlen, die auch die VfL-Verantwortlichen um den Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke an den Plänen zweifeln lassen.

Am Dienstag wollen die Profiklubs eigentlich die Weichen für eine Fan-Rückkehr stellen und gemeinsame Richtlinien für die Konzepte verabschieden. Nach dem Anstieg der Fallzahlen schlägt das Robert-Koch-Institut jedoch Alarm. Die Lage sei „sehr beunruhigend“. Nach den Erfolgen Ende Juni überstieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen zuletzt wieder die 500er-Grenze. Dass die befürchtete zweite Welle der Pandemie nahen könnte, beunruhigt Arbeitsgruppen, die eine Rückkehr der Zuschauer in die Stadien vorbereiten. Recherchen bekräftigen diesen Eindruck: Die Klubs arbeiten an Konzepten, bleiben aber zurückhaltend. Die Gesundheitsbehörden warten auf eine Entscheidung der Politik.

Noch sieben Wochen bis Saisonstart

Noch sind es sieben Wochen bis zum geplanten Saisonstart am 18. September. Die Klubs nehmen das Training auf, am Donnerstag etwa ließ Borussia Dortmund seine Spieler auf das Virus testen. Damit soll die erste Hürde für den Spielbetrieb genommen werden. Beim VfL war Kevin Mbabu zuvor positiv getestet worden. Der 25-Jährige hat keine Symptome, befindet sich jedoch in Quarantäne, die Mannschaft kann sich weiter auf das Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch in der Europa League gegen Schachtar Donezk vorbereiten.

Wie beim VfL versuchen die Vereine überall, die Kon­trolle über das Infektionsgeschehen in ihrer Fußballblase durch regelmäßige Testungen zu gewinnen. Dafür bestimmen sie einen Hygienebeauftragten. Mit diesem Schritt war auch der Restart eingeleitet worden. Die Arbeit der DFL-Task-Force wurde über die Bundesliga-Grenzen hinaus gelobt. Doch für das Projekt Zuschauer muss die Politik den Rahmen festlegen, die lokalen Behörden müssen die Konzepte genehmigen.

Änderungen in der Spielordnung

Die DFL will Änderungen in die Spielordnung schreiben, die viel abverlangen würden: ein Verbot von Gästefans, Stehplätzen und Alkohol bis Jahresende sowie die Einführung von personalisierten Tickets. Auf die Vereine kommt viel Arbeit zu: Ein- und Ausgänge müssen bestimmt, ausreichend Parkplätze bereitgestellt, „Einbahnstraßen“ im Stadion angelegt werden, damit Abstände gewahrt werden. Die Kapazität schrumpft: In Dortmund rechnet man mit 15.000 Zuschauern. In einer ähnlichen Größenordnung bewegen sich Schalke und Gladbach, beim VfL sind es 12.000. Damit dies überhaupt in Betracht gezogen werden kann, muss die Politik grünes Licht geben.

Ein Beispiel: Die Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen lässt in der aktuellen Version nur 300 Zuschauer zu. Am 11. August läuft sie aus. Einen großen Einfluss haben die lokalen Behörden. Die DFL erklärt: „Das erstellte Konzept ist mit dem lokal zuständigen Gesundheitsamt abzustimmen und von diesem freizugeben.“

Kritik an der DFL-Verschlossenheit

Das Ziel ist formuliert, der Prozess jedoch wenig einsehbar. Das weckt die Wissbegierde. In der DFL ist man genervt davon, dass Zwischenstände an die Öffentlichkeit dringen. An der Verschlossenheit aber gibt es deutliche Kritik. „Dass ausgerechnet die DFL, die finanziell am besten aufgestellte Organisation im Sport- und Unterhaltungswesen in Deutschland, keine eigene Studie entwickelt hat, ist inakzeptabel“, sagt der Nürnberger Pharmakologe Prof. Fritz Sörgel. „Wenn das nicht möglich ist, sollte man zumindest eng mit der Wissenschaft zusammenarbeiten und deren Begründung für eine bestimmte Einlassquote öffentlich diskutieren.“

Es dürfe „keine Geheimwissenschaft“ geben. „Jetzt bleibt alles vage, so stelle ich mir nicht die Meinungsbildung in einem modernen Industrie- und Wissenschaftsstaat vor“, bemängelt Sörgel. „Nun legitimiert die DFL ihr Vorgehen einzig mit der Zustimmung durch die Politik, der es wiederum nur darum geht, sich beliebt zu machen.“

Erhöhtes Risiko im Herbst und Winter?

Er selbst weist auf die fallenden Temperaturen im Herbst hin, die ein Infektionsrisiko in den Stadien erhöhen können. Das hätte bereits untersucht werden können: „Im November haben wir Temperaturen unter zehn Grad, es ist nebelig. Man hatte genug Zeit im Labor, bei gesunden Probanden zu untersuchen, welche Auswirkungen das auf die Ansteckungsgefahr hat.“

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