VfL-Frauen bei der Rückkehr immer noch „sehr enttäuscht“

Wolfsburg.  Den VfL-Spielerinnen ist die Enttäuschung über die 1:3-Pleite im CL-Finale gegen Lyon bei der Rückkehr des Fußball-Bundesligisten anzusehen.

Alexandra Popp aus dem Kapitänstrio des VfL Wolfsburg war im Interview auf dem Flughafen in Waggum nicht zum Lachen zumute.

Alexandra Popp aus dem Kapitänstrio des VfL Wolfsburg war im Interview auf dem Flughafen in Waggum nicht zum Lachen zumute.

Foto: Jörg Kleinert

Um 14.12 Uhr setzte der Flieger, eine Embraer E-190, auf der Landebahn am Flughafen Braunschweig-Waggum auf. 18 Minuten früher als angekündigt, kehrten die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg am Montag vom Champions-League-Finale aus dem spanischen San Sebastian zurück. So viel Rückenwind wie ihr Charterflieger, der um 12 Uhr in Bilbao abgehoben war, auf dem Rückflug offenbar hatte, hätten sich die Wolfsburgerinnen am Abend zuvor wohl auch für ihren Finalauftritt gegen Olympique Lyon gewünscht. Die Französinnen besiegten den erst nach dem Seitenwechsel mutigen VfL mit 3:1.

Eine Niederlage, die bei den Wolfsburgerinnen nachwirkte. Das war auf dem Rollfeld des Flughafens deutlich in den Gesichtern der Spielerinnen abzulesen, als die Mund-Nasen-Bedeckungen an der frischen Luft fielen. Müde wirkten sie, das Lächeln in die TV-Kameras fiel ihnen schwer. Lena Goeßling stellte sich, Pia-Sophie Wolter sagte ein paar Sätze, Anführerin und Finaltorschützin Alexandra Popp auch.

Zu wenig Selbstvertrauen

Die 29-jährige Nationalspielerin mochte ihre Enttäuschung auch am Tag nach der Niederlage nicht verbergen. „Natürlich wussten wir um die Qualität von Lyon, aber ich hatte schon gedacht, dass wir mit mehr Selbstbewusstsein an die Sache herangehen“, so Popp.

Die Gemütslage von VfL-Trainer Stephan Lerch war ähnlich: „Einen Tag nach solch einem Spiel fühlt es sich sehr nach Enttäuschung an“, sagte der 36-Jährige. „Wenn man in ein Finale einzieht, dann will man es unbedingt gewinnen. Das haben wir nicht geschafft, und deswegen sind wir heute sehr enttäuscht.“

Fingerzeig für Zukunft

Lyon sei indes sehr selbstbewusst aufgetreten. „Aber das war die Mannschaft auch in den vergangenen Jahren, weil sie einfach dieses Gefühl hat, sie ist unbezwingbar. Ich glaube aber nicht, dass das unsere Spielerinnen beeinflusst hat, weil wir wussten, was auf uns zukommt“, sagte der VfL-Coach weiter. „An so einem Tag brauchst du einfach 100 Prozent, einen perfekten Tag von unserer Seite und eine kleine Schwäche von Lyon. Aber das ist nicht so eingetreten und deshalb haben wir es am Ende auch nicht geschafft.“ Unter dem Strich blieb die Erkenntnis: Lyon bleibt der Klub, der im Frauenfußball Maßstäbe setzt, Wolfsburg hält im Rahmen seiner Möglichkeiten mit.

Das Finalturnier in San Sebastian und Bilbao habe laut Lerch aber einen Fingerzeig auf die Entwicklung im europäischen Frauenfußball gegeben: „Man hat, abgesehen von unserem Spiel gegen Glasgow, gesehen, wie eng dieses Turnier war. Man hat gesehen, dass es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, in ein Finale einzuziehen.“ In der Königsklasse weit zu kommen, „wird in Zukunft nicht leichter, sondern schwer“, so Lerch. „In Europa haben viele Mannschaften aufgeholt.“

Konkurrenz rüstet auf

In der Tat: Der Blick nach England zeigt, dass die finanzstarken Klubs wie Manchester City, Arsenal London oder FC Chelsea ihre Fühler immer stärker nach den Topstars der Szene ausstrecken. Gleiches gilt für den FC Barcelona oder Atletico Madrid. Auch die Spanier streben an die Spitze.

Ob die Stärksten sich womöglich erneut zu einem Endturnier treffen? Am Rande des Turniers in Spanien hatte Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter beim VfL, durchaus Sympathie für ein Achter-Finalturnier geäußert. „Jeder mag diesen Modus.“

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