Jérôme Roussillon will wieder raus aus der Achterbahn

Wolfsburg.  Jérôme Roussillons Form ist beim VfL Wolfsburg auch eine Systemfrage. Nach einem schwachen zweiten Jahr wähnt sich der Franzose nun im Aufwind.

Die erste Saison war top, die zweite ein Flop. Jetzt geht Jérôme Roussillon mit einem besseren Gefühl in sein drittes Jahr beim VfL Wolfsburg. 

Die erste Saison war top, die zweite ein Flop. Jetzt geht Jérôme Roussillon mit einem besseren Gefühl in sein drittes Jahr beim VfL Wolfsburg. 

Foto: Darius Simka / regios24

Im ersten Jahr staunte die Bundesliga über den so flinken, technisch starken Neuzugang, der die linke Seite des VfL Wolfsburg offensiv belebt und zugleich defensiv beschützt. Sogar der FC Barcelona , hieß es im Sommer 2019, habe Interesse an einer Verpflichtung Jérôme Roussillons. Doch der verlängerte seinen Kontrakt in Wolfsburg vorzeitig – und ließ ein ganz schwaches zweites Jahr im grün-weißen Trikot folgen. Aktuell sieht sich der 27 Jahre alte Franzose auf einem guten Weg zurück zu alter Stärke. Roussillon will raus aus der Achterbahn .

Der linke Verteidiger braucht bei Interviews oft noch Übersetzungshilfe, aber wenn es um die Gründe für den Leistungsabfall in seinem zweiten Jahr geht, antwortet er blitzschnell auf Deutsch. „Dreierkette“, sagt er nur.

„Ich habe zu viel nachgedacht“

Unter Bruno Labbadia hatten die Wolfsburger immer mit einer Viererkette in der Abwehr gespielt, in der immer Roussillon die linke Seite auf- und abmarschiert war. Höchst erfolgreich. Dann aber kam Oliver Glasner mit einer neuen Spielidee, der Trainer installierte eine Dreierkette in der Abwehr – und deinstallierte Roussillons Stärke. Der Franzose erklärt: „Ich habe in der Phase zu viel nachgedacht und nicht intuitiv Fußball spielen können.“

„Klar, dass negative Gedanken kommen“

Er glitt in einen Abwärtsstrudel, aus dem er sich lange Zeit nicht befreien konnte. „Es ist doch klar, dass in so einer Zeit negative Gedanken kommen. Ich habe mich ständig gefragt, warum das nicht mehr funktioniert, was vorher so gut geklappt hatte.“ Aus seinem tiefen Strudel kam Roussillon selbst dann nicht mehr heraus, als Glasner vor einem Jahr wieder zurückkehrte zur Viererkette in der Abwehr – das hatte sich die Mannschaft gewünscht.

„Ich bin im Rhythmus“

Nur: Besser wurde es bei dem linken Verteidiger nicht mehr. Er beendete die Saison 2019/2020 mit einem Tor und einer Vorlage. Zur Erinnerung: Unter Labbadia hatte er drei Tore selbst erzielt und sechs vorbereitet. Da hat Roussillon die Messlatte hochgelegt – und dahin will er nun wieder zurück. „Ich bin auf dem Weg und fühle mich in guter Form“, sagt er. Einer der Gründe dafür: „Wir haben gleich von Saisonbeginn an mit der Viererkette gespielt.“ Bei Roussillon ist’s eine Systemfrage. „Ich fühle mich darin einfach wohler, habe mehr Selbstvertrauen und bin im Rhythmus.“

Acht Vorlagen sollen es sein

Zwar hat der 27-Jährige aus seiner Lieblingsposition heraus nach acht Liga-Spielen noch keine Torbeteiligung vorzuweisen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich ganz hohe Ziele zu setzen. Acht Vorlagen peilt Roussillon an. 26 Spiele hat er dafür noch Zeit. Roussillon sollte am besten auch schnell damit anfangen, Zählbares zu liefern, denn sein Konkurrent ist zurück – und der hat keine schlechten Karten.

Der Konkurrent ist zurück

Paulo Otavio hatte sich im Oktober einen schmerzhaften Muskelriss zugezogen und war seither ausgefallen. Am Samstagnachmittag jedoch stand der Brasilianer im Spiel auf Schalke wieder im Wolfsburger Aufgebot. Trainer Glasner mag den dynamischen, spritzigen Otavio, der daher längst nicht nur stiller Ersatzmann Roussillons, sondern dessen Konkurrent ist. Sollte den Franzosen die Rückkehr und der damit steigende Druck beflügeln, würden fast alle davon profitieren: Roussillon selbst und der VfL ebenfalls – nur Otavio nicht, dessen Arbeitsplatz dann die Bank wäre.

Am Freitag gegen Bremen dürfte Roussillon von Beginn an spielen. Und seine erste Torbeteiligung dieser Saison geben. Die erste von acht.

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