VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg trennt sich von Florian Kohfeldt

| Lesedauer: 6 Minuten
Das 2:2 gegen den FC Bayern war das letzte Spiel von Florian Kohfeldt als Trainer des VfL Wolfsburg. Am Sonntag trennten sich Klub und Coach einvernehmlich. 

Das 2:2 gegen den FC Bayern war das letzte Spiel von Florian Kohfeldt als Trainer des VfL Wolfsburg. Am Sonntag trennten sich Klub und Coach einvernehmlich. 

Foto: Darius Simka / regios24

Wolfsburg.  Das Arbeitsverhältnis wurde einvernehmlich aufgelöst. Nachfolgekandidaten Hütter, Farke oder Terzic. Schindzielorz wird als Sportchef gehandelt.

Der letzte Eindruck, den der VfL Wolfsburg in dieser Bundesliga-Saison vermittelt hat, war ein versöhnlicher: Das 2:2 (1:2)-Unentschieden gegen Meister FC Bayern München war ein ordentlicher Schlusspunkt hinter diese turbulente Spielzeit mit dem besten Start aller Zeiten und einer schier endlosen Sieglos-Serie (neun Liga-Spiele, elf insgesamt) nach dem Trainerwechsel von Mark van Bommel zu Florian Kohfeldt. Der ehemalige Bremer Trainer hatte das Ruder noch einmal herumgerissen, unter dem 39-Jährigen blieb die Mannschaft in den letzten vier Partien ungeschlagen.

Und doch: Kohfeldt wird mit dem VfL nicht in die neue Saison gehen. Seit Sonntagnachmittag ist klar, dass es zur Trennung kommt. Die bis 2023 geplante Zusammenarbeit wird „einvernehmlich beendet“, wie es in der offiziellen Klubmitteilung heißt.

Mehr zu den Fußballern des VfL Wolfsburg:

Das ist eine große Überraschung und eine letzte Wende einer kuriosen Saison. Die Aussagen aller Wolfsburger Verantwortlichen in den vergangenen Tagen und Wochen ließen sich eigentlich nicht anders deuten, als dass Kohfeldt zur neuen Saison eine weitere Chance erhält – von der er selbst auch ausging. Der Trainer selbst hatte noch auf der Pressekonferenz nach dem München-Spiel am Samstag davon gesprochen, dass er im Laufe der kommenden Woche zwar in den Urlaub gehen werde. Doch er werde „sehr früh wieder anfangen, die Vorbereitung und die neue Saison zu planen.“ Gemeint war die bei den Grün-Weißen. Kohfeldt weiter: „Wir werden vom ersten Trainingstag an unseren Weg gehen. Wir müssen eine Gruppe haben, wie wir sie die letzten Spiele hatten. Wir müssen im Sommer hart arbeiten, um wieder Intensität reinzubringen.“

Schmadtke: Hätten von Beginn an „Drucksituation“ gehabt

Auch die sportlichen Entscheider mit Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer hatten zuletzt mit ihren Äußerungen nicht zweifeln lassen, dass es in dieser Konstellation weitergeht, man gemeinsam die internationalen Plätze wieder angreifen will. „Gehen Sie mal davon aus, dass wir mit Florian Kohfeldt in die neue Saison gehen“, hatte Schmadtke unlängst bei Sky gesagt. Womöglich eine Aussage, um vor dem Saisonende keine Unruhe aufkommen zu lassen. Oder eine, die nun kurzfristig revidiert wurde.

Am Sonntag wird Schmadtke jedenfalls wie folgt zitiert: „Wir haben die Analyse der Saison am Samstagabend und Sonntagvormittag fortgeführt und intensiviert und haben uns am Ende auch die Frage stellen müssen, wie belastbar eine weitere Zusammenarbeit wäre. Dabei sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass wir von Beginn an einer Drucksituation ausgesetzt wären, die eine zu große Bürde für Mannschaft, Trainer und Klub bedeuten würde. Von daher sind wir in vertrauensvollen und ehrlichen Gesprächen gemeinschaftlich übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden.“

Kohfeldt mit dürftiger VfL-Bilanz

Der Coach selbst hatte mit dem Klassenerhalt am drittletzten Spieltag in Stuttgart (1:1) und zuletzt vier ungeschlagenen Partien noch einmal für ein versöhnliches Ende dieser Achterbahn-Saison gesorgt. Wenngleich sein Engagement seit Oktober alles andere als ein großer Erfolg war: Sein Punkteschnitt liegt bei 1,14 in insgesamt 28 Pflichtspielen als VfL-Trainer. Neun Siege stehen 14 Niederlagen gegenüber, dazu gab es fünf Unentschieden.

Die Zweifel im Klub, zunächst im Aufsichtsrat, dann auch bei Schmadtke und Schäfer, sollen zuletzt größer geworden sein, dass Kohfeldt das Team nach Platz 12 in dieser Spielzeit wieder in die Erfolgsspur bringen kann. Eine solche Konsequenz wie bei der Kohfeldt-Trennung jetzt haben die VfL-Verantwortlichen bereits bei Mark van Bommel bewiesen. Auch bei dem ehemaligen Weltklasse-Spieler hatten Schmadtke und Schäfer sofort gehandelt, den erst im Sommer verpflichteten Niederländer schon nach 13 Partien am 24. Oktober nach einer 0:2-Niederlage beim SC Freiburg entlassen und diese Fehlentscheidung binnen weniger Tage mit Kohfeldt als Wunschlösung korrigiert. Es war damals wie jetzt eine harte Entscheidung und ein schmerzliches Eingeständnis, aber konsequent.

Kandidaten: Hütter, Farke und Terzic?

Schmadtke dazu: „Wir bedauern diese Entwicklung und bedanken uns bei Florian Kohfeldt, dass er uns in einer schwierigen Situation geholfen und die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, um den Klassenerhalt zu sichern. Wir wünschen ihm alles Gute und sind überzeugt, dass er seinen Weg als Trainer gehen wird.“

Es liegt in der Natur der Sache, dass direkt mögliche Nachfolger gehandelt werden. Adi Hütter, der am Samstag sein Aus bei Borussia Mönchengladbach im TV verkündet hatte, ist einer. Daniel Farke (FK Krasnodar/Norwich City) ein anderer. Möglich, dass der VfL auch noch einmal an Edin Terzic (Borussia Dortmund) herantritt. Der jetzige BVB-Funktionär war sowohl im vergangenen Sommer als auch nach der van-Bommel-Entlassung ein Thema beim VfL.

Bochums Sportchef Schindzielorz in Wolfsburg im Gespräch

Neben der Trainersuche könnte es beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg auch im Management eine Veränderung geben. Bochums Sportvorstand Sebastian Schindzielorz steht nach einem Bericht des „Kicker“ bei den Niedersachsen im Gespräch. Hintergrund ist die Tatsache, dass der Vertrag von Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke am 31. Januar 2023 endet. Schindzielorz, der zwischen 2008 und 2013 bei den Wölfen spielte, ist noch bis Ende des Jahres an Bochum gebunden.

Mehr aus dem Wolfsburger Sport:

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder